Thomas Heil
© Deutscher Tennis Bund

Der Sportwart des Deutschen Tennis Bundes (DTB), Thomas Heil, stand stand unserer »Tennisredaktion« am 10. Juni freundlicherweise zum Interview bereit. Hierbei ging es um die Frage, warum man den Spielerinnen und Spielern seitens des DTB in der Corona-Saison nicht ermögliche, temporär und bei Einverständnis aller beteiligten Vereine für einen anderen Verein in einer anderen Mannschaft zu spielen. Unter der Headline »Den Königsweg gibt es nicht!« hat Thomas Heil ausführlich Stellung bezogen. Folgender Leserbrief erreichte uns gestern. Wir veröffentlichen ihn gemäß des Leserwunsches ohne Namensnennung, an Herrn Heil persönlich ging dieser Brief seitens der Leserin aber wie es sich gehört »mit Ross und Reiter«. Hinweis: Leserbriefe müssen nicht zwingend die Meinung der Redaktion widerspiegeln, dienen aber gegebenenfalls einer sachlichen Diskussion. Wir behalten uns darüber hinaus das Recht vor, Leserbriefe zu kürzen.

DTB German Pro Series
© Jürgen Hasenkopf

Sehr geehrter Herr Heil,

als interessierte Leserin der Tennisredakion habe ich Ihr lobenswertes Interview mit der Überschrift »Den Königsweg gibt es nicht!« vom 10. Juni 2020 zur Kenntnis genommen.

Allerdings muss ich Ihnen leider mitteilen, dass Ihre gut gemeinten Argumentationen stark mit der Praxis divergieren, wenn man sich die gerade begonnenen Medenspiele verschiedener Leistungsklassen, zum Beispiel bei den Damen, einiger Landesverbände genauer anschaut.

Genau das, was Sie als »gewichtigen Grund« angeben, um den Amateuren und Hobbyspielern keine »ausgewachsenen Profis und Ausnahmekönner« gegenüberstellen zu müssen, damit die »Spaßrunde« nicht »Plattform für Aktive aus den Bundesligen wird«, ist eingetroffen! Kompliment für Ihre vorausschauende Einschätzung!

Nun stehen den Freizeitspielern, die ein Mal in der Woche Mannschaftstraining haben, zahlreiche austrainierte, bezahlte Profispieler und Ausnahmekönner gegenüber, die diese »Spaßrunde« – es gibt keinen Auf-oder Abstieg – zum »Aufwärmen« nutzen oder möglicherweise als sinnvolle Fortsetzung der DTB-Einladungsturniere sehen. Dass dadurch die Mannschaftsstruktur und die Amateurliga verzerrt und benachteiligt wird, wen interessiert es…? Vielleicht der Abwärtstrend der zukünftigen Mitgliederzahlen? Das LK-System dient  doch hauptsächlich als Wirtschaftsfaktor mit dem Teilnehmerentgelt der immer mehr ausufernden Turnierstartgelder, beispielsweise 55 Euro für ein AK7-Turnier.

Sie sagen: „Das wäre ein falsches Zeichen für den Amateursport!“ Das wurde von Ihnen richtig gedeutet! Da bin ich ganz Ihrer Meinung, allerdings, das »wäre« nicht nur, es »ist« nun ein falsches Zeichen für den Amateur- und Freizeitsport. So treffen LK12, Lk13 bis Lk20 Freizeitsportler, auf Athletinnen, die unter den DTB-Top 50 bis 100 stehen! Welch ein Frust!

„Es ist halt nur Pech“, so lautet teilweise die Meinung interessierter und kopfschüttelnder Vereinsmitglieder, wenn sich ein Verein der legalen »Hintertür« durch unendlich lange namentliche Mannschaftsmeldelisten (in Baden hält ein Verein mit 23 namentlichen Meldungen und davon 17! Gastspielerinnen aus der ganzen Welt den beschämenden Rekord) nicht bedienen kann und dadurch die hinteren Positionen, nach Abmeldung der Bundesligen, auf die unterklassigen Ligen auf Kosten der Amateure ausweichen können.

Es ist daher absolut unverständlich, dass durch das Beharren der Meldefrist, den spielbereiten Amateuren, deren Plattforum eigentlich diese Medenrunden sind und für sie und den Verein das Highlight des Jahres darstellen – bedauerlicherweise – das Ausweichen in  andere Mannschaften mit etwa gleicher Ligastärke trotz mehrerer Anfragen bei hochrangigen Verantwortlichen nicht stattgegeben wurde, was weder auf Kosten anderer Spieler vollzogen worden wäre, noch die Mannschaftsstruktur wesentlich verändert hätte.

Glück oder Pech  gibt es nur im Glücksspiel, sehr geehrter Herr Heil und nicht in der Organisation des Wettspielbetriebes der einzelnen Landesverbände! Dies wäre für den weltgrößten Tennisverband doch sehr unwürdig. Dem DTB wäre es zu wünschen, mit Nachdruck mehr Einfluss auf die Landesverbände auszuüben, damit wieder viele, viele Menschen zum Tennisspielen kommen und nicht nur durch die autorisierte Hintertür und mangelnder Bereitschaft,  individuelle Maßnahmen (aber nicht im Sinne einer Ich-AG) in der aktuellen Notstandssituation anzupassen.

Mit freundlichen Grüßen.

 

Wie ist Eure Meinung zu diesem Thema?