Lendl übernimmt

Nun soll es also Ivan Lendl sein. Der neue »Supercoach« für Alexander »Sascha« Zverev. Was soll eigentlich der Begriff »Supercoach«? Reicht nicht auch Trainer oder Coach? Wie dem auch sei, Lendl ist sicherlich eine erstklassige Wahl für den jungen, wilden und oftmals unbeherrschten Zverev. Es war nicht nur eine Entscheidung pro Lendl, es war wohl auch eine Entscheidung contra Becker. Aber das ist eine andere Geschichte. Sich nicht Beckers Probleme ins Haus zu holen, war sicher eine kluge Entscheidung der Familie Zverev.

Erinnern wir uns: den ersten »Supercoach« (Juan Carlos Ferrero) haben die Zverevs bereits nach kurzer Zeit vom Hof gejagt. Just, als dieser dem jungen Bengel Disziplin und Ordnung beibringen wollte. Steht Ivan Lendl aber nicht auch für exakt diese Werte? Ich bin wirklich gespannt, inwieweit der mega-ambitionierte Vater Alexander Zverev senior, der selbstverständlich in Boot und Spielerbox bleibt, loslassen kann und Lendl autark arbeiten lässt. Ich hoffe für Zverev junior, dass es klappt, Explosionsgefahr dürfte aber definitiv vorherrschen. Ausgang offen. Vom kurzfristigen ersten Grand-Slam-Triumph bis zur raschen Trennung. Fakt ist: ein Ivan Lendl lässt sich bestimmt nicht auf dem Kopf herumtanzen. Nicht von einem halbreifen Jungstar, noch von einem überehrgeizigen Tennisvater. Lendl ist personifizierte Disziplin. Das muss er auch sein – bei sechs Damen daheim.

 

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

August 2018 · © tennisredaktion.de