Faszination »Doppel«

Von Jörg Linden.

Ein User schrieb mir: „Lieber Jörg, ich würde gerne von Dir als Experte für Tennistraining wissen, wie die perfekte Doppelaufstellung, respektive: Taktik ausschaut. Ganz früher hatten wir in der Ausgangsposition stets einen Spieler hinten und einen vorn am Netz und diese Positionen hatten sich im Laufe der Ballwechsel nur selten geändert – weder beim Aufschlag-, noch beim Returnduo, vor allem im Damentennis. Das Spiel, besonders das Doppelspiel, hat sich aber wie ich finde erheblich weiterentwickelt. Hängt die Aufstellung im Wesentlichen von der Spielstärke der Akteure ab oder gibt es generelle Empfehlungen? Und abschließend: welches sind Deine Lieblings-Doppelübungen für ein gutes Mannschaftstraining?!“

Hallo Stefanie! Danke für die Frage. Ich finde, das Doppel ist eines der interessantesten Sportspiele überhaupt. Eigentlich hast Du Deine Frage schon selbst beantwortet. Die Aufstellung hängt maßgeblich von der Spielstärke der Akteure ab. Genau das macht das Spiel so genial. Als junger Spieler hatte ich das Vergnügen, im Doppel Spieler zu besiegen, gegen die ich im Einzel überhaupt kein Land gesehen hätte. Auch heute gelingt mir und meinem Partner manchmal dieses »Kunststück«.

Ich muss die Chance einfach nutzen, Taktik und Teamgeist im Doppel an meinem Beispiel zu erklären: es gibt im Doppel keine Quantensprünge im taktischen Bereich, ähnlich wie beim Badminton, Squash, Paddel Tennis ist das Doppel individuell limitiert und räumlich sehr begrenzt. Au Mann, ich bin schon so alt, um von früher zu erzählen, aber diese Weisheit hat heute noch Gesetz. Stelle nach individuellen Fähigkeiten auf und überrasche Deine Gegenüber immer wieder mit anderen Spielzügen. Mein Partner Uli Pinner und ich haben auf diese Weise Weltklassespielern und Davis-Cup-Spielern auf höchstem Niveau die Grenzen aufgezeigt.

Auch damals wurde das Doppel »eigentlich« vorne gewonnen… aber was bringt es, wenn ich keinen Volley beherrsche? Was bringt es, offensiv zu stehen, wenn jedoch der Aufschläger so stark ist und meinen schlechten Return »wegmacht«, nur weil mein Partner ganz modern am Netz steht? Es ist die Kunst, wie auch sonst im normalen Leben, Stärken- und Schwächenprofile zu erkennen. Die eigenen Eigenschaften und die Möglichkeiten des Partners sowie »Hüben wie Drüben« richtig einschätzen zu können – das ist wohl das Salz in der Suppe. Das macht es spannend und interessant.

Einee meiner Lieblingsübungen ist »Vor und Zurück«. Es werden Punkte gespielt und nur das Netzteam gewinnt den Punkt. Der Ball wird schnell gespielt und jeder muss schnell nach vorne oder zurück. Das Verlierer-Team zurück, der Gewinner ans Netz – und so weiter. Konditionell sowie taktisch als Teamarbeit eine große Herausforderung. Es gibt hierzu weitere tolle Übungen und Literatur, die Du leicht googeln kannst. Ein einfacher Tipp ist, dass Du und Deine Partnerin viel durch die Mitte spielt, um nicht zu weit auseinander zu stehen. Der Winkel des Passierballs ist nun sehr klein, so dass ihr als Team nahe beinander steht, wenig Spielraum und Feld zulasst, ausgespielt zu werden. Ihr könnt nun das gegnerische Team trennen und in die gewünschte Zonen jagen, um dann mit breitem Grinsen erfolgreich zuzuschlagen…

November 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf