Ganz, ganz großer Sport

Was war das für ein Viertelfinale in Wimbledon zwischen Rafael Nadal und Juan Martin Del Potro. Da ist zunächst einmal die Matchqualität zu erwähnen, das war Tennissport allererster Güte. Andy Murray sprach am BBC-Mikro im fünften Satz vom besten Tennis, welches er je gesehen habe. Da lag Sir Andy gewiss nicht falsch.

Für mich aber noch erwähnenswerter sind Sportlichkeit und Fairness, mit der sich »Rafa« und »Delpo«, diese beiden wunderbaren Protagonisten, wieder einmal begegnet sind. Erst Spieler wie sie oder selbstverständlich auch Roger Federer machen unseren Tennissport hoffähig und inspirieren unsere Jugend.

»Rafa«, der Typ, der – egal, wie es ergebnistechnisch um ihn steht – immer so grimmig schaut und »Delpo«, der Hüne aus Argentinien, vor dem man auf Grund seiner gewaltigen körperlichen Präsenz Angst bekommen könnte. Im Kern aber sind sie lieb. Sie leben und lieben diesen Sport und sie haben Respekt voreinander. Man nimmt es Nadal ab, dass ihm sein Gegenüber als Verlierer einer solch epischen Schlacht leid tut. 6:4 im fünften Satz für den Mallorquiner. Dieses Match hätte keinen Verlierer verdient gehabt. Bezeichnend, dass Nadal die Glückwünsche seines Gegenübers nicht am Netz entgegennahm, sondern dem am Boden liegenden Del Potro aufhalf um ihn danach lang und innig zu umarmen. Für mich war es das vorweg genommene Finale. Diese Viertelfinalpartie kann bei diesem Wimbledonturnier nicht mehr getoppt werden. Ich wünsche Rafael Nadal, diesem wunderbaren Sportsmann, in Zeiten, in denen alle Herzen nur Roger Federer zuzufliegen scheinen, an der Church Road den nächsten großen Titel. Die Darbietungen eines Rafael Nadal auf und abseits des Platzes werden meines Erachtens nicht genug gewürdigt.

Autor: Christoph Kellermann
Photocredits:
Jürgen Hasenkopf

Juli 2018 · © Tennisredaktion.de