Es wird grün…

Es wird grün…


Von Christoph Kellermann.

Ballwechsel mit Überlänge, Rutschpartien und rote Socken? Das alles ist nun erst einmal wieder vorbei. Natürlich gibt es auch nach den French Open das eine oder andere kleinere Sandplatzturnier, aber offiziell wird am heutigen Montag die leider viel zu kurze Rasensaison eröffnet. Los geht es im niederländischen Herzogenbosch, im britischen Nottingham sowie im Schwabenland: am Stuttgarter Weißenhof, bis vor wenigen Jahren selbst ein traditionelles Sandplatzturnier, trifft sich ein erlesenes Teilnehmerfeld, um auf Rasen den Nachfolger von Vorjahresssieger Roger Federer zu ermitteln. Alexander Zverev und Karen Khachanov aus Russland sind topgesetzt, in der Setzung folgen Daniil Medvedev (ebenfalls Russland) und der Georgier Nikolosz Basilashvili. So sehr ich mich für Turnierboss Edwin Weindorfer und die Stuttgarter Zuschauer auch freue, so skeptisch sehe ich die Last-Minute-Meldung von Sascha Zverev, der seit Wochen im Dauereinsatz ist und sich damit höchst wahrscheinlich keinen Gefallen tut. Auch Roger Federer hatte 2018 in Wimbledon trotz seines Sieges am Weißenhof im vergangenen Jahr bereut, vor Halle noch Stuttgart gespielt zu haben. Spielpraxis gut und schön – aber auch Zverevs physischer und mentaler Akku ist nicht endlos strapazierbar. Die Kunst ist es, auch mal »Nein« zu sagen und gezielte Pausen einzulegen. Sascha muss noch sehr viel lernen, will er bei den Majors endlich auf die Sekunde zu 100 Prozent wettbewerbsfähig sein. Bislang ist ihm das bei 19 Grand-Slam-Teilnahmen noch nie gelungen. Gerade einmal zwei Viertel- und zwei Achtelfinalteilnahmen stehen als beste Arbeitsnachweise bis dato zu Buche. Zu wenig für das Selbstverständnis des 22-jährigen amtierenden Weltmeisters.


Juni 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf