Einstieg ins Schultennis

Von Reimar Bezzenberger.

Ein User schrieb mir: „Hallo Herr Bezzenberger! Die Krisenzeit bietet uns Trainern ja aktuell viele Zeit, die eigene Konzeption in Sachen Vereinsarbeit zu überarbeiten. Gern würde ich bei mir daheim die Bereiche Kindergarten- und Schultennis künftig mit in die Vereinsarbeit integrieren. Gibt es eine Art stichpunktartigen Leitfaden, den es hierbei seitens unserer Tennisschule und auch seitens des Vereins zu befolgen gibt?! Und vor allem: wie schaut es in Bezug auf die sportlichen Tätigkeiten versicherungstechnisch aus? Vielen Dank für Ihre Mühen und alles Gute in dieser schwierigen Zeit.“

Hallo Sebastian! Vielen Dank für Deine Frage zur Implementierung von Schultennisaktivitäten in die Vereinsarbeit. Vorweg: Schultennis ist kein Selbstläufer, diese sind mit Aufwand verbunden, der einen hohen Ertrag verspricht. Die sportliche Grundausbildung von Kindern und Jugendlichen durch qualifizierte Trainer ist eine der Hauptaufgaben aller Vereine. Dabei ist nicht primär die sportliche Leistung der Kinder für den Erfolg ausschlaggebend, vielmehr sollen diese mit spielerischer Freude für die Sportart Tennis begeistert werden. Es lohnt sich in diesem Zusammenhang der Blick über den Ballkorb hinaus, um einen Überblick über das aktuelle Bewegungsverhalten von Kindern und Jugendlichen zu erhalten.

In einer Studie von Prof. Dr. Klaus Bös fragt dieser „Waren Kinder früher aktiver?“ Er kommt unter anderem zu dem Schluss: „Für Schule und Verein ist das eine Chance und gleichzeitig eine Herausforderung, die es, in der Kooperation von Schule und Verein verstärkt zu nutzen gilt“. Ziel muss es sein, über die Vereine hinaus Tennis stärker im Sportunterricht und insbesondere in der (Grund-)Schule sowie im Rahmen des Ganztagesschulangebotes fest zu verankern. Tennis eignet sich nicht nur als Mittel zur Bewegungsförderung, sondern fördert soziale Werte, Fair-Play und Toleranz. Von einer verbesserten Qualität und Quantität sportlicher Aktivitäten in den Schulen profitieren der Sport, die Sportvereine, die Gesellschaft und in erster Linie die Kinder selbst. Um Kinder für den Tennissport zu begeistern, sollte der Weg über die Schulen gewählt werden. Dies ist eine gute Möglichkeit, die frühen Nachmittagsstunden im Rahmen der Ganztagesbetreuung sinnvoll zu füllen. Jetzt liegt es an den Lehrern und Trainern, möglichst schnell die Spielfähigkeit der Kinder zu entwickeln, um sie für die Sportart Tennis zu motivieren und für die Vereine zu gewinnen.

Schule und Verein – gemeinsam am Ball

Von einer Kooperation können beide Seiten langfristig profitieren. Wichtig ist, dass bei der ersten Kontaktaufnahme Schulen und Vereine offen aufeinander zugehen – egal, wer die Initiative ergreift. Falls die Schule bzw. der Verein bisher keine Kooperation hat, zögere nicht, bei Vereinen bzw. Schulen in Ihrer Nähe anzufragen. Denn das Interesse für eine gemeinsamen Zusammenarbeit besteht sehr häufig, es muss lediglich der erste Schritt gemacht werden. Nutznießer einer solchen Zusammenarbeit sind vorrangig die Schüler, aber auch Schulen und Vereine profitieren von den positiven Effekten.

Und so funktioniert es: Der Abschluss einer Kooperationsvereinbarung beinhaltet als wichtigsten Bestandteil die regelmäßige Durchführung einer Tennis-AG in der Schule durch einen Vereinstrainer. Die Tennis-AG muss dabei folgende Kriterien erfüllen:

  • die Tennis-AG muss über das gesamte Schul-(halb)jahr durchgeführt werden
  • die AG muss mindestens einmal pro Woche  angeboten werden
  • es muss sich um ein zusätzliches Bewegungsangebot für interessierte Schüler einer Schule handeln. Die Kooperationsmaßnahme darf kein Ersatz für Sportunterricht bzw. andere Arbeitsgemeinschaften der Schule sein
  • es darf sich nicht um die einfache Integration der Teilnehmer in bestehende Vereinstrainingsgruppen handeln
  • inhaltlich muss natürlich das Thema Tennis im Mittelpunkt der Maßnahme stehen
  • der Leiter der Gruppe sollte im Besitz einer gültigen Übungsleiter-Lizenz sein

Nutzen für den Verein

  • Weiterentwicklung der Nachwuchsarbeit
  • Gewinnung neuer Mitglieder
  • langfristige Bindung von Schülern an den Verein
  • Kontakte und Erfahrungsaustausch zwischen Sportlehrern und Trainern
  • Erweiterung des sportpädagogischen Kenntnisstands – Großgruppentraining
  • besondere Möglichkeiten der Talentsichtung und –förderung
  • Erschließung neuer Nutzungszeiten in Sportstätten
  • Imagegewinn – Außendarstellung
  • finanzielle Unterstützung – Gewinnung von Fördermitteln der Bundesländer (in Abhängigkeit vom jeweiligen Bundesland)

Kooperationen sollten mit den Schulen beginnen, die von den im Verein aktiven Kindern und Jugendlichen besucht werden. Knüpfe als erstes Kontakte zu wichtigen »Verbündeten« (Schulleitung, Sportfachleiter,…) und pflege diese, damit der Start der Kooperation reibungslos funktioniert. Starte mit jenen Maßnahmen, mit denen man die Stärken Deines Tennisvereins zeigen kann. Fange auf dem »Tennisfeld« an, auf dem die Schule Dich als Trainer am dringendsten benötigt. Beginne nicht zu viele Projekte gleichzeitig, sondern beschränke dich zunächst auf wenige, aber attraktive (öffentlichkeits-)wirksame Maßnahmen. Beurteile aus Sicht des Vereins die Effektivität und ob die gesteckten Ziele der angestrebten Kooperation erreicht wurden. Fange rechtzeitig an mit Schulen zu kooperieren, bevor es andere tun! Hinterfrage Dich kritisch, ob die Eckpfeiler auf einem stabilen Fundament stehen und ob die Inhalte von beiden Partnern erfüllt werden können. Es gibt kein Patentrezept für eine erfolgreiche Kooperation, jede Maßnahme hat ihre Eigenheiten.

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Januar 2020 · Photocredit: Bezzenberger/Tennisredaktion