Marc Raffel
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Vom 8. bis 12. Juli findet im nordrhein-westfälischen Meerbusch die Herren-Finalrunde der »DTB German Pro Series« statt. »Tennisredaktion.de« sprach mit Turnierboss Marc Raffel, der – weit über die nächstwöchige Finalrunde hinaus – einer der umtriebigsten Turnierveranstalter überhaupt ist. Ein Mann mit Ecken und Kanten – immer mit einer klaren Haltung…

Hallo Marc! Vom 8. bis 12. Juli gibt es bei Euch in Meerbusch im Rahmen der  »DTB German Pro Series« die Finalrunde der Herren. Das muss doch Balsam sein für die Corona-geschundene Seele eines Turnierveranstalters?

Marc Raffel: Absolut, denn die Serie hat gehalten, was sie schon im Vorfeld versprach. Absolutes Spitzentennis, die besten deutschen Tennisspieler geben Vollgas. Es war in den letzten Wochen und Monaten eine gespenstische Tenniszeit. Die Serie des DTB kam genau zum richtigen Zeitpunkt…

Auch wenn der Gesamtsieger erst noch ermittelt werden muss: wie schätzt Du – nach absolvierter Vor-, Zwischen- und Bonusrunde – den Erfolg der neu geschaffenen »German Pro Series« insgesamt ein?

Marc Raffel: Man muss abwarten, ob und in welcher Form die ITF- und ATP-Tour wieder Fahrt aufnehmen können. Abhängig von dieser Entwicklung können Touren
wie diese in Zukunft an Bedeutung gewinnen. So oder so sollten regionale und nationale Touren und Circuits mehr an Bedeutung gewinnen, denn der Aufwand, vor allem für die jungen Spieler, ist enorm. Die ersten Schritte auf der Tour müssen erleichtert werden.

Jan-Lennard Struff hat vorzeitig rausgezogen, als die ATP Tour ihren »Comeback-Turnier-Kalender« veröffentlicht hat. Hast Du Verständnis für Jan oder anderes gefragt: wie groß ist die Enttäuschung, dass Deutschlands Nummer Zwei in Meerbusch fehlen wird?!

Marc Raffel: Natürlich habe ich Verständnis für ihn. Die Tannenhof Resort German Men´s Tennis Tour hat jedoch gezeigt, dass sie im Gegensatz zu so manch anderer Tour vieles richtig gemacht hat. Vielleicht wäre es für Jan doch besser gewesen, die Tour zu Ende zu spielen, denn sie ist für mich die beste Vorbereitung auf eine eventuell im August startende ATP-Sandplatzsaison.

Das Teilnehmerfeld in Meerbusch ist ja dennoch erlesen. Bekommt es live auch jemand mit? Sprich: sind Zuschauer zugelassen?

Marc Raffel: Ja, mindestens 100 pro Match gleichzeitig! Wir besprechend gerade mit dem Gesundheits- und Ordnungsamt das entsprechende Konzept. Darüber hinaus bieten wir den Tennisfans auch den Trainingstag am Mittwoch, 8. Juli zum Zuschauen an. Wer hat nicht Lust live dabei zu sein, um den besten deutschen Tennisprofis bei ihrer Arbeit zuzuschauen?

Struffi mal ausgenommen: haben sich bei der »German Pro Series« Deiner Meinung nach die Topfavoriten durchgesetzt?!

Marc Raffel: Im Großen und Ganzen ja. Natürlich hätte auch Peter Gojowczik gut ins Halbfinale gepasst oder auch ein Daniel Altmaier oder ein Matthias Bachinger. Die Tour zeigt klar, wie eng man in den letzten Jahren im Spitzentennis sportlich zusammengerückt ist.

Nun gehörst Du ja mit Deinem Tennisunternehmen zu den fleißigsten und erfahrensten Turnierorganisatoren in der nationalen und internationalen deutschen Turnierlandschaft. Corona hat uns alle kalt erwischt. Sehr, sehr viele kleinere, aber auch ganz große Events sind Corona zum Opfer gefallen. Wie groß ist die Hoffnung auf eine baldige Rückkehr zum ganz normalen Wahnsinn noch in 2020?

Marc Raffel: Die Hoffnung ist groß, auch bei mir! Jedoch muss man die Dinge realistisch sehen und erkennen, dass das Internationale Turniersystem dringend verändert werden muss. Wie bereits erwähnt, muss sich vor allem die ITF hinterfragen, ob sie mit ihrer ITF World Tennis Tour tatsächlich auf dem richtigen Weg ist!? Die Aufwendungen für die jungen Spieler sind einfach zu hoch, kaum jemand hat die finanzielle Kraft, dort auf Dauer dabei zu bleiben. Auch die langen Reisen zu den entsprechenden Turnieren sind nicht mehr zeitgemäß. Ich wünsche mir für die Zukunft mehr Fokus auf nationale und regionale Events, deren Serien die Spieler bei entsprechender Platzierung zur Teilnahme an den großen Grand-Slam- oder ATP-1000-Events berechtigen. So könnte man Großes bewahren und Neues beginnen.

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