Fies, aber legal

Brad Gilbert
© Hasenkopf

Fra­ge an Ste­phan Medem: Hal­lo Ste­phan! Ich weiß, die Fra­ge ist frech, aber viel­leicht den­noch erlaubt, da Ten­nis ja nicht nur ein phy­si­sches Spiel ist, son­dern viel­mehr auch ein psy­chi­sches. Wie brin­ge ich mei­nen Geg­ner aus dem Gleich­ge­wicht? Bestimmt gibt es den einen oder ande­ren fie­sen, aber lega­len Tipp. PS: Habe von einem Buch gehört, wel­ches sich mit klei­nen, fie­sen Tricks beschäf­tigt, ken­ne aber des­sen Titel nicht. Hof­fe, Du ver­weist an die­ser Stel­le nicht aus­schließ­lich auf die Fairness?

Ste­phan Medem: Nun, vor­ne­weg zu dem Buch, wel­ches Du ange­spro­chen hast: sicher­lich meinst Du »Win­ning ugly« von Brad Gil­bert… und das Werk ist in mei­nen Augen ein »MUST-READ« für jeden Ten­nis­spie­ler, der ein paar Psy­cho-Tricks in sein Spiel ein­bau­en möch­te. Hier nun ein paar klei­ne Spie­le­rei­en aus mei­ner Trickkiste…

Spiel­fluss beschleu­ni­gen oder ver­schlep­pen — Jeder Spie­ler hat sei­nen eige­nen Rhyth­mus, wie er sich zwi­schen den Punk­ten oder bei den Sei­ten­wech­seln neu sor­tiert. Stö­re den Geg­ner, indem Du sei­nen Spiel­fluss sabo­tierst. Zum Bei­spiel lan­ge Pau­se mit Ball­prel­len bis Du auf­schlägst (Djo­ko­vic macht das oft!), beim Return viel­leicht noch­mals kurz umdre­hen und Sai­ten zurecht zup­fen — mit Absicht — gera­de bei Big-Points beim Auf­schlag den Ball vor dem Zuschla­gen noch­mal fan­gen, ent­schul­di­gen, neu star­ten, ger­ne auch ein zwei­tes oder drit­tes Mal. Bäl­le, die im Feld lie­gen, bewusst lang­sam ein­sam­meln, Schnür­sen­kel bin­den oder Hand­tuch von der Bank holen, etc. Alles klei­ne fie­se, aber lega­le Tricks, um den »Flow« des Geg­ners zu sabo­tie­ren. Da wir in der Regel auch ohne Schieds­rich­ter spie­len, musst Du nicht befürch­ten, eine Ver­war­nung wegen Zeit­über­schrei­tung zu kassieren.

Wenn Du ger­ne redest, kannst Du Dei­nem Geg­ner — zum Bei­spiel beim Sei­ten­wech­sel — auch ger­ne net­te Kom­pli­men­te machen. Trifft er zum Bei­spiel gera­de sei­ne Vor­hand rich­tig gut, so sage ihm ganz nett: „Wow, was für eine tol­le Vor­hand! Man weiß wirk­lich nicht, wo Du die­sen Schlag her­zau­berst!“ Was pas­siert? In der Regel beginnt Dein Geg­ner über sei­nen Schlag nach­zu­den­ken und wir wis­sen bei­de: das ist nicht gut für ihn! Er ver­liert sei­nen natür­li­chen Groo­ve. Oder er beginnt noch mehr Power zu machen und ten­diert zum Über­powern — auch nicht gut für ihn. Auch ’ne klei­ne Pin­kel­pau­se, gera­de dann, wenn’s beim Geg­ner rich­tig gut läuft, ist immer gut. Der »Flow« wird unter­bro­chen, der Geg­ner wird zur Untä­tig­keit gezwun­gen und beginnt in der Regel nach­zu­den­ken. Wenn Du einen Satz ver­lo­ren hast, ist die­ser Break immer ganz gut… auch wenn Du gar nicht pin­keln musst…

Auch Posi­ti­ons­wech­sel beim Return wir­ken in der Regel gegen gute Auf­schlä­ger exzel­lent. Ein­fach mal die Vor­hand-Sei­te rich­tig breit auf­ma­chen, viel­leicht auch mal fünf Meter hin­ter der Grund­li­nie oder drei Meter vor der Grund­li­nie ste­hen. Das ver­än­dert die opti­sche Wahr­neh­mung für Dei­nen Geg­ner und viel­leicht regt er sich auch ein biss­chen über Dei­ne Posi­ti­ons­wech­sel auf. So lie­ber Keno, viel Spaß mit »Win­ning ugly« und ich hof­fe, ich bekom­me jetzt nicht Hass-Mails von Leu­ten, die Du mit die­sen Tricks konfrontierst…

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