Andre Begemann
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Liebe Tennisfreunde, heute möchte ich Euch ein paar spezielle Übungen an die Hand geben, um das beste aus Euren Doppelfähigkeiten heraus zu kitzeln. Zunächst einmal ist die »Auge-Hand-Koordination« noch wichtiger, als im Einzel, da der Netzmann oftmals unvorhergesehen ins Spielgeschehen eingreift, obwohl die letzte Aktion nicht vom selben Spieler ausging und der Partner den Ball vielleicht als Letzter berührt hat. Dann kommt man plötzlich zum Schlag und hierbei ist die Flugzeit des Balles oftmals kürzer, als im Einzel, da man ja bereits am Netz steht oder sogar von dem Netzmann gegenüber auf kürzester Distanz angespielt wird. Genau um diese Fähigkeiten zu verbessern und besonders die Reaktion zu trainieren, ist die wichtigste Komponente von einem gezielten Doppeltraining das »Warm-Up«, welches ich Euch in meinem vorletzten Blog ans Herz gelegt habe. Die kleinen Muskelfasern werden dabei angesprochen und erwärmt und ganz besonders muss der Kopf bereit sein für die bevorstehenden Aufgaben!

Der »Split-Step«

Wenn es dann losgeht, ist die erste Voraussetzung für stetige Bereitschaft der Bereitschaftssprung, auch »Split-Step« genannt. Dieser sollte stattfinden, wenn der Ball den Schläger des Gegners verlässt. Euer Schlägerkopf geht dann mittig vor Eurem Körper in Bereitschaft und zeigt schräg nach vorne oben, so dass Ihr sowohl für einen Vorhand-, als auch für einen Rückhandvolley bereit seid! Das kann man übrigens auch im »Warm-Up« ohne Ball üben. Ihr solltet hierbei in eine tiefe Ausgangsposition gehen und den Bodenkontakt so kurz wie möglich halten, damit ihr direkt danach auf den möglichen Schlag des Gegners reagieren könnt. Der Oberkörper hat dabei eine leichte Beugung nach vorne, da Ihr den Volley in der Vorwärtsbewegung spielen wollt und sobald der »Split-Step« gesetzt ist, anschließend der Schritt zum Ball kommen muss, bis Ihr schließlich den Treffpunkt setzt. Zum Vorhand-Volley kommt das linke Bein beim Treffpunkt nach vorne und beim Rückhand-Volley das rechte, wobei Ihr bei ganz schnellem Schlagabtausch manchmal nicht mehr auf die genaue Schrittkombination achten könnt und nur bedacht seid, den Ball übers Netz und ins Feld zu spielen. Hilfeich ist es, das Netz beim »Split-Step« auf Augenhöhe zu haben. Je tiefer Ihr steht, desto stabiler seid Ihr und umso besser könnte Ihr am Ende auf tiefe Volleys reagieren.

Die »Griffhaltung«

Auf die Frage, ob ich beim Vorhand- und Rückhand-Volley denselben Griff benutze, möchte ich betonen, dass vor allem im Profibereich für das Umgreifen oftmals keine Zeit bleibt. Daher mein Tipp, lieber mit demselben Griff zu (re)agieren, als zu viel Zeit und Aufwand damit zu verschwenden, den perfekten Griff zu finden.

