Einstieg ins Schultennis

Kindertennis
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Fra­ge an Rei­mar Bez­zen­ber­ger: Hal­lo Herr Bez­zen­ber­ger! Die Kri­sen­zeit bie­tet uns Trai­nern ja aktu­ell vie­le Zeit, die eige­ne Kon­zep­ti­on in Sachen Ver­eins­ar­beit zu über­ar­bei­ten. Gern wür­de ich bei mir daheim die Berei­che Kin­der­gar­ten- und Schul­ten­nis künf­tig mit in die Ver­eins­ar­beit inte­grie­ren. Gibt es eine Art stich­punkt­ar­ti­gen Leit­fa­den, den es hier­bei sei­tens unse­rer Ten­nis­schu­le und auch sei­tens des Ver­eins zu befol­gen gibt?! Und vor allem: wie schaut es in Bezug auf die sport­li­chen Tätig­kei­ten ver­si­che­rungs­tech­nisch aus? Vie­len Dank für Ihre Mühen und alles Gute in die­ser schwie­ri­gen Zeit.

Reimar Bezzenberger
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Rei­mar Bez­zen­ber­ger: Vie­len Dank für Dei­ne Fra­ge zur Imple­men­tie­rung von Schul­ten­nis­ak­ti­vi­tä­ten in die Ver­eins­ar­beit. Vor­weg: Schul­ten­nis ist kein Selbst­läu­fer, die­se sind mit Auf­wand ver­bun­den, der einen hohen Ertrag ver­spricht. Die sport­li­che Grund­aus­bil­dung von Kin­dern und Jugend­li­chen durch qua­li­fi­zier­te Trai­ner ist eine der Haupt­auf­ga­ben aller Ver­ei­ne. Dabei ist nicht pri­mär die sport­li­che Leis­tung der Kin­der für den Erfolg aus­schlag­ge­bend, viel­mehr sol­len die­se mit spie­le­ri­scher Freu­de für die Sport­art Ten­nis begeis­tert wer­den. Es lohnt sich in die­sem Zusam­men­hang der Blick über den Ball­korb hin­aus, um einen Über­blick über das aktu­el­le Bewe­gungs­ver­hal­ten von Kin­dern und Jugend­li­chen zu erhalten.

In einer Stu­die von Prof. Dr. Klaus Bös fragt die­ser „Waren Kin­der frü­her akti­ver?“ Er kommt unter ande­rem zu dem Schluss: „Für Schu­le und Ver­ein ist das eine Chan­ce und gleich­zei­tig eine Her­aus­for­de­rung, die es, in der Koope­ra­ti­on von Schu­le und Ver­ein ver­stärkt zu nut­zen gilt“. Ziel muss es sein, über die Ver­ei­ne hin­aus Ten­nis stär­ker im Sport­un­ter­richt und ins­be­son­de­re in der (Grund-)Schule sowie im Rah­men des Ganz­ta­ges­schul­an­ge­bo­tes fest zu ver­an­kern. Ten­nis eig­net sich nicht nur als Mit­tel zur Bewe­gungs­för­de­rung, son­dern för­dert sozia­le Wer­te, Fair-Play und Tole­ranz. Von einer ver­bes­ser­ten Qua­li­tät und Quan­ti­tät sport­li­cher Akti­vi­tä­ten in den Schu­len pro­fi­tie­ren der Sport, die Sport­ver­ei­ne, die Gesell­schaft und in ers­ter Linie die Kin­der selbst. Um Kin­der für den Ten­nis­sport zu begeis­tern, soll­te der Weg über die Schu­len gewählt wer­den. Dies ist eine gute Mög­lich­keit, die frü­hen Nach­mit­tags­stun­den im Rah­men der Ganz­ta­ges­be­treu­ung sinn­voll zu fül­len. Jetzt liegt es an den Leh­rern und Trai­nern, mög­lichst schnell die Spiel­fä­hig­keit der Kin­der zu ent­wi­ckeln, um sie für die Sport­art Ten­nis zu moti­vie­ren und für die Ver­ei­ne zu gewinnen.

