Userfrage: „Hallo Herr Damaske! Ich würde gerne wissen, wie das Regelwerk die Kommunikation zwischen zwei Doppelpartnern während des Ballwechsels sieht! Ich erinnere mich an eine Doppelpartie im Rahmen eines Meisterschaftsspiels, wo unsere Gegner derartigen Redebedarf für sich in Anspruch nahmen, dass mein Partner und ich uns echt immens gestört fühlten. Die Kommunikation unserer Gegner ging hierbei weit über das übliche »Du« oder »Lass« hinaus. Danke für Ihre Mühen!“

Hallo Erich!

Das ist eine sehr gute Frage, die auch auf der Tour schon einmal zu Scharmützeln bei den Teams geführt hat. Generell gilt hier die »Hindrance-Regel«, also die Behinderungsregel. Anzuwenden ist hier der absichtliche Behinderungsteil, der zum Punktverlust führt.
Dabei bewertet der Schiedsrichter auf der Tour, was eine normale Doppelkommunikation ist und was den Gegner absichtlich behindern soll.

Da Doppel ein Teamsport ist, sind sich die meisten einig, das untereinander kommuniziert werden darf. Kurze Kommandos untereinander wie z.B. »Wechsel!« – »Bleib!« – »Du! – »Meiner!« dürften als »normal« betrachtet werden. Schwieriger wird es natürlich, wenn in den Schlag/Schwung des Gegners laut reingerufen wird. Dieser Fall ist dann der Übergang zur absichtlichen Behinderung, der natürlich mit Fingerspitzengefühl beobachtet und geahndet werden sollte. Dabei sollte sich der Schiedsrichter hinterfragen: Ist das noch »normale« Doppelkommunikation oder dient es vielleicht anderen Zielen. So gab es auf der Tour schon einmal Uneinigkeit darüber bei den Teams, ob »Cover your line!« leise im Ballwechsel gesprochen schon als absichtliche Behinderung gelten sollte. Das würde ich als Graubereich der Regeln bezeichnen. Dort sollte im Einzelfall entschieden werden, mit dem Gefühl für die Kommunikation im gesamten Match.

In Ihrem Fall – beim Spiel ohne Schiedsrichter – fehlt die Instanz des Schiedsrichters vor Ort. Sie sollten dann den Oberschiedsrichter zum Platz rufen, der dann eine Bewertung der Kommunikation des gegnerischen Teams vornimmt. Ist das hier jetzt »Gamesmanship«, also mentale Kriegsführung über die »normale« Doppelkommunikation hinaus, dann wird der Oberschiedsrichter das in der Regel mit einer Ermahnung und beim zweiten Vergehen mit Punktverlust ahnden. Vor allem, wenn die Äußerungen unmittelbar vor Ihrer Schlagausführung lautstark getätigt werden.

Christoph Damaske

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Christoph Damaske studierte BWL und Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation zwischen 1999 und 2004 an der Deutschen Sporthochschule Köln. Als sportpsychologischer Experte (asp/bdp) arbeitet er mit Spitzensportlern und Mannschaften im Leistungssport. Christoph besitzt seit 2004 den »Silver-Badge«-Status im internationalen Schiedsrichterwesen und kann demzufolge auf eine erfolgreiche Karriere als international zertifizierter und erfahrener Tennis-Schiedsrichter blicken. Seit 2010 arbeitet Christoph als erfolgreicher Sportpsychologe in Köln und Umgebung mit Teams und Athleten vom Nachwuchs bis in den Profisport. Mit seiner Firma »B.FIT – Sportconsulting« veranstaltet er das größte und berühmteste deutsche Tennis-Bäderturnier, die »Borkum Open«.

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