Thassilo Haun
© Thassilo Haun

Liebe Leser von »Tennisredaktion.de«, auf Folgendes möchte ich generell hinweisen: Meine Einschätzungen und Ratschläge ersetzen keine Rechtsberatung und sind ohne Gewähr. Sie zeigen lediglich meine persönlichen Ansichten der mir geschilderten Sachverhalte auf Basis meiner eigenen Erfahrung auf.

Die Vorgeschichte…

Mit großem Interesse habe ich die Berichterstattung zum TK Rot-Weiss Kempen auf »Tennisredaktion.de« verfolgt. Unsere Redaktion sowie flächendeckend alle Leser (auch bei Facebook) haben sich ja sehr, sehr lobenswert dazu geäußert, dass der TK Rot-Weiss seinen drei Trainern in der »Corona«-Krise in Abstimmung mit den zahlenden Eltern das Gehalt bis Ostern zu 100% und von Ostern bis Ende Mai zu 50% weiterzahlt, damit die Coaches nicht schon kurzfristig wirtschaftliche Probleme bekommen. In diesen allgemeinen Applaus mischte sich aber auch die Anfrage eines anderen Tennisclubs, nennen wir ihn »Club S«, dessen Vorsitzende sich nach dem Status der Kempener Trainer erkundigte. Ihre Frage an den Amtskollegen in Kempen: „Sind die Trainer in Kempen angestellt oder werden sie als Selbständige bezahlt?” Der Kassenwart des »Club S« sei Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und hätte nach Rücksprache mit seiner Anwältin erklärt, dass »Club S« an seine Trainer keine Gelder bezahlen dürfe, frei nach dem Motto »Keine Leistung – kein Geld«. Der Verein würde sonst seine Gemeinnützigkeit verlieren. Gleiches gelte, so »Club S«, bei fest angestellten Kräften. Bei »Club S« prüfe man derzeit, ob die angestellte Gastronomin oder die Bürokraft zuerst noch Überstunden und Urlaubszeiten vorschalten dürfen, ansonsten würde Kurzarbeit angemeldet.   

Meine Einschätzung zu diesem Thema

Im Rahmen einer Status-Feststellung ist es meiner Meinung nach sehr wohl möglich, den Status des einwandfrei selbständigen Trainers zu erhalten. Hierzu gibt es genaue Checklisten, anhand derer man sich orientieren kann. Zusätzlich muss man wissen, dass jeder Fall individuell zu sehen ist (Einzelfallentscheidung). Hier muss auf alle Fälle ein Rechtsanwalt eingeschaltet werden. Denn das Thema »Scheinselbständigkeit« ist und bleibt ein Thema für den Rechtsanwalt, wenn man es ganz korrekt nimmt. Die Aussage des Kassenwartes, der Mitarbeiter einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft ist, kann ich nicht nachvollziehen. Der Verlust der Gemeinnützigkeit eines Vereines kann zum Beispiel erfolgen, wenn Mitgliedsbeiträge zur Bezahlung von Spielerhonoraren verwendet werden. In diesem Fall könnte die Aberkennung der Gemeinnützigkeit dazu führen, dass der zuvor begünstigte Verein als »von Anfang an nicht begünstigt« gilt. Dabei kann auf einen Zeitraum von 10 Jahren rückwirken.

Vielleicht verbirgt sich hinter der Frage etwas anderes: Werden Einnahmen und Ausgaben nicht in der Buchhaltung des Vereins erfasst, führt dies zur Unvollständigkeit der Aufzeichnungen. In der Folge sind Steuererklärungen falsch und Steuern werden nicht erhoben. Es handelt sich um einen typischen Fall der Steuerhinterziehung, der zum Verlust der Gemeinnützigkeit führen kann. Im vorliegenden Fall von »Club S« wäre interessant, ob die Trainer, um die es sich in der Anfrage handelt, selbständig arbeiten oder beim Verein angestellt sind. Diese Aussage fehlt. Denn wenn, wie von »Club S« formuliert, »keine Leistung« auch »kein Geld« bedeutet, so spricht dies für mich als Leser ohne Hintergrundinformationen erst einmal für eine selbständige Tätigkeit auf Stundenbasis, die monatlich nachträglich abgerechnet wird. Für selbständig tätige Trainer gibt es keine Kurzarbeit (67% des Nettoentgeltes bei mindestens einem Kind, 60% ohne Kind). Und das Thema Kurzarbeit hat auch erst einmal nichts mit einem eventuellen Verlust der Gemeinnützigkeit zu tun. Festangestellte Mitarbeiter eines Vereins, ob sie nun »Leistung« bringen oder nicht, haben Anspruch auf ihr Arbeitsentgelt. Denn sie schulden im Gegensatz zu selbständig Tätigen keine »Leistung«. Wenn es so wäre, dass festangestellte Mitarbeiter in Vereinen nur dann bezahlt werden, wenn sie tatsächlich »arbeiten« oder »Leistung bringen«, dann wüsste ich viele Vereine, die sich einige Gelder sparen könnten.

Schlusswort: Meine Empfehlung: Setzen Sie sich mit einem Anwalt Ihres Vertrauens zusammen. Dieser Anwalt sollte alle aktuellen Details kennen. Auch mit den zuständigen Behörden gilt es, sich abzustimmen.

Thassilo Haun

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Thassilo Haun ist ein echter »Tausendsassa«. Bundesligaspieler, DTB-A-Lizenz-Tenniscoach, Jura-Student, Bankkaufmann sowie Privatkunden- und Existenzgründungsberater. Für unser Portal »Tennisredaktion.de« steht Thassilo als Teil des Kompetenz-Teams für den Bereich »Vereins- und Trainerberatung« kostenlos Rede und Antwort.

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