Training
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In den vergangenen Monaten wurde allseits viel diskutiert, welche Auswirkungen Corona wohl auf das deutsche Vereinstennis haben und wie es für das nationale Tennis an der Basis weitergehen wird. Statistiken über die fortlaufend negative Entwicklung im Mitgliederbereich haben alle Beteiligten hierbei stets schnell an der Hand. So genannte »Webinare« zu diesem Thema sprießen seit geraumer Zeit wie Pilze aus dem Boden. Auffallend hierbei ist, dass am Ende des Tages keiner der Beteiligten erfolgsversprechende Lösungen parat hat.

Abenteuerliche »Lösungsvorschläge«…

Im Rahmen des letzten – recht »prominent« besetzten – Webinars, welchem ich als interessierter Zuschauer beiwohnte, habe ich so viel Unfug gehört, dass ich Euch dies nicht vorenthalten möchte. So ist ein Versprechen, sämtliche Schläge im Tennis in zehn Stunden erlernen zu können, ebenso unseriös, wie Tennisvereinen denen die Mitglieder weglaufen, zu empfehlen, neue Tennisfreunde über tennisfremde »Leistungen« wie den Betrieb einer Sauna oder einer Kegelbahn gewinnen zu können. Auch sind Versuche, Mitgliedern, die gekündigt haben, mit der Kündigungsbestätigung einen »Analysebogen« hinterherzusenden, so zielführend, wie einen Schiedsrichter nach einer Tatsachenentscheidung vom Gegenteil überzeugen zu wollen. Das Kind liegt hier doch bereits zu tief im Brunnen. Zuvor wurde versäumt, dem Mitglied den Spaß am Tennis sowie am Vereinsleben zu vermitteln und vor allem: zu erhalten. Tennis ist eine Sportart, die von Natur aus schon extrem attraktiv ist und keine »Appetizer« benötigt. Vereine oder Tennisschulen, die nach den allerletzten Strohhalmen namens Nordic Walking, Sauna, Public-Sky-Viewing oder sonst was greifen müssen, haben zuvor auf ganzer Linie versagt.

Unnötige Diskussion am Rande…

Und als würden die vorgenannten Diskussionspunkte allein noch nicht ausreichen, befeuerte der weibliche Host im besagten Webinar auch noch eine Diskussion zum Thema Gleichberechtigung. Weiblichen Trainerinnen und Coaches würden sich nicht dieselben Möglichkeiten und Chancen bieten, wie ihren männlichen Pendants. Selten habe ich einen größeren Unfug gehört. Knapp vierzig Jahre bin ich mit dem Tennissport nun verbunden und in dieser Zeit ist mir kein einziger Tennisverein aufgefallen, der sich einer weiblichen Tennistrainerin verschlossen hätte. Im Gegenteil: die meisten Vereine hätten es sehr begrüßt, eine hauptberufliche Trainerin verpflichten zu können. Nur gibt es sie kaum. Ich persönlich habe bei der Zusammenstellung meines Co-Trainer-Teams immer eine gewisse Ausgewogenheit angestrebt und wurde nie enttäuscht.

Wurzel des Übels selbstgezüchtet…

Schuld an der negativen Mitgliederentwicklung in unseren Tennisvereinen haben weder der demographische Wandel noch das viel zitierte Überangebot an Freizeitmöglichkeiten. Die Wurzel des Übels liegt in allererster Linie bei den Trainerinnen und Trainern in den Vereinen sowie bei den Vereinsvorständen selbst. Hierbei spielt auch die Ausbildung der Trainerinnen und Trainer keine entscheidende Rolle, sondern vielmehr die eigene Mentalität. Pure Leidenschaft, gepaart mit Innovation und Empathie sorgen für Begeisterung und ein volles Haus. So ainfach ist das. Ich persönlich kann mich nicht erinnern, als Vereinstrainer in fast 30 Jahren am Ballkorb auch nur in einem einzigen Club ein Nachwuchs- oder Mitgliederproblem gehabt zu haben. Außer punktuