Rafael Nadal
© Jürgen Hasenkopf

Userfrage: „Hallo Herr Medem. Stimmt es, dass es psychologisch ein Nachteil ist, als Rechtshänder gegen Linkshänder zu spielen, bzw. umgekehrt: dass Linkshänder psychologisch permanent im Vorteil sind, wenn sie gegen Rechtshänder agieren?! Immerhin sollen gerade einmal 10% aller Menschen Linkshänder sein. Auf einigen Fotos von Ihnen erkenne ich, dass auch Sie Linkshänder sind?! Ich glaube, ich habe da den richtigen Ansprechpartner?!? Bitte geben Sie mir Tipps, wie ich gegen Linkshänder spielen muss! Im Kopf habe ich auf Grund der Gerüchte immer das Gefühl, dass ich im Nachteil wäre…“

Servus!

»BHLL« – nein, das ist keine neue Casting-Show oder Boygroup. 85 bis 90 Prozent der Menschen sind Rechtshänder. Von jenen, die Tennis spielen, sind wiederum 85 bis 90 Prozent auf der Vorhandseite besser bewaffnet, als auf ihrer Rückhandseite. Worum geht es bei diesem Zahlenspielen? Linkshänder sind es gewohnt, den regelmäßigen Druck aus der Vorhandseite ihrer rechtshändigen Konkurrenten mit einem guten »BHLL«, also einem »BackHandLongLine«, auszuschalten, damit den Spieß umzudrehen, da die meisten Spieler die Cross-Variante besser beherrschen und damit ihrerseits nun den Druck mit der besseren Vorhand über die schwächere Rückhand aufzubauen. Willst Du also erfolgreicher gegen Lefties spielen, trainiere Deinen Rückhand-Longline – und trainiere möglichst oft gezielt mit Linkspfoten. Denn im Grunde handelt es sich ja nur um eine taktische Anpassung und wenn du diese kontrollieren lernst, dann verschwindet der »psychologische« Nachteil automatisch. Nicht zu vergessen ist auch die »Komponente Aufschlag«! Ein Rechtshänder-Slice-Aufschlag landet bei Linkshändern in der Rückhand. „Nun, der Slice-Aufschlag eines Linkshänders aber auch genauso in meiner Rückhand!“, wirst Du vielleicht entgegnen. Korrekt! Aber wir »Lefties« werden mit dieser Situation regelmäßig konfrontiert und haben gelernt mit der »BHLL«-Variante zu kontern. Bedeutet für Dich: beim Return auf der Vorteils-Seite gegen einen »Linken« ruhig etwas weiter außen im Feld positionieren – und natürlich: viele Longline Returns trainieren!

Stephan Medem

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Stephan Medem war einst ATP-Weltranglistenspieler und langjähriger Coach auf der WTA-Tour, unter anderem von Barbara Rittner und Karina Habsudova. Viele Jahre spielte er sehr erfolgreich in der deutschen Tennis-Bundesliga, heute ist er nicht minder erfolgreich als Trainer, Speaker und Bestseller-Autor unterwegs. Zu seinen aktiven Zeiten war »Steph« übrigens Sparringspartner von nahezu allen Tennisgrößen, bis hin in die Top-Ten. Als Experte der allerersten Stunde steht »Steph« den Usern auf »Tennisredaktion.de« als Fachmann für »Mentales« zur Verfügung und ist darüber hinaus ein perfekter Ratgeber in Elternfragen.

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