GOAT
© Jürgen Hasenkopf

Wer ist denn nun der Größte aller Zeiten? Kaum ein Thema spaltet Fans und Experten mehr, als die Frage nach dem absolut Besten. Das Tennis hat ja in den vergangenen Jahrzehnten viele großartige Stars hervorgebracht, unter ihnen absolut geniale Spieler wie Rod Laver, Ilie Nastase, Roy Emerson, Jimmy Connors, Pete Sampras oder John McEnroe. Eigentlich kann es in Bezug auf den so genannten »GOAT« (Greatest of all time) aber doch nur einer der aktuellen »Big Three« sein, oder? Entweder Federer, Djokovic oder Nadal…

Roger Federer
© Jürgen Hasenkopf

Federer, Djokovic oder Nadal?

Roger Federer (Schweiz/38 Jahre alt), Novak Djokovic (Serbien/32) oder Rafael Nadal (Spanien/33). Diese drei Dauerbrenner waren von allen Vorgenannten bislang mit Abstand am erfolgreichsten und werden die Szene darüber hinaus wohl auch in den kommenden Jahren noch maßgeblich mitbestimmen. Doch welcher dieser drei Spieler gilt am Ende nun wirklich als der »Größte aller Zeiten«?! Oder sollten wir der Fairness halber alle drei Ausnahmekönnen in einem Atemzug nennen? Für die Fans ist vieles sicher sehr subjektiv. Für die Experten ist vieles aber auch klar belegbar.

Ist es Doppel-Olympiasieger Roger Federer, der Stand heute die meisten Grand-Slam-Triumphe (20) sowie die mit Abstand meisten Einzelsiege auf der Tour feiern konnte (1.237) und darüber hinaus die mit riesigem Abstand weltweit größten Sympathien für sich verbuchen kann? +++ Oder ist es Novak Djokovic, der das abgelaufene Jahrzehnt mit 15 Grand-Slam-Triumphen (bei insgesamt 16 Karriere-Majors), 29 Masters-1000-Erfolgen und vier ATP-Finals-Siegen deutlich dominierte und sich in seiner Karriere auch das dickste Preisgeld-Konto von allen Tennisprofis aufpumpem konnte (136.954.944 US-Dollar)? +++ Oder ist es doch Rafael Nadal, der insgesamt 19 Majors gewann, darunter alleine 12 Mal die French Open, und darüber hinaus als einziger der drei ganz Großen auch olympisches Einzelgold einfuhr? +++ Was zählen Federers 310 Wochen als Nummer Eins der Welt? Kollege Djokovic kommt auf bislang 275 Wochen an der Spitze der Weltrangliste und Nadal, der aktuelle Weltranglistenerste, hatte im Ranking bisher insgesamt 200 Wochen lang niemanden mehr über sich. +++ Wird Nadal vielleicht zum Verhängnis, dass er bislang nie die begehrten ATP-Finals gewinnen konnte? Federer gewann das finale Shoot-Out der acht besten Spieler der Saison bislang sechs Mal, Djokovic war fünf Mal erfolgreich.

Rafael Nadal
© Jürgen Hasenkopf

Vieles ist subjektiv…

Zurück zu den Fans und Experten: Erst- und Letztgenannte erfinden in der »GOAT«-Diskussion immer neue Disziplinen, so wie es ihnen gerade in den Kram passt. Teilweise sind das echt abgefahrene Statistiken. Am Ende zählen für mich nur Titel – und zwar nach folgender Wertigkeit: (1) Grand-Slam-Titel, (2) ATP-Finals-Triumphe, (3) ATP-Masters-1000-Erfolge, (4) ATP-Tour-500-Siege, (6) ATP-Tour-250-Trophäen und wegen meiner auch noch (7) Davis-Cup-Siege und (8) olympisches Edelmetall. Natürlich spielt auch die Head-to-Head-Bilanz dieser drei großartigen Tennisspieler eine gewisse Rolle, um herauszufinden, wer in der Summe der beste Spieler ist. Hier hat Federer übrigens trotz all seiner bislang unerreichten Erfolge in beiden Vergleichen ziemlich deutlich das Nachsehen.

Head-to-Head-Vergleiche

Djokovic vs. Nadal 28:26
Djokovic vs. Federer 26:23
Nadal vs. Federer 24:16

Vieles spricht für Djokovic

Ich persönlich oute mich gern als absoluter Federer-Fan, zolle aber selbstverständlich auch den Herren Djokovic und Nadal meinen allergrößten Respekt. Für mich ist Novak Djokovic das größte Mentalmonster auf der Tour und ganz sicher der kompletteste Spieler aller Zeiten. Rafael Nadal ist ohne jeden Zweifel der größte Kämpfer aller Zeiten und ein absolutes Vorbild in Sachen Sportsmanship. Und Roger Federer, der Erfinder der Leichtigkeit, dürfte nicht nur als elegantester Spieler, sondern auch als größter Sympathieträger dieses Sports in die Geschichte eingehen.

Meine ganz persönliche Prognose: Federer (aktuell 103 Titel) wird noch ein paar Turniere gewinnen und in der Disziplin »Karrieretitel« vor Jimmy Connors (109 Titel) auf ewig Platz Eins erobern. Was die Grand-Slam-Titel angeht, so wird der Schweizer aber sowohl von Djokovic, als auch von Nadal noch überholt. Dem Serben traue ich auf die lange Distanz die meisten Grand-Slam-Erfolge im Herrentennis zu – immer vorausgesetzt, die drei Helden bleiben noch eine Weile gesund. »Bis in die Haarspitzen motiviert« werden sie auf immer sein. Um das zu prognostizieren, muss man kein Prophet sein…