Güteklasse A

Freunde, heute war es für mich wieder soweit: DTB-B-Trainer-Lizenzverlängerung. Neben der für 39 Euro für die DTB-Gelddruckmaschine »Online-Campus« ist zum Lizenzerhalt für alle Trainer ja bekanntlich auch eine jährliche Fortbildung in einem Landesverband zwingend erforderlich. Zusätzliche 55 Piepen auf den Tisch, sonst Fleppe weg! Bislang war ein solcher Fortbildungstermin nicht nur für mich fast zu 100% ein verlorener Tag. Groß angekündigten spannenden Themen folgten meist überheblich-grausame – und was noch viel schlimmer ist: oft inkompetente Präsentationen. Vielleicht erinnert Ihr Euch an einen früheren Blog von mir, da brachte man mir bei: „Im Profitennis werden die gegnerischen Aufschläge in der Rückwärtsbewegung und mit einem »Heavy Spin« returniert.” So weit, so schlecht.

Heute erlebte ich mit 18 weiteren Coaches in meinem Heimatverein TuS Ickern eine Trainer-Fortbildung, wie sie im Buche steht. Dass es hierbei thematisch um meine große Leidenschaft, den Behindertensport, ging, findet zunächst einmal nur beiläufig Erwähnung. Nein, in meiner Beurteilung des heutigen Samstages geht es mehr um die Leistung des Referenten, der es schaffte, alle Anwesenden sowohl theoretisch, als auch praktisch über sage und schreibe sechs Stunden uneingeschränkt in seinen Bann zu ziehen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass dies eine echte Herausforderung ist.

Niklas Höfken, gerade einmal 26 Jahre jung und einer von vier aktuellen DTB-Bundestrainern für das Ressort Rollstuhltennis, hat heute wunderbar abgeliefert. Leidenschaftlich, engagiert – sprachlich und rethorisch erstklassig. Als einer seiner Amtsvorgänger und mit über zwölfjähriger Erfahrung im Rollstuhltennissport erlaube ich mir, ihn auch fachlich zu bewerten – und hier bekommt er von mir eine »Eins mit Sternchen«. Die Themen »Rollstuhltennis und Blindentennis« legte er den Teilnehmern mit großer Passion ans Herz. Kollege Höfken hat heute nicht nur aufgezeigt, wie solch eine Fortbildungs-Veranstaltung ablaufen sollte, sondern auch, was dem DTB und dessen Landesverbänden definitiv fehlt: junges Blut, Dynamik sowie leidenschaftliche und bodenständige Präsenz.

Man kann nur hoffen, dass sich der DTB einen motivierten Funktionär und Referenten dieser Güteklasse warm hält und dessen Ressort und Ideen finanziell und ideell nach Kräften unterstützt. Der Glaube daran fällt mir allerdings schwer. Zum einen erfährt dem Rollstuhltennissport innerhalb des DTB ganz offensichtlich noch immer nicht jene Wertschätzung, die ihm gebührt und zum anderen werden Tugenden wie schnelles und autarkes Arbeiten oder das selbstständige Einbringen innovativer und moderner Ideen für engagierte Menschen nicht selten zum Bumerang und lassen sie auf oftmals selbstherrlicher Vorstands- oder Präsidiumsebene sehr schnell unbequem werden. Mit »Dienst nach Vorschrift« aber hat noch kein Mensch wirklich etwas Atemberaubendes bewegt. Wie wichtig dem DTB das Thema Inklusion ist, zeigt der Zeitplan des Bundeskongresses im Januar in Berlin. Niklas Höfken darf eine Stunde lang referieren. Samstags in der Früh von 9 bis 10 Uhr. Zu dieser Zeit schaffen es die Teilnehmer nach langer Berliner Nacht nicht mal bis zum Frühstücksbuffet.

 

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
tennisredaktion.de

Oktober 2018 · © tennisredaktion.de