Schu­le und Ver­ein — gemein­sam am Ball

Von einer Koope­ra­ti­on kön­nen bei­de Sei­ten lang­fris­tig pro­fi­tie­ren. Wich­tig ist, dass bei der ers­ten Kon­takt­auf­nah­me Schu­len und Ver­ei­ne offen auf­ein­an­der zuge­hen – egal, wer die Initia­ti­ve ergreift. Falls die Schu­le bzw. der Ver­ein bis­her kei­ne Koope­ra­ti­on hat, zöge­re nicht, bei Ver­ei­nen bzw. Schu­len in Ihrer Nähe anzu­fra­gen. Denn das Inter­es­se für eine gemein­sa­men Zusam­men­ar­beit besteht sehr häu­fig, es muss ledig­lich der ers­te Schritt gemacht wer­den. Nutz­nie­ßer einer sol­chen Zusam­men­ar­beit sind vor­ran­gig die Schü­ler, aber auch Schu­len und Ver­ei­ne pro­fi­tie­ren von den posi­ti­ven Effekten.

Und so funk­tio­niert es: Der Abschluss einer Koope­ra­ti­ons­ver­ein­ba­rung beinhal­tet als wich­tigs­ten Bestand­teil die regel­mä­ßi­ge Durch­füh­rung einer Ten­nis-AG in der Schu­le durch einen Ver­eins­trai­ner. Die Ten­nis-AG muss dabei fol­gen­de Kri­te­ri­en erfüllen:

  • die Ten­nis-AG muss über das gesam­te Schul-(halb)Jahr durch­ge­führt werden
  • die AG muss min­des­tens ein­mal pro Woche  ange­bo­ten werden
  • es muss sich um ein zusätz­li­ches Bewe­gungs­an­ge­bot für inter­es­sier­te Schü­ler einer Schu­le han­deln. Die Koope­ra­ti­ons­maß­nah­me darf kein Ersatz für Sport­un­ter­richt bzw. ande­re Arbeits­ge­mein­schaf­ten der Schu­le sein
  • es darf sich nicht um die ein­fa­che Inte­gra­ti­on der Teil­neh­mer in bestehen­de Ver­eins­trai­nings­grup­pen handeln
  • inhalt­lich muss natür­lich das The­ma Ten­nis im Mit­tel­punkt der Maß­nah­me stehen
  • der Lei­ter der Grup­pe soll­te im Besitz einer gül­ti­gen Übungs­lei­ter-Lizenz sein

Nut­zen für den Verein

  • Wei­ter­ent­wick­lung der Nachwuchsarbeit
  • Gewin­nung neu­er Mitglieder
  • lang­fris­ti­ge Bin­dung von Schü­lern an den Verein
  • Kon­tak­te und Erfah­rungs­aus­tausch zwi­schen Sport­leh­rern und Trainern
  • Erwei­te­rung des sport­päd­ago­gi­schen Kennt­nis­stands — Großgruppentraining
  • beson­de­re Mög­lich­kei­ten der Talent­sich­tung und –för­de­rung
  • Erschlie­ßung neu­er Nut­zungs­zei­ten in Sportstätten
  • Image­ge­winn — Außendarstellung
  • finan­zi­el­le Unter­stüt­zung – Gewin­nung von För­der­mit­teln der Bun­des­län­der (in Abhän­gig­keit vom jewei­li­gen Bundesland)

Koope­ra­tio­nen soll­ten mit den Schu­len begin­nen, die von den im Ver­ein akti­ven Kin­dern und Jugend­li­chen besucht wer­den. Knüp­fe als ers­tes Kon­tak­te zu wich­ti­gen »Ver­bün­de­ten« (Schul­lei­tung, Sport­fach­lei­ter,…) und pfle­ge die­se, damit der Start der Koope­ra­ti­on rei­bungs­los funk­tio­niert. Star­te mit jenen Maß­nah­men, mit denen man die Stär­ken Dei­nes Ten­nis­ver­eins zei­gen kann. Fan­ge auf dem »Ten­nis­feld« an, auf dem die Schu­le Dich als Trai­ner am drin­gends­ten benö­tigt. Begin­ne nicht zu vie­le Pro­jek­te gleich­zei­tig, son­dern beschrän­ke dich zunächst auf weni­ge, aber attrak­ti­ve (öffentlichkeits-)wirksame Maß­nah­men. Beur­tei­le aus Sicht des Ver­eins die Effek­ti­vi­tät und ob die gesteck­ten Zie­le der ange­streb­ten Koope­ra­ti­on erreicht wur­den. Fan­ge recht­zei­tig an mit Schu­len zu koope­rie­ren, bevor es ande­re tun! Hin­ter­fra­ge Dich kri­tisch, ob die Eck­pfei­ler auf einem sta­bi­len Fun­da­ment ste­hen und ob die Inhal­te von bei­den Part­nern erfüllt wer­den kön­nen. Es gibt kein Patent­re­zept für eine erfolg­rei­che Koope­ra­ti­on, jede Maß­nah­me hat ihre Eigenheiten.

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