»Volley-Drill«

Ihr solltet nach dem Einspielen Volleys sowohl auf halbem Feld »long-line«, als auch auf halbem Feld »cross-court« üben. Setzt Euch selber ein paar Ziele wie z.B. 1) jeden Ball hinter die T-Linie zu spielen, 2) gerade ins Doppelfeld zu spielen oder 3) cross ins Doppelfeld zu spielen, um an Eurer Schlagsicherheit zu arbeiten. Wenn Ihr diese Übungen bereits beherrscht, könnt Ihr Euch genauere Ziele setzen und beispielsweise Balldosen aufstellen und jede Übung so lange ausführen, bis alle Dosen gefallen sind. Wenn Ihr auch diese Übung beherrscht, könnt Ihr kombinieren und jeweils zwei Bälle »long-line« und dann einen dritten Ball als Winner in die andere Ecke (Doppelfeld) spielen. Das zwingt Euch genau wie im Match dazu, »zwingende« Volleys zu spielen und nicht Gefahr zu laufen, sich die Bälle nur gegenseitig zuzuspielen. Das erfüllt schließlich nicht Sinn und Zweck des Volleys, denn dieser ist ein Angriffsschlag und sollte nach dem Warmspielen dementsprechend auch so ausgeführt werden.

»Two-On-Two«

Wenn Ihr nicht zu Zweit, sondern zu Viert auf dem Platz steht, gibt es eine sehr gute Übung, die speziell für das Doppel sehr effektiv ist: auf der einen Seite stehen zwei Spieler am Netz und auf der anderen Seite zwei an der Grundlinie. Die Netzspieler spielen den ersten Ball scharf an und damit ist das Spiel auch schon eröffnet. Grundlinienspieler und Netzspieler sind gezwungen, stets bereit zu sein, egal, wer die Aktion letztlich eröffnet hat. Das heißt im Klartext: alle vier Spieler auf dem Platz müssen ihre Bereitschaft mit dem Treffpunkt des aktiven Spielers durch leichtfüßige Bereitschaftssprünge dokumentieren. Das Spiel geht »bis 11«, wobei die Grundlinienspieler nur 7 Punkte gewinnen müssen, um das Spiel für sich zu entscheiden. Wer in höheren Klassen spielt, kann ein paar extra Regeln einsetzen, um das Spiel zu forcieren, zum Beispiel den ersten Volley »hinters T« spielen zu müssen oder dem Grundliniendoppel zu verbieten, Lobs zu spielen. Dadurch werden die Grundlinienspieler gezwungen, durch besonders harte und schnelle Grundlinienschläge oder durch variables Spiel den ganzen Platz zu nutzen, um die Volleyspieler zu bezwingen. Nach dem Satzende werden die Seiten gewechselt. Das gleiche Spiel kann man »Best-Of-Three« oder »Best-Of-Five« spielen, wobei die Seiten beim Entscheidunsgsatz regelmäßig gewechselt werden müssen.

»Romanian-Davis-Cup-Drill«

Eine weitere effektive Volleyübung, bei der Reaktion und Beinarbeit gezielt trainiert werden, funktioniert wie ein »Fächer«. Es stehen sich zwei Spieler jeweils mittig auf der T-Line gegenüber und man beginnt das Flugballspiel, in dem sich beide Spieler die Bälle immer weiter nach außen zuspielen. Erst aus der Mitte immer weiter Richtung Vorhandecke, bis beide Spieler an der Einzel- oder Doppelauslinie angekommen sind, dann wieder über die Mitte bis zu Rückhandauslinie. Wenn man dort angelangt ist, geht es wieder über die Mitte bis zur Vorhandecke. Der Ball bleibt stets in der Luft und es wird fehlerfrei zugespielt, wobei das Tempo langsam erhöht wird. Es spielen beide Spieler immer den gleichen Volley und die Volleys sind alle »cross«, bis auf einen Schlag aus der Mitte, der dem Richtungswechsel dient. Die Bryan-Brüder haben diese Übung einst »Romanian-Davis-Cup-Drill« getauft. Solange Beinarbeit und Spielstärke der beiden Spieler ähnlich sind, stellt diese Übung eine sehr gute Trainingsform dar, um sowohl die Beweglichkeit am Netz, als auch die »Auge-Hand-Koordination« zu trainieren. Wenn Ihr sehr ehrgeizig seid, könnt Ihr eine Stoppuhr laufen lassen, um zu sehen, wie lange Ihr den Ballwechsel fehlerfrei »am Leben« halten könnt.

Viel Spaß und bis bald, Euer Bege