Goellner über den Davis Cup

Userfrage: „Hallo Herr Goellner! Sie sind als Sieger von 1993 ja mit dem Davis Cup eng verbunden. Was sagen Sie denn zu der aktuellen Entwicklung und den Plänen von den Herren Haggerty und Piqué? Ist das nicht ein Stich in Ihr Davis-Cup-Herz? Ich hoffe auf eine ausführliche Antwort und bin sehr gespannt, was jemand sagt, der die Schüssel einst gewinnen konnte. PS: In Frankreich wurde jüngst vor 20.000 Fans gespielt. In einem Fußballstadion. So etwas wird es wohl nie wieder geben, oder?“

Marc-Kevin Goellner: Deutschland hat das letzte Mal vor 25 Jahren den Davis Cup gewonnen. Der aktuellen Entwicklung rund um diesen absolut einmaligen Wettbewerb sehe ich mit einem lachenden und mit einem weinenden Auge entgegen. Michael Stich, Patrik Kühnen, Carl-Uwe Steeb, Bernd Karbacher und ich haben also 1993 – ohne es damals zu wissen – Geschichte geschrieben. Wir sind tatsächlich die letzten deutschen Davis-Cup-Sieger in dem Format, wie wir alle diesen Wettbewerb kennen und lieben gelernt hatten. Ich glaube, dass die Entwicklung dahin geht, dass die absoluten Topspieler nicht an der mehr als umstrittenen Endrunde teilnehmen werden, da diese bekanntlich nach den saisonabschließenden ATP World Tour Finals stattfinden soll. Alexander Zverev hat bereits gesagt, er sei raus und ich glaube, dass weitere Frontplayer – auch ein Novak Djokovic – lieber ihren wohlverdienten Jahresurlaub antreten werden, als in diesem reformierten Wettbewerb nach einer langen Saison kurz vor Jahresfrist nochmals zum Schläger zu greifen. Die Topspieler können auch nicht mehr mit Geld gelockt werden, weil sie schon mehr als genug davon haben. Vielleicht können die Verantwortlichen noch was über zu vergebende ATP-Punkte regeln, aber Fakt ist: der Davis Cup wird nie wieder so sein, wie er mal war. Vier Männer, das ganze Jahr über ein Team, die unfassbare Atmosphäre durch die Vergabe des Heimrechts – all dies ist gestorben. Leider.

Autor: Marc-Kevin Goellner
Photocredit:
Tennisredaktion.de

Januar 2019 · © Tennisredaktion.de