Einmaliges bleibt einmalig

Media
© Pixabay

Fra­ge an Frank Hof­en: Hal­lo Herr Hof­en! Aktu­ell wer­den ja Regel‑, Spiel- und Zähl­for­men ohne Ende aus­pro­biert, auch ver­bun­den mit der Hoff­nung, Ten­nis medi­al wie­der attrak­ti­ver zu machen, vor allem für das Fern­se­hen. Wie ist Ihre per­sön­li­che Mei­nung zu die­sem The­ma? Was muss gege­be­nen­falls geän­dert wer­den, um unse­re schö­ne Sport­art für die Medi­en, sei es die Zei­tung, das TV oder der Online­be­reich wie­der attrak­ti­ver zu machen? Ich per­sön­lich habe jeden­falls das Gefühl, dass Ten­nis stre­cken­wei­se kaum noch trans­por­tiert wird. Ich wün­sche Ihnen alles Gute und Gesun­de und freue mich auf Ihre fach­li­che Ein­schät­zung, bei der Sie mir viel­leicht auch ver­ra­ten kön­nen, war­um Ten­nis frü­her sehr viel stär­ker in den Medi­en ver­tre­ten war!

Frank Hofen
© Hof­en

Frank Hof­en: Wenn ich das wüss­te, wie der Ten­nis­sport sich ent­wi­ckeln muss, um in den Medi­en sicht­ba­rer zu sein, dann wäre ich zwei­fels­oh­ne der Heils­brin­ger. Bin ich aber nicht. Aber natür­lich habe ich eine Mei­nung zu bestimm­ten Ver­hal­tens­wei­sen im Ten­nis­sport. Ob die aller­dings hilf­reich sind, wer­de ich wahr­schein­lich nie auf Rich­tig­keit über­prü­fen kön­nen. Grund­sätz­lich bin ich der Mei­nung, dass der Ten­nis­sport kei­nen Stel­len­wert in der öffent­li­chen Wahr­neh­mung hat. Hier mei­ne ich nicht die deut­schen Prot­ago­nis­ten des inter­na­tio­na­len Ten­nis­sports, die mit Ihren Tri­um­phen und Erfol­gen hier­zu­lan­de für media­le Auf­merk­sam­keit sor­gen, ich mei­ne viel­mehr Ten­nis als Mann­schafts­sport in Gänze.

Was ist die Basis für eine ganz­jäh­ri­ge Bericht­erstat­tung — die beginnt auf loka­ler Ebe­ne und endet im Spit­zen­sport — zum Bei­spiel im Basketball‑, Handball‑, oder Vol­ley­ball-Sport? Natür­lich der Mann­schafts­sport! Der Ten­nis-Mann­schafts­sport fin­det in den jewei­li­gen Som­mer­mo­na­ten aller­dings nur in weni­gen Wochen statt und ver­schwin­det dann wie­der in sei­ne Indi­vi­dua­li­tät. War­um gibt es kei­nen — unter­halb der Bun­des- bzw. Regio­nal­li­gen — orga­ni­sier­ten som­mer­li­chen Spiel­be­trieb über drei vier Mona­te hin­weg in den Krei­sen, Bezir­ken, Ver­bän­den mit den ent­spre­chen­den Auf- und Abstie­gen? Dies wür­de zwei­fels­oh­ne eine wesent­li­che Auf­wer­tung des Ten­nis­sports an der Basis zur Fol­ge haben und zudem für eine kon­ti­nu­ier­li­che Bericht­erstat­tung in loka­len Zei­tun­gen, bzw. Online­por­ta­len und Radio­sta­tio­nen sor­gen. An den Wochen­ta­gen könn­ten für mehr als hun­dert­tau­send (Freizeit-)Tennisspieler die LK-Tur­nie­re statt­fin­den, an den Wochen­en­den kämen die Mann­schafts­spie­le zum Tra­gen. Dies ist nur eine fixe Idee von mir. Sie wür­de aber zwei­fels­oh­ne für eine grö­ße­re Auf­merk­sam­keit sor­gen und sicher­lich auch zur Mit­glie­der­ge­win­nung beitragen.

Der Sinn des Sports ist bekannt­lich das Gewin­nen und zwangs­läu­fig eben auch das Ver­lie­ren. Gera­de die Freizeit-(Tennisspieler), die sozu­sa­gen die Basis der Ten­nis­ver­ei­ne bil­den, wol­len sich in Wett­be­wer­ben mes­sen und suchen den Wett­streit. Die­sen in Mann­schaf­ten und Teams zu erle­ben, ist das Geheim­nis des Mann­schafts­sports. Und gilt auch für die Indi­vi­du­al­sport­art Ten­nis. Nur darf man die­se Wett­be­wer­be nicht als Brei­ten­sport stig­ma­ti­sie­ren, son­dern sie ernst­haft als Ten­nis­spie­ler/-innen bezeich­nen. Ich habe noch nie gehört oder gele­sen, dass ein Fuß­bal­ler im hohen Alter in einer Mann­schaft als Brei­ten­sport-Fuß­bal­ler bezeich­net wird. Er ist und bleibt — unab­hän­gig vom Alter und Kön­nen — ein Fuß­bal­ler! Die­se Wert­schät­zung gegen­über den (Freizeit-)Tennisspielern könn­te man mög­li­cher­wei­se durch einen län­ger anhal­ten­den und über­grei­fen­den Mann­schafts-Wett­be­werb einen Schritt entgegenkommen!

Zum The­ma Ten­nis und Fern­se­hen, dar­über kann man nur phi­lo­so­phie­ren. Zum einen die bana­le Erkennt­nis, dass TV-Geschäf­te auch etwas mit Geld zu tun haben. Ver­an­stal­tungs­rech­te wer­den ver­kauft und es wer­den Käu­fer (Sen­der) benö­tigt, die die­se Rech­te für ihre Zuschau­er an den Bild­schir­men ein­kau­fen. Wenn kei­ner ein­schal­tet, also kei­ne Quo­ten erzielt wer­den, wird es auch nichts mit der Über­tra­gung. Im Klar­text, die TV-Ein­schalt­quo­ten — selbst bei Über­tra­gun­gen von Zver­ev, Ker­ber, Davis Cup, bzw. Fed­Cup — sind so unter­ir­disch, dass die­se sogar noch von TV-Über­tra­gun­gen der drit­ten Fuß­ball­li­ga getoppt wer­den. Wenn noch nicht ein­mal die Ten­nis­spie­ler ein­schal­ten, die eigent­lich das sport­li­che Poten­zi­al des Ten­nis­sports ken­nen, war­um soll sich das denn dann der unbe­tei­lig­te Drit­te anschauen?

Wir müs­sen uns lei­der damit zufrie­den geben, dass der Ten­nis­sport in die zwei­te — wenn nicht sogar in die drit­te Rei­he — abge­rutscht ist. Das ein­zig Tröst­li­che dar­an ist, wir befin­den uns da in einer exklu­si­ven Gil­de mit Sport­ar­ten wie der Leicht­ath­le­tik, Eis­ho­ckey, Hand­ball etc., die eben­falls kaum noch bun­des­wei­te TV-Prä­senz haben. Was wei­ter­lebt, ist die Hoff­nung auf bes­se­re Zei­ten. Eine Ära von Becker, Graf, Stich und Co. wird es aller­dings nie wie­der geben. War­um nicht? Weil es zur dama­li­gen Zeit ein­fach ein­ma­lig war und sich Ein­ma­lig­keit bekannt­lich nicht wie­der­ho­len lässt.

  » Franks bis­he­ri­ge Beiträge…