»Insights Tennis World«

Von Dirk Hordorff.

So, zurück aus Madrid, mache ich mich, während sich Spanien gegen Großbritannien gerade das zweite Endspielticket sichert, an die finale Davis-Cup-Analyse.

1. Großer Respekt für die siegreichen Teams! Die sportliche Darbietung aller Spieler war sehr viel besser, als ich das nach einer langen Saison vermutet hatte. Team- und Kampfgeist haben gezeigt, wie sehr sich die Spieler mit einem Mannschaftswettbewerb identifizieren.

2. Gratulation auch an das »Kosmos«-Team, welches beim Davis Cup erstmalig die Feder führte, für die exzellente Organisation. Gratulation an Galo Blanco und dessen Team! Great job! Alle Spieler wurden umsorgt und haben dies auch sehr genossen. Ich denke, dass die meisten Spieler diese Veranstaltung in guter Erinnerung behalten werden.

3. Auch die ITF hat ihren Job sehr professionell erledigt. Die Schiedsrichter, allen voran der »Head of umpires« Sören Friemel, haben toll gearbeitet und versucht, Lösungen für jedes Problem zu finden.

4. Alle 18 Teams in einer Woche und an einem Standort zu versammeln und auf den Spielplan zu bringen, war eine echte Herausforderung und hat nicht funktioniert. Wird es auch in Zukunft nicht. Änderungen müssen her.

5. Der gewählte Standort ist für die »Madrid Open«, ein Outdoor-Event im Monat Mai, perfekt. Wenn Zuschauer aber Ende November bis zu zwei Stunden vor der Halle in der Kälte und bei pfeifendem Wind auf Einlass warten müssen, so ist dies absolut inakzeptabel. Diese negativen Begleitumstände können für das kommende Jahr hoffentlich behoben werden.

6. Waren die spanischen Lokalmatadoren nicht an den Matches beteiligt, glichen die Zuschauerzahlen einem Desaster. Was immer die Offiziellen auch sagen: Bilder lügen nicht! Wer aber im Vorfeld glaubte, bei Begegnungen um 11 Uhr vormittags großartige Zuschauerzahlen mitten in der Woche generieren zu können, der bewegte sich fern der Realität. Die Eröffnungszeremonie war ein netter Versuch, schlug aber fehl.

7. Die »Davis Cup Finals« wurden von der Mehrheit der ITF-Nationen abgenickt. Ob man es nun mag oder nicht: diese Mehrheit ist zu akzeptieren. Kosmos hat eine lang ausgerichtete Vereinbarung mit der ITF und gemeinsam sollten wir nun alles daran setzen, diese Veranstaltung zu einem Erfolg werden zu lassen.

8. Ich unterstreiche die Meinung vieler, die behaupten, dass das, was da in Madrid stattgefunden hat, nichts mit dem eigentlich Davis Cup zu tun hat, so wie wir ihn kennen. Wie immer man dieses Event nun bezeichnet, es ist eine Veranstaltung, wo die Spieler Null Weltranglistenpunkte abgreifen und 17 Mannschaften plus Spanien auf einer Außenanlage um den Titel spielen.

9. Spieler und Verbände kassieren große Summen. Das ist gut. Die Nationen benötigen das Geld für die Entwicklung des Tennissports in ihren Verbänden, die ITF benötigt das Geld, um das Spiel als solches weiterzuentwickeln.

10. In einer Sache sind sich alle Experten, einschließlich Ion Tiriac und Tony Godsick, einig: diese Veranstaltung wird nicht jenes Geld einspielen, welches Kosmos verteilt. Wir alle sollten hoffen, dass wir da falsch liegen und dass jene Gelder, die Kosmos da bewegt, dem Tennissport nicht um die Ohren fliegen.

Fazit: Wir sollten alle hoffen, dass umfangreiche Reformen den »Davis Cup Finals« in Madrid eine Chance aufs Überleben geben. Nach dieser Turnierwoche müssen ITF und Kosmos das Event gemeinsam und behutsam bewerten und versuchen, die Probleme zu beheben. Kosmos hat sich seinerzeit angeboten und ist nun in der Pflicht, genügend Geld zu generieren, um das Event erfolgreich zu gestalten. Sich jetzt über den »Laver Cup« oder auch den »ATP Cup« zu beschweren, ist mir zu billig.

Kosmos hat ein neues Event kreiert. Ich vergleiche es mit dem »World Team Cup« in Düsseldorf. Lasst uns mal schauen, wie der »ATP Cup« in Australien Anfang 2020 funktioniert. Am Ende gibt es keine Probleme, wenn beide Veranstaltungen und auch der »Laver Cup« erfolgreich verlaufen. Für die Spieler sowieso nicht. Jedes Event muss im Interesse des Tennissports und der Spieler stehen.

Kosmos zahlt für die eine Woche mehr, als jedes der vier Grand-Slam-Turniere, splittet man deren zweiwöchige Turnierphase auf. Dabei sind die Gelder, die an die Verbände und die ITF fließen, noch gar nicht mit eingerechnet. Der »ATP Cup« zahlt 50 Prozent mehr Preisgeld, als Indian Wells, immerhin das größte 10-Tages-Turnier der ATP, die Qualifikationstage nicht mit eingerechnet. Die Spieler sollten also froh sein über zusätzliche Zahltage und mithelfen, alle Veranstaltungen zu einem Erfolg werden zu lassen. Und vergessen wir nicht, dass Kosmos neben den 18 Millionen Preisgeld weitere 9 Millionen an die Verbände und unzählige weitere Millionen an die ITF bezahlt. Die Spieler sollten dies immer im Hinterkopf haben und sich erinnern, dass ihre Tenniskarrieren ohne die Unterstützung in ihren Verbänden wohl niemals hätten gestartet werden können. Auch sollten sie sich bewusst sein, dass der »ATP Cup« nicht nur 15 Millionen an Preisgeldern ausschüttet, sondern darüber hinaus auch 10 Millionen an die ATP überweist, die den professionellen Tennissport überhaupt erst am Laufen hält.

Auf der einen Seite habe ich natürlich vollstes Verständnis für die Spieler, die in wenigen Jahren ihres aktiven Tennissports möglichst viel Geld verdienen müssen, auf der anderen Seite gibt es da aber auch die Veranstalter, die ebenfalls das Maximum abgreifen wollen und müssen. Vielleicht bin ich ein wenig altmodisch veranlagt, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf, dass jemand der Tenniswelt den Davis Cup zurückbringt.

November 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf