Lachen – Lernen – Leisten…

Von Reimar Bezzenberger.

»Wer lacht, hat gut mitgemacht…« – mit diesem Leitmotiv soll das moderne Kindertennis fest in den Köpfen der Trainer verankert werden. Durch den  kindgerechten Einstieg lässt sich dieses Lehrkonzept anhand eines »3-L-Modells« – »Lachen, Lernen, Leisten« kinderleicht darstellen. Jedes Training, das mit Kindern durchgeführt wird, soll sich an den »drei Ls« orientieren. Ziel ist es, dass die Trainer Kinder erleben, die lachen, lernen und leisten. Die Trainer sollen sich nach jedem Training  darüber hinaus kritisch hinterfragen, ob ihre Spieler heute gelacht, gelernt und etwas geleistet haben. Und zwar genau in dieser Reihenfolge, denn ohne das erste L, die positiven Emotionen, sind die anderen Ls nicht umsetzbar.

Lachen… steht für die Bewegungsfreude. Kinder wollen lachen, weil es schön ist, ein gutes Grundgefühl erzeugt und das Lernen erleichtert. Hierfür strengen sie sich gerne an. Positive Gefühlszustände können auf unterschiedlicher Art und Weise erreicht werden, z.B. durch soziale Akzeptanz, Selbstwertgefühl, Freundschaften, Erfolg und Selbstvertrauen.

Lernen… heißt, psychisch, motorisch und sozial Fortschritte zu machen, bzw. sich durch Erfahrungen und Wissen (z.B. Tennisregeln) bestimmte Handlungsmuster (z.B. Fairplay) anzueignen. Die Hirnstruktur von Kindern ist ideal für das (motorische) Lernen ausgelegt. Sie befinden sich in dieser Altersstufe im besten Lernalter. Im Bereich der Koordination eignen sich Kinder vieles durch aktives Nachahmen an.

Leiste… bedeutet, sich anzustrengen oder die persönliche Bewertung der eigenen Leistung erfahren. Kinder möchten Aufgaben erfolgreich bewältigen. Sie sind leistungsbereit und wollen sich untereinander messen.

Ausbildungsschwerpunkte

Die »3mal3«-Strategie ist die praktische Umsetzung dieses Lehr- und Lern-Konzeptes. Sie enthält dabei die folgenden wichtigen Ausbildungsschwerpunkte: Tennis spielend lernen, Tennis spielen und variantenreich spielen. Das »3mal3«-Konzept dient dem Trainer als gute Orientierung und Inspiration und wirkt den oftmals im Vereinstraining zu sehenden Tatsachen entgegen, denn Kinder werden leider viel zu häufig »trainiert«, bevor sie überhaupt gelernt haben, miteinander zu spielen.

Tennis spielend lernen

Kinder benötigen in jedem Training ausreichend Gelegenheit, um Spielerfahrung zu sammeln und das Gelernte auszuprobieren. Der Trainer nutzt diese Spielform zur Lernkontrolle und zur Beobachtung. Er greift nur dann ein, wenn die Spielregeln verletzt oder Über- bzw. Unterforderungen auftreten. Das freie Spiel hat nicht nur großen Einfluss auf die Persönlichkeitsentwicklung, sondern auch auf die Entwicklung der Talente.

Tennis spielen

In diesem Ausbildungsabschnitt geht es darum, den Kindern die notwendigen Kompetenzen zu vermitteln, die sie im späteren Wettbewerb (Punktspiel, Turnier) benötigen, um  Erfolgserlebnisse zu sammeln. Dabei spielt das Punktesammeln eine entscheidende Rolle. Die Handlungsdynamik im Spiel wird erhöht. Die Bausteine »Punkte erzielen« und »Punkte gezielt vorbereiten« sollen größtmögliche Übungsdichte im Einzel und Doppel enthalten.

Variantenreich spielen

Diese vielseitigen Trainingsinhalte sorgen, wenn sie regelmäßig angewendet werden, für viele ergänzende Bewegungsakzente. Die Kinder werden vielseitig gefordert, wenn verschiedene Sinne angesprochen werden. Fortschritte in diesen Bereichen beeinflussen darüber hinaus die Handlungsschnelligkeit. Die Philosophie dieses Ausbildungsweges ist, dass Kinder nur dann Tennis spielen lernen, wenn sie viel Tennis miteinander spielen. Statt monotoner Techniklektionen sollten Bewegungs- und Spielformen in Form von vielfältigen Spielaufgaben gestellt werden. Tennis ist ein Spiel, in dem die Spieler ständig Entscheidungen treffen müssen. Diese Fähigkeit wird am effektivsten durch Spielformen geschult. Dies ist ein klares Bekenntnis zu den oben stehenden Ausbildungsleitsätzen und einer Abkehr vom ergebnisorientierten Tennisspiel, das leider immer noch viel zu oft praktiziert wird.

März 2019 · Photocredit: Tennisredaktion.de