Money
© Pixabay

Liebe Tennisfreunde!

In der abgelaufenen Saison 2019 zählten wir auf der ATP-Tour insgesamt 63 Turniere mit 138,2 Millionen US-Dollar Preisgeld. In der kommenden Saison 2020 werden es 64 Turniere mit 158,7 Millionen US-Dollar Preisgeld sein. Da denkt man erstmal: „20,5 Millionen US-Dollar – eine ganz kräftige Preisgeld-Steigerung. Berücksichtigt man aber die 15 Millionen Preisgeld für den im Januar 2020 erstmals stattfindenen ATP Cup, bleiben 5,5 Millionen Dollar Preisgeldsteigerung übrig. Das sind vier Prozent. Und die gehen für die Begleichung gestiegener Kosten für Hotels, Flüge, etc. schnell drauf.

In Zeiten, in denen das TV-Geld dramatisch steigt, die Wirtschaft weltweit boomt und die ATP den größten Data-Deal der Geschichte verkündigt, sind dies keine guten Nachrichten für die Spieler. Die Kritik von Vasek Pospisil an die Kollegen im Spielerrat kann ich durchaus nachvollziehen, insbesondere in Bezug auf die Grand-Slam-Turniere, deren Gewinne explodieren und bei denen vier Länder den Großteil der Profite kassieren.

Dirk Hordorff
© ITF

Besonders die Entwicklung auf der Challenger-Ebene und den WTT-Turnieren der ITF bereitet mir Sorge. Das Preisgeld eines 15-K-WTT-Turnier ist seit Jahren unverändert. Und selbst dies ist in vielen Ländern auch nur durch die Unterstützung der Verbände möglich. Hier muss dringend Abhilfe geschaffen werden! Auch um gegen die Wettmanipulationen, die uns auf den unteren Profi-Turnieren große Sorgen bereiten, vorzugehen.

Eine gezielte Unterstützung für Damen und Herren, die sich auf den Plätzen zwischen 100 und 1000 der Weltrangliste bewegen, ist zwingend notwendig, denn ohne dies läuft der Unterbau im Tennis Gefahr, wegzubrechen. Viele kleine Nationen sind finanziell nicht in der Lage, Nachwuchsarbeit zu betreiben. Die Ausrichtung von WTT-Turnieren kostet eine Menge Geld und eine Preisgeldsteigerung ist von den kleinen Nationen nicht finanzierbar. Dort ist das Preisgeld seit Jahren unverändert.

Die ATP unterstützt Spieler in den unteren Regionen mit einer Million Travel Grants. Aber das reicht nicht für 1.000 Spieler, die heute von der Hand in den Mund leben und die ohne Support von großen Tennisnationen nicht einmal ihre Kosten decken könnten. Die Befürchtung von Toni Nadal, dass, wenn da nichts geschieht, nur noch Kinder reicher Eltern professionell Tennis spielen können, ist richtig. Hier reicht es nicht, öffentlich Änderuneng zu fordern. Roger Federer, Rafa Nadal und Novak Djokovic sind alle im Spielerrat der ATP und könnten hier ihren Worten Taten folgen lassen, damit auch die Profis aus der zweiten Reihe überleben können.

Euer Dirk Hordorff