Klimakterium

Die 20-jährige Japanerin Naomi Osaka hat ihre fast doppelt so alte US-Amerikanische Gegnerin Serena Williams im Finale der US Open bei ihrem 6:2, 6:4-Erfolg mit ihrer stoischen Ruhe und Coolness an den Rande des Wahnsinns getrieben. Die Rekord-Grand-Slam-Siegerin hatte das Nachsehen und musste der biologischen Uhr Tribut zollen. Und das ist auch gut so. Es ist längst Zeit für einen Generationen-Wechsel. Die Altmeisterin zeigte auch bei den US Open – noch dazu in der größten Tennis-Arena der Welt – einmal mehr keinerlei Spaß, an dem was sie da tat. Im Gegenteil: es bot sich den Zuschauern eben jenes Bild, welches man von ihr kennt. Hängender Kopf, hängender Schläger, schlurfend-schleichende Bewegungen zwischen den Ballwechseln, für nicht wenige verkörpert sie die pure Arroganz. Im heutigen Finale des letzten Majors des Jahres wurde sie – wie schon in Wimbledon – Gott sei Dank in die Schranken gewiesen. Von einer Gegnerin, die keinerlei Angst oder Respekt vor dem großen Namen zeigte.

Wieder wird sich Serena auf ihre kürzliche Geburt und die damit kommunizierten Komplikationen berufen. Sie hat weder ihre Gegnerinnen, noch ihre eigenen Hormone im Griff. Immer wieder fällt sie aus der Rolle. Und nie akzeptiert sie auf dem Court die Leistung ihrer Gegnerin. Erst, wenn das Kind in den Brunnen gefallen ist, sprich: bei der Siegerehrung, setzt sie wieder ihr schauspielerisches Talent ein. „You really deserved this title! You played so well! You are fantastic! I am really proud to share this court with You!” Bla, bla, bla. Das übliche Gequatsche, um von sich selbst abzulenken. Nur eine Hand voll Fans und natürlich die selbstverliebten Eurosport-Kommentatoren fallen darauf rein und loben Serena als faire Sportsfrau sowie deren Umgang mit der Niederlage. Lächerlich. Im Moment der Pokalübergabe an die Gegnerin könnte sie die Welt umpflügen. Das ist Fakt.

In Serenas Körper funktionieren einige Zusammenspiele offensichtlich nicht mehr. Sie ist nahe an den Wechseljahren, in der Fachsprache: Klimakterium. Gewichtszunahme, Nervosität, Reizbarkeit, Bluthochdruck, Leistungsabfall, Überempfindlichkeit, all dies kann man durchaus mitunter bei ihr ausmachen. Die Kontrolle geht bei ihr an verschiedenen Orten im Körper offenbar flöten. Vor allem im Hypothalamus, einem Teil ihres Gehirns. Stress und Angst kann sie ganz offensichtlich nicht mehr steuern. Sie wirkt unbeherrscht, teilweise hilflos. Sie produziert Doppelfehler am laufenden Band, sucht händerringend nach Handzeichen vom Coach und muss dem ungeheuren Tempo der jüngeren Konkurrenz immer wieder Tribut zollen.

Osaka war dies alles scheißegal. Sie hat ihrer hochdekorierten Gegnerin den breiten Hintern versohlt. Eiskalt. Auch das Publikum im »Arthur Ashe« war eine Katastrophe. Auch dies war Osaka scheißegal. Aus diesem Hexenkessel musst Du Dich in Deinem ersten Grand-Slam-Finale erst mal mit dem Pokal verabschieden. Das war in dieser Saison die mit Abstand größte sportliche Leistung im Damentennis. Osaka rules.

 

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

September 2018 · © tennisredaktion.de