An später denken…

MOney
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Fra­ge an Thas­si­lo Haun: Hal­lo Thas­si­lo! Uns Ten­nis­trai­ner kann ja Anbe­tracht der Coro­na-Tat­sa­chen aktu­ell und für die nahe Zukunft recht unwohl sein. Ich den­ke nicht, dass es für uns all­zu bald wie­der in den gere­gel­ten Trai­nings­be­trieb zurück­geht. Auf Grund Dei­ner offen­sicht­lich lan­gen Erfah­rung im Ten­nis­sport: Was haben wir Trai­ner für Alter­na­ti­ven, um finan­zi­ell über die Run­den zu kom­men?! Was kön­nen wir tun? Ich hof­fe, Du hast eini­ge Anre­gun­gen für mich und alle ande­ren Kol­le­gen?! Ich selbst habe mich in der vie­len frei­en Zeit sozi­al enga­giert, das aber zahlt mir kei­ne Mie­te. Sofort­hil­fe habe ich in NRW bean­tragt und bekom­men, aller­dings ist die­ses Geld ja mit sehr viel Vor­sicht zu genie­ßen, da es irgend­wann zurück­ge­zahlt wer­den muss?! Freue mich — auch im Sin­ne mei­ner Kol­le­gen — auf Dei­nen Rat!

Thassilo Haun
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Thas­si­lo Haun: Vie­len Dank für Dei­ne Fra­ge! Tja, ab wann ein nor­ma­ler Trai­nings­be­trieb wie­der mög­lich sein wird steht momen­tan in den Ster­nen. Fest steht: Wie in einem Ten­nis­match ist es immer gut, einen Plan B zu haben, wenn es von heu­te auf mor­gen kein Trai­ning und somit auch kein Geld mehr gibt. Vor Coro­na hat­te man als mög­li­chen Grund, kein Geld mehr zu ver­die­nen, maxi­mal eine Krank­heit oder eine Ver­let­zung im Kopf, die einen an der Aus­übung sei­nes Beru­fes und dem »Geld ver­die­nen« hin­dern könn­te. Durch Coro­na erkennt man, dass es auch ganz ande­re Grün­de geben kann. Vie­le Trai­ner haben, so wie auch Du, die Coro­na-Sofort­hil­fe bean­tragt und auch aus­ge­zahlt bekom­men, obwohl man­che von ihnen man­gels Mie­te, Pacht und Sach­kos­ten evtl. gar kei­nen Rechts­an­spruch dar­auf haben. Daher hast Du Recht, dass man hier vor­sich­tig sein muss und eine Rück­zah­lung erfol­gen kann, wenn die ent­spre­chen­den Nach­wei­se nicht erbracht wer­den kön­nen. Und das ist auch rich­tig so.

Es ist nicht die Auf­ga­be des Staa­tes, nun auf ein­mal für Solo-Selb­stän­di­ge zu sor­gen, die sich, solan­ge der Rubel rollt(e),  schon seit Jah­ren bewusst gegen The­men wie Sozi­al­ab­ga­ben, gesetz­li­che Kran­ken­ver­si­che­rung und gegen pri­va­te Absi­che­rung ent­schie­den haben. Wenn man ehr­lich ist, so zah­len die wenigs­ten haupt­be­ruf­li­chen Ten­nis­trai­ner frei­wil­lig jeden Monat gutes Geld in sehr gute Absi­che­run­gen. Nur eine abso­lu­te Min­der­heit ist hier­zu bereit und leis­tet sich dies für Zei­ten wie diese.

Jeder haupt­be­ruf­li­che Solo-Selb­stän­di­ge, egal ob Ten­nis­trai­ner, Mau­rer, Kurier­fah­rer oder DJ soll­te sich, ganz unab­hän­gig von Coro­na, schon bei Auf­nah­me sei­ner Tätig­keit über­legt haben, wel­che Vor­tei­le sein Sta­tus als Selb­stän­di­ger hat und wel­che Nach­tei­le. Wie lan­ge kann man ohne Ver­dient alle Kos­ten der Lebens­hal­tung bedie­nen? Wel­chen Plan B hat man für den Fall der Fäl­le? Wo sieht man sich in fünf Jah­ren? Wo in zehn Jah­ren? Ist die­ser Beruf genau das, was ich mein gan­zes Leben lang machen will?

Vie­le Trai­ner haben den Beruf des Ten­nis­trai­ners erst­mal nur zur Über­brü­ckung oder man­gels Alter­na­ti­ven begon­nen. Dann stell­ten sie fest, dass man mit über­schau­ba­rer Ver­ant­wor­tung gutes Geld ver­die­nen kann und ruck­zuck wer­den aus einer oder zwei Sai­sons meh­re­re Jah­re. Je län­ger man dabei bleibt, des­to schwe­rer wird es, etwas ande­res zu fin­den oder noch­mal kom­plett neu in einer ande­ren Bran­che zu star­ten. Dies geht auch jedem ande­ren so, der jah­re­lang bei sei­nem Arbeit­ge­ber ange­stellt ist und irgend­wann den Absprung ver­passt, noch­mal neu anzu­fan­gen und etwas Neu­es zu lernen.

Als ich mich in 2004 für eine haupt­be­ruf­li­che Selb­stän­dig­keit ent­schie­den habe, hat­te ich für mich einen maxi­ma­len Zeit­rah­men von zehn Jah­ren defi­niert, in wel­chem ich mich voll und ganz im Ten­nis bewe­gen möch­te. Dies habe ich ein­ge­hal­ten. Somit hat­te ich für mich eine kla­re Ori­en­tie­rung, wann ich mich wie­der nach etwas Neu­em umschau­en muss. Für mich stand früh fest, dass ich immer par­al­lel pla­nen und mich stän­dig auf eige­ne Kos­ten aus- und fort­bil­den wer­de. Aber auch hier ist es wie mit pri­va­ter Vor­sor­ge: vie­le Trai­ner schie­ben wich­ti­ge The­men (zu) lan­ge vor sich her, anstatt Lösun­gen zu fin­den und immer gut vor­be­rei­tet zu sein für den »Fall der Fälle«.

Fest steht, Mar­tin: »Jeder ist sei­nes Glü­ckes Schmied«. Fest steht auch: »Jeder moti­vier­te Trai­ner, der gut abge­si­chert ist und sor­gen­frei sei­ner Pas­si­on Ten­nis nach­ge­hen kann, ist ein Gewinn für alle, auch und gera­de in Zei­ten wie die­sen!« Wie ich schon in einem ande­ren Bei­trag schrieb: es lohnt sich, frü­her an spä­ter zu den­ken und die ent­spre­chen­den Ent­schei­dun­gen für sich zu treffen.

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