Medien
© AINFACH.com

Userfrage: „Hallo Herr Hofen! Aktuell werden ja Regel-, Spiel- und Zählformen ohne Ende ausprobiert, auch verbunden mit der Hoffnung, Tennis medial wieder attraktiver zu machen, vor allem für das Fernsehen. Wie ist Ihre persönliche Meinung zu diesem Thema? Was muss gegebenenfalls geändert werden, um unsere schöne Sportart für die Medien, sei es die Zeitung, das TV oder der Onlinebereich wieder attraktiver zu machen? Ich persönlich habe jedenfalls das Gefühl, dass Tennis streckenweise kaum noch transportiert wird. Ich wünsche Ihnen alles Gute und Gesunde und freue mich auf Ihre fachliche Einschätzung, bei der Sie mir vielleicht auch verraten können, warum Tennis früher sehr viel stärker in den Medien vertreten war!“

Lieber Christoph!

Wenn ich das wüsste, wie der Tennissport sich entwickeln muss, um in den Medien sichtbarer zu sein, dann wäre ich zweifelsohne der Heilsbringer. Bin ich aber nicht. Aber natürlich habe ich eine Meinung zu bestimmten Verhaltensweisen im Tennissport. Ob die allerdings hilfreich sind, werde ich wahrscheinlich nie auf Richtigkeit überprüfen können. Grundsätzlich bin ich der Meinung, dass der Tennissport keinen Stellenwert in der öffentlichen Wahrnehmung hat. Hier meine ich nicht die deutschen Protagonisten des internationalen Tennissports, die mit Ihren Triumphen und Erfolgen hierzulande für mediale Aufmerksamkeit sorgen, ich meine vielmehr Tennis als Mannschaftssport in Gänze.

Was ist die Basis für eine ganzjährige Berichterstattung – die beginnt auf lokaler Ebene und endet im Spitzensport – zum Beispiel im Basketball-, Handball-, oder Volleyball-Sport? Natürlich der Mannschaftssport! Der Tennis-Mannschaftssport findet in den jeweiligen Sommermonaten allerdings nur in wenigen Wochen statt und verschwindet dann wieder in seine Individualität. Warum gibt es keinen – unterhalb der Bundes- bzw. Regionalligen – organisierten sommerlichen Spielbetrieb über drei vier Monate hinweg in den Kreisen, Bezirken, Verbänden mit den entsprechenden Auf- und Abstiegen? Dies würde zweifelsohne eine wesentliche Aufwertung des Tennissports an der Basis zur Folge haben und zudem für eine kontinuierliche Berichterstattung in lokalen Zeitungen, bzw. Onlineportalen und Radiostationen sorgen. An den Wochentagen könnten für mehr als hunderttausend (Freizeit-)Tennisspieler die LK-Turniere stattfinden, an den Wochenenden kämen die Mannschaftspiele zum Tragen. Dies ist nur eine fixe Idee von mir. Sie würde aber zweifelsohne für eine größere Aufmerksamkeit sorgen und sicherlich auch zur Mitgliedergewinnung beitragen.

Der Sinn des Sports ist bekanntlich das Gewinnen und zwangsläufig eben auch das Verlieren. Gerade die Freizeit-(Tennisspieler), die sozusagen die Basis der Tennisvereine bilden, wollen sich in Wettbewerben messen und suchen den Wettstreit. Diesen in Mannschaften und Teams zu erleben, ist das Geheimnis des Mannschaftssports. Und gilt auch für die Individualsportart Tennis. Nur darf man diese Wettbewerbe nicht als Breitensport stigmatisieren, sondern sie ernsthaft als Tennisspieler/-innen bezeichnen. Ich habe noch nie gehört oder gelesen, dass ein Fußballer im hohen Alter in einer Mannschaft als Breitensport-Fußballer bezeichnet wird. Er ist und bleibt – unabhängig vom Alter und Können – ein Fußballer! Diese Wertschätzung gegenüber den (Freizeit-)Tennisspielern könnte man möglicherweise durch einen länger anhaltenden und übergreifenden Mannschafts-Wettbewerb einen Schritt entgegenkommen!

Zum Thema Tennis und Fernsehen, darüber kann man nur philosophieren. Zum einen die banale Erkenntnis, dass TV-Geschäfte auch etwas mit Geld zu tun haben. Veranstaltungsrechte werden verkauft und es werden Käufer (Sender) benötigt, die diese Rechte für ihre Zuschauer an den Bildschirmen einkaufen. Wenn keiner einschaltet, also keine Quoten erzielt werden, wird es auch nichts mit der Übertragung. Im Klartext, die TV-Einschaltquoten – selbst bei Übertragungen von Zverev, Kerber, Davis Cup, bzw. FedCup – sind so unterirdisch, dass diese sogar noch von TV-Übertragungen der dritten Fußballliga getoppt werden. Wenn noch nicht einmal die Tennisspieler einschalten, die eigentlich das sportliche Potenzial des Tennissports kennen, warum soll sich das denn dann der unbeteiligte Dritte anschauen?

Wir müssen uns leider damit zufrieden geben, dass der Tennissport in die zweite – wenn nicht sogar in die dritte Reihe – abgerutscht ist. Das einzig Tröstliche daran ist, wir befinden uns da in einer exklusiven Gilde mit Sportarten wie der Leichtathletik, Eishockey, Handball etc., die ebenfalls kaum noch bundesweite TV-Präsenz haben. Was weiterlebt, ist die Hoffnung auf bessere Zeiten. Eine Ära von Becker, Graf, Stich und Co. wird es allerdings nie wieder geben. Warum nicht? Weil es zur damaligen Zeit einfach einmalig war und sich Einmaligkeit bekanntlich nicht wiederholen lässt.

Frank Hofen

Hast auch DU eine Frage?

» FRAG Frank   » Franks ARCHIV

Frank Hofen ist seit November 2019 im Kompetenz-Team von »Tennisredaktion.de«. Die Turnierhistorie der GERRY WEBER OPEN wird immer mit dem Namen des renommierten Sportjournalisten verbunden bleiben. Vom ersten Aufschlag an im Jahre 1993 bis zur 25. Auflage im Jahre 2017 war Frank Hofen das mediale Gesicht des Turniers. Er konzipierte PR-Konzepte, leitete hunderte von Pressekonferenzen und moderierte Stars aus Sport- und Showbusiness professionell durch Veranstaltungen. Für seine weltweite Medienarbeit wurde er von der ATP (Internationale Organisation der Turnierveranstalter und Tennisprofis) in den Jahren 2002 und 2012 mit dem »ATP Award of Excellence Best Media« ausgezeichnet. Aktuell erarbeitet er Medien- und PR-Konzepte für die Stadt HalleWestfalen, für weltweit tätige Konzerne und pflegt zudem sein mediales Netzwerk, welches er sich mit seiner Agentur »hofmedia« erarbeitet hat.

www.hofmedia.de