Gauffs Probleme

Coco Gauff
© Hasenkopf

Fra­ge an Ste­phan Medem: Hal­lo Herr Medem! Ich bin ein gro­ßer Fan von Coco Gauff. Ich mag sie sehr gern spie­len sehen und auch ihre Oncourt-Inter­views fin­de ich immer herz­er­fri­schend und sehr authen­tisch. Die jüngs­ten Aus­sa­gen von ihr bezüg­lich auf­kom­men­der Depres­sio­nen haben mich einer­seits scho­ckiert, irgend­wie aber auch wie­der­um nicht über­rascht. Wenn man im Alter von 13 Jah­ren welt­weit her­um­ge­reicht und als Aus­nah­me­ta­lent gefei­ert wird, kann das doch nicht spur­los an einem so zar­ten Pflänz­chen vor­bei­ge­hen. Wel­che Schuld trägt hier­bei das Umfeld. Wenn ich mir Mut­ter und Vater auf der Tri­bü­ne und abseits des Plat­zes anschaue, dann sehe ich da mehr Ehr­geiz, als bei der jun­gen Spie­le­rin selbst. Wie kann Coco gehol­fen wer­den, damit es nicht bei­zei­ten zu einer voll­stän­di­gen Des­pres­si­on kommt? Es wäre doch scha­de, wenn sie bereits in ein, zwei Jah­ren mit dem Leis­tungs­sport auf­hö­ren würde…

Ste­phan Medem: Nun, eigent­lich hast Du Dei­ne Fra­ge ja schon selbst sehr kom­pe­tent beant­wor­tet. Zu früh zu viel errei­chen wol­len Kin­der in der Regel nicht. Wer dann? Natür­lich, die über­mo­ti­vier­ten, fana­ti­schen, gie­ri­gen Eltern die­ser »Wun­der­kin­der«. Die Lis­te ist lang, hier nur ein paar wei­te­re Namen: Graf, Agas­si, Pier­ce, Capria­ti. Sie alle haben als Ten­nis­spie­ler sicher­lich gro­ße Erfol­ge gefei­ert, sind berühmt und reich gewor­den. Aber zu wel­chem Preis? Ich ver­wet­te wie immer mei­ne Racketbag: Wenn wir die Kos­ten für the­ra­peu­ti­schen Maß­nah­men, wel­che nur bei den oben genann­ten vier Akti­ven zusam­men kom­men, addie­ren, käme wohl ein Betrag zusam­men, der unge­fähr der Sieg­prä­mie bei einem Grand-Slam Tur­nier ent­sprä­che! Sicher­lich dür­fen wir nicht ver­ges­sen, dass die­se Eltern ja auch immer noch einen Ten­nis-Trai­ner fin­den müs­sen, der die­sen ver­ant­wor­tungs­lo­sen Kurs unter­stützt und mit­ar­bei­tet. Ich hof­fe genau­so wie Du, dass die­se ers­ten Anzei­chen im »Team Gauff« ernst genom­men wer­den und eine Reak­ti­on erfolgt. Es wäre wirk­lich schade!

PS: Bit­te, lie­be Eltern, ich möch­te an die­ser Stel­le kei­nes­falls alle Ten­nis-Mamas und Papas als über­mo­ti­viert, fana­tisch oder gar gie­rig dekla­rie­ren. Der aller­größ­te Teil von Euch macht einen wun­der­ba­ren Job! Aber in den oben erwähn­ten Fäl­len trifft mei­ne Beschrei­bung zu ein hun­dert Pro­zent den Nagel auf den Kopf. Und lei­der wird die­se Art von »Eltern« nie­mals aus­ster­ben, nicht nur auf unse­ren Tennisplätzen…

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