Genau, was Alex brauchte…

Von Brigitte Neumann.

Ein User schrieb mir: „Hallo Brigitte! Beim Laver Cup lastete der gesamte Druck des Team Europe am Ende auf den Schultern von Alexander Zverev, der das letzte Einzel austragen musste. Oder durfte? Zverev siegte knapp gegen Milos Raonic und sorgte so für den Gesamtsieg von Team Europe. Vor und während der Partie sah man Roger Federer und Rafael Nadal auf Zverev einreden. Welches Coaching ist in solchen Momenten das Richtige?! Anders herum: säßest Du auf Zverevs Bank, wie würdest Du dafür sorgen, dass er an dem Druck nicht zerschellt?! Schon jetzt vielen Dank für die Antwort!“

Vermutlich haben Rafa und Roger ihren Mitspieler positiv gepusht. In einer solchen Situation bringt es nichts, Negatives anzusprechen, Angst zu machen, Druck aufzubauen. Alexander hat in der letzten Zeit so viele negative Situationen erlebt und kam alleine nicht davon los. Sein Selbstvertrauen war angekratzt – er hat sich und seinem Tennis nicht mehr voll vertraut. Er brauchte die Wertschätzung seiner erfahrenen Kollegen, die ihn vermutlich an seine vielen genial gewonnen Matches erinnert haben. Daran, was er bereits alles geleistet hat. An das, was in ihm steckt und was er nur wieder hervorholen muss. Rafa und Roger haben deshalb so auf ihn eingeredet, damit er gar nicht erst beginnen konnte, negativ zu denken. Leider dürfen Trainer in den seltensten Fällen einen solchen direkten Einfluss auf den Spieler nehmen. Allerdings kann eine positive Einstellung zur Herausforderung und zum bedingungslosen Kampf (gegen sich und den Gegner) geübt werden. Zum Beispiel im Matchtraining! Oder auch in der mentalen Vorbereitung auf ein gleich beginnendes Match. Was nehme ich mir für diesen Wettkampf genau vor? Was sind meine Stärken, die ich gegen die Schwächen meines Gegners einsetzen kann? Sicherheitshalber genau das auf ein Blatt Papier aufschreiben und auf die Bank legen. Dieser »Spickzettel« erinnert den Spieler während einer »Down-Phase« wieder an sein Vorhaben. Viel Glück und Erfolg!

September 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf