Indirekter Gruß an Kerber

Von Christoph Kellermann.

Bianca Andresscu, laut Angelique Kerber angeblich die »größte Drama-Queen aller Zeiten«, wird am morgigen Samstag im Finale der US Open die 23-malige Grand-Slam-Gewinnerin Serena Williams herausfordern. Beide Endspielteilnehmerinnen qualifizierten sich für das finale Shootout im Arthur Ahse Stadium jeweils durch Zweisatzsiege. Die Kanadierin setzte sich gegen die Schweizerin Belinda Bencic nach zwei Stunden und zwölf Minuten mit 7:6, 7:5 durch und die US-Amerikanerin ließ nach gut einer Stunde bei ihrem 6:3, 6:1-Erfolg über die Ukrainerin Elina Svitolina zu keinem Zeitpunkt der Partie irgendwelche Zweifel aufkommen, wer sich das zweite Finalticket schnappen würde. Die Dominanz der US-Amerikanerin in den letzten vier Partien war schon enorm, dennoch traue ich es Andreescu zu, den ganz großen Wurf zu landen. Sie ist raffiniert und unerschrocken, kennt keine Angst vor großen Namen. Dennoch schwingt das Pendel des Momentums wohl Richtung 24. Grand-Slam-Erfolg für Williams, die aber, den alleinigen Slam-Rekord vor Augen, schon einige Male im finalen Match scheiterte. An ihren Gegnerinnen und an sich selbst. Für Spannung ist also gesorgt.

Semifinale – Damen-Einzel

Bianca Andreescu (Kanada) vs. Belinda Bencic (Schweiz) 7:6, 7:5
Serena Williams (USA) vs. Elina Svitolina (Ukraine) 6:3, 6:1

»KraMies« sind draußen

Nichts wird es also mit dem Vorhaben, die New Yorker Freiheitsstatue abzuschrauben, falls ihnen bei den US Open der zweite Grand-Slam-Titel gelingen würde. Das beste deutsche Doppel musste sich im Semifinale des letzten Grand-Slam-Turniers des Jahres dem spanisch-argentinischen Duo Marcel Granollers/Horacio Zeballos mit 6:7, 6:7 beugen. Trotzdem sind Kevin Krawietz und Andreas Mies auf bestem Wege, sich für die ATP World Tour Finals in London zu qualifizieren. Beim Saisonabschluss in Endglands Hauptstadt dürfen nur die besten acht Duos des abgelaufenen Saison ran. »KraMies« könnten diesen Sprung schaffen. Das wäre wirklich der Wahnsinn für ein Duo, dass noch im ersten Quartal des Jahres 2019 überwiegend auf der Challenger-Tour zu Hause war.

Ellerbrock startet mit Doppelsieg

Im Rollstuhltennis-Wettbewerb der US Open ist die Westfälin Sabine Ellerbrock seit vielen Jahren Dauergast. Gestern startete sie an der Seite ihrer südafrikanischen Partnerin Kgothsato Montjane mit einem knappen Doppelerfolg über die Niederländerin Marjolein Buis und Dana Mathewson aus den USA (6:1, 4:6, 10:6), was im schmalen Rolli-Doppelfeld immer auch gleichbedeutend mit dem Finaleinzug ist. Dort warten die topgesetzten und hoch favorisierten Niederländerinnen Diede De Groot und Aniek Van Koot. Im Einzel muss Ellerbrock mit der Nummer Eins der Welt, Diede De Groot, am heutigen Freitag ebenfalls die wohl höchstmögliche Hürde nehmen. Zwei wahre Herkulesaufgaben.

September 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf