Hose gestrichen voll

Von Christoph Kellermann.

Wer schon mal Turniertennis gespielt hat, der kennt diese Gegner, die man schon vom Grunde her nicht sonderlich mag und vor denen man sich buchstäblich vorher in die Hose scheißt. Der Grieche Stefanos Tsitsipas ist für unsere deutsche Nummer Eins, Alexander Zverev, solch ein Gegner. Bei jedem Turnier ist Sascha froh, wenn die Namen Zverev und Tsitsipas im Tableau nicht sonderlich eng beisammen stehen. Im Gruppenmodus der »ATP Finals« in London konnte Zverev seinem Angstgegner gestern Abend allerdings nicht weglaufen.

Tsitsipas, der auch in der Londoner O2-Arena eine für den Zuschauer unangenehme Unruhe auf den Court bringt, als hätte er zehn Kannen schwarzen Kaffee intus, ließ den amtierenden »Weltmeister« beim 6:3, 6:2 nicht den Hauch einer Chance. Gefühlt war die Partie aber wie gesagt schon vor Betreten des Platzes entschieden. Tsitsipas war wirklich außerordentlich gut, doch was die Zuschauer von Zverev zu sehen bekamen, war nix. Wenn Zverev Top-Leistung abliefern will und soll, dann muss er sich wohl fühlen und im Idealfall die Gelegenheit bekommen, sich seinen Gegner vorher auszusuchen. Da das Gott sei Dank nicht möglich ist, werden Zuschauer und Fans damit leben müssen, dass der gebürtige Hamburger immer zwei Gesichter zeigen wird. Meine Befürchtung ist, dass auch sein letzter Gruppengegner, der Russe Daniil Medvedev, nicht unbedingt zu Saschas Lieblings-Buddies zählt. Nur ein Sieg am Freitag aber hält Zverev im Turnier. Medvedev seinerseits übrigens verspielte gegen den Spanier Rafael Nadal eine 5:1-Führung im dritten Satz, verlor also auch sein zweites Gruppenmatch. Rafa siegte mit 6:7, 6:3, 7:6. Wie ein Champion halt.

November 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf