Gebt ihm Zeit!

Von David Schwätter.

Die Formkurve des Alexander »Sascha« Zverev zeigte bislang nur in eine Richtung: nach oben. Doch zeigt sie aktuell wirklich nach unten? Ich denke nicht. Ist es in der Karriere eines Tennisprofis nicht völlig normal, dass es auch mal nicht so läuft, wie man sich das selbst vorstellt? Manchmal sind es einfach Kleinigkeiten, die nicht passen – sei es sportlich oder im Umfeld. Manchmal verschieben sich auch die Prioritäten nur ein wenig. Da mag dann auch schon mal eine junge Liebe dran »Schuld« sein. Manchmal entscheiden auch nur ein, zwei Ballwechsel über Sieg und Niederlage, so, wie jüngst in der Partie gegen Nicolas Jarry. Die Luft in der Weltspitze ist nunmal sehr dünn und da reichen ein, zwei fehlende Prozentpunkte und der gewohnte Erfolg bleibt aus. Dass dann sofort von einer großen Formkrise gesprochen wird und man Sascha an den Pranger stellt, ist für dessen Entwicklung sicherlich nicht förderlich.

Als die ersten Titel eingefahren wurden, mit dem zwischenzeitlichen Höhepunkt bei den ATP Finals in London, waren Euphorie und Erwartungshaltung gleichermaßen groß. Für den ganz großen Wurf bei den Majors ist unsere Nummer Eins noch nicht bereit. Ein Slam ist eine völlig andere Nummer. Best-of-Five, zwei Wochen auf absolutem Topniveau – Sascha braucht noch ein wenig. Ich bin mir aber sehr sicher, dass er schon bald eine Grand-Slam-Trophäe in die Luft recken wird. Aber halt erst dann, wenn es soweit sein soll. Die Bewertung seiner Leistungen sind mir zu sehr schwarz und weiß. Ich sehe die Sache ganz entspannt. Auch lese ich häufig von vielen Kritikern, dass sie mit Saschas Verhalten nicht einverstanden seien. Sie unterstellen ihm gar eine gewisse Arroganz. Wie die meisten dieser Kritiker kenne auch ich Sascha nicht persönlich. Von daher verbietet es sich, derart über ihn zu urteilen. Klar: ob man wie Sascha in dieser Regelmäßigkeit immer wieder seine Schläger zerlegen muss, wenn es nicht läuft, ist ein wenig grenzwertig, aber eins weiß ich: dass wir uns alle endlich wieder »echte Typen« auf dem Court wünschen. Alexander »Sascha« Zverev ist so einer. Einer, der Präsenz zeigt. Einer, der auffällt. Und einer, der seinen Weg noch gehen wird.

April 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf