»Ich lass mich nicht behindern«

Gerald Metroz
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Von Chris­toph Kel­ler­mann. Der Blick auf den Buch­de­ckel mag für man­che Men­schen etwas scho­ckie­rend wir­ken, schließ­lich ver­steckt Autor Gérald Métroz sei­ne Bein­stümp­fe nicht. Auf die­sem Foto, wel­ches im Rah­men einer Kam­pa­gne ent­stand, ver­deckt er sie noch nicht ein­mal. Den schreck­li­chen Moment, als er im Jah­re 1964 als zwei­ein­halb­jäh­ri­ges Kind spie­lend unter einen Zug rutscht und hier­bei sei­ne Bei­ne abge­trennt bekommt, hat er im Lau­fe sei­nes Lebens schnell als Chan­ce erkannt. Dies und nichts ande­res ver­mit­telt er sei­nen Lese­rin­nen und Lesern mit sei­nem Buch »Ich lass mich nicht behin­dern« bei sei­nem Streif­zug durch ein wirk­lich bewe­gen­des Leben bis zur letz­ten Sei­te. Er lässt uns beein­dru­ckend offen dar­an teil­ha­ben, wie müh­sam es war, sich trotz die­ses enor­men Han­di­caps in der Gesell­schaft zu behaup­ten. Bis auf die feh­len­den Bei­ne zu sein wie alle ande­ren. Beein­dru­ckend wie­der ein­mal, welch’ ent­schei­den­de Rol­le der Sport hier­bei spie­len kann. Hat­te er zunächst als Eis­ho­ckey-Tor­wart unter Nicht­be­hin­der­ten auf sich auf­merk­sam gemacht, schlug er spä­ter eine Welt­klas­se­kar­rie­re als Roll­stuhl-Bas­ket­bal­ler und ‑Ten­nis­spie­ler ein, die ihn bis zu den Paralym­pics beförderte.

Als Initia­tor einer Roll­stuhl­ten­nis-Initia­ti­ve und lang­jäh­ri­ger Bun­des­trai­ner spricht mich die­ses Buch natür­lich in ganz beson­de­rer Art und Wei­se an. Das ist klar. Gespickt ist die­se Lebens­ge­schich­te mit bewe­gen­den und sehr per­sön­li­chen Brie­fen aus Géralds Fami­li­en- und Freun­des­kreis, die uns auch noch mal die Sicht von außen ver­mit­teln. Die­ses »Mut­ma­cher­buch«, wel­ches sich sowohl an Men­schen rich­tet, denen das Schick­sal übel mit­ge­spielt hat, als auch an Men­schen, die eigent­lich kei­nen Grund hät­ten, sich über irgend­et­was in ihrem Leben zu beschwe­ren, ist eben­so bemer­kens- wie lesens­wert, vor allem für vie­le jun­ge und ver­wöhn­te Möch­te­gern­pro­fis, die ihr Leben bereits nach zwei Dop­pel­feh­lern oder wegen ande­rer Bana­li­tä­ten schon has­sen. Das Buch macht demü­tig und weckt Dank­bar­keit. Men­schen wie Gérald Métroz sind ech­te Vor­bil­der. Fazit: Tol­les Buch, lei­der mit nicht mal 200 Sei­ten etwas zu schmal. Trotz­dem vol­le Punkt­zahl: Fünf Asse!

    

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