»Faszination« Doppel

KraMies
© Hasenkopf

Fra­ge an Jörg Lin­den: Lie­ber Jörg, ich wür­de ger­ne von Dir als Exper­te für Ten­nis­trai­ning wis­sen, wie die per­fek­te Dop­pel­auf­stel­lung, respek­ti­ve: Tak­tik aus­schaut. Ganz frü­her hat­ten wir in der Aus­gangs­po­si­ti­on stets einen Spie­ler hin­ten und einen vorn am Netz und die­se Posi­tio­nen hat­ten sich im Lau­fe der Ball­wech­sel nur sel­ten geän­dert – weder beim Aufschlag‑, noch beim Return­duo, vor allem im Damen­ten­nis. Das Spiel, beson­ders das Dop­pel­spiel, hat sich aber wie ich fin­de erheb­lich wei­ter­ent­wi­ckelt. Hängt die Auf­stel­lung im Wesent­li­chen von der Spiel­stär­ke der Akteu­re ab oder gibt es gene­rel­le Emp­feh­lun­gen? Und abschlie­ßend: wel­ches sind Dei­ne Lieb­lings-Dop­pel­übun­gen für ein gutes Mannschaftstraining?!

Jörg Linden
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Jörg Lin­den: Dan­ke für die Fra­ge. Ich fin­de, das Dop­pel ist eines der inter­es­san­tes­ten Sport­spie­le über­haupt. Eigent­lich hast Du Dei­ne Fra­ge schon selbst beant­wor­tet. Die Auf­stel­lung hängt maß­geb­lich von der Spiel­stär­ke der Akteu­re ab. Genau das macht das Spiel so geni­al. Als jun­ger Spie­ler hat­te ich das Ver­gnü­gen, im Dop­pel Spie­ler zu besie­gen, gegen die ich im Ein­zel über­haupt kein Land gese­hen hät­te. Auch heu­te gelingt mir und mei­nem Part­ner manch­mal die­ses sport­li­che »Kunst­stück«.

Ich muss die Chan­ce ein­fach nut­zen, Tak­tik und Team­geist im Dop­pel an mei­nem Bei­spiel zu erklä­ren: es gibt im Dop­pel kei­ne Quan­ten­sprün­ge im tak­ti­schen Bereich, ähn­lich wie beim Bad­min­ton, Squash, Pad­del Ten­nis ist das Dop­pel indi­vi­du­ell limi­tiert und räum­lich sehr begrenzt. Au Mann, ich bin schon so alt, um von frü­her zu erzäh­len, aber die­se Weis­heit hat heu­te noch Gesetz. Stel­le nach indi­vi­du­el­len Fähig­kei­ten auf und über­ra­sche Dei­ne Gegen­über immer wie­der mit ande­ren Spiel­zü­gen. Mein Part­ner Uli Pin­ner und ich haben auf die­se Wei­se Welt­klas­se­spie­lern und Davis-Cup-Spie­lern auf höchs­tem Niveau die Gren­zen aufgezeigt.

Auch damals wur­de das Dop­pel »eigent­lich« vor­ne gewon­nen… aber was bringt es, wenn ich kei­nen Vol­ley beherr­sche? Was bringt es, offen­siv zu ste­hen, wenn jedoch der Auf­schlä­ger so stark ist und mei­nen schlech­ten Return »weg­macht«, nur weil mein Part­ner ganz modern am Netz steht? Es ist die Kunst, wie auch sonst im nor­ma­len Leben, Stär­ken- und Schwä­chen­pro­fi­le zu erken­nen. Die eige­nen Eigen­schaf­ten und die Mög­lich­kei­ten des Part­ners sowie »Hüben wie Drü­ben« rich­tig ein­schät­zen zu kön­nen — das ist wohl das Salz in der Sup­pe. Das macht es span­nend und interessant.

Einee mei­ner Lieb­lings­übun­gen ist »Vor und Zurück«. Es wer­den Punk­te gespielt und nur das Netz­team gewinnt den Punkt. Der Ball wird schnell gespielt und jeder muss schnell nach vor­ne oder zurück. Das Ver­lie­rer-Team zurück, der Gewin­ner ans Netz — und so wei­ter. Kon­di­tio­nell sowie tak­tisch als Team­ar­beit eine gro­ße Her­aus­for­de­rung. Es gibt hier­zu wei­te­re tol­le Übun­gen und Lite­ra­tur, die Du leicht goo­geln kannst. Ein ein­fa­cher Tipp ist, dass Du und Dei­ne Part­ne­rin viel durch die Mit­te spielt, um nicht zu weit aus­ein­an­der zu ste­hen. Der Win­kel des Pas­sier­balls ist nun sehr klein, so dass ihr als Team nahe bein­an­der steht, wenig Spiel­raum und Feld zulasst, aus­ge­spielt zu wer­den. Ihr könnt nun das geg­ne­ri­sche Team tren­nen und in die gewünsch­te Zonen jagen, um dann mit brei­tem Grin­sen erfolg­reich zuzuschlagen…

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