Ein Armutszeugnis

Von Christoph Kellermann.

Kollege Andrej Antic hat vorgestern auf »Tennismagazin.de« einen wunderbaren Kommentar geschrieben. Andrej hat hierbei das diesjährige Wimbledonturnier aus deutscher Sicht bilanziert. Seine Beurteilung für die Gesamtdarstellung: Mangelhaft! Besonders auffallend und erfrischend anders: Andrej bezieht sich keinesfalls nur auf die aktiven Spielerinnen und Spieler vor Ort, vielmehr geht sein Blick weit darüber hinaus. Und hierbei nimmt der Chefredakteur des »Tennismagazins« wahrlich kein Blatt vor den Mund.

» Zum Kommentar von Andrej Antic…

Liebe Tennisfreunde, Andrej beklagt zu Recht, dass weder Fed-Cup-Teamchef Gerber, noch Davis-Cup-Teamchef Kohlmann vor Ort gewesen seien und auch die so hoch gelobten »Head of Women’s und Head of Men’s Tennis« des DTB sind ihren ureigendsten Aufgaben nicht nachgekommen, nämlich ihre Aktiven beim wichtigsten Tennisturnier des Jahres mit samt ihrer geballten Erfahrung zumindest moralisch zu unterstützen. Im Gegensatz zu Rittner weilt Boris zwar aktuell in London, doch dieser ist bekanntlich mit anderen Aufgaben beschäftigt – BBC und vor allem die eigene sozial-mediale Vermarktung haben Priorität.

Währenddessen haben die arrivierten deutschen Spielerinnen und Spieler enttäuscht – das ist schlimm. Noch schlimmer ist allerdings, dass kurz- und mittelfristig absolut nichts nachkommt. Der DTB-Nachwuchs zog an der berühmten Church Road mit gerade einmal einer einzigen Spielerin in die beiden Nachwuchsfelder. Alexandra Vekic kämpfte, verlor aber ebenfalls gleich zum Auftakt. Wer dem ganzen Desaster rund um das deutsche Tennis dann die Krone aufsetzte, war wohl DTB-Nachwuchshoffnung Nummer Eins, Rudi Molleker, der im Vorfeld gar »vergaß«, für Wimbledon zu melden. Dirk Hordorff, DTB-Vizepräsident und zuständig für den Spitzensport im mitgliederstärksten Tennisverband der Welt und in London vor Ort, hat das deutsche Waterloo abseits seiner umfangreichen Manager- und Trainertätigkeiten für internationale Spieler doch hoffentlich mitbekommen?! Man hofft es, aber man weiß es nicht.

Juli 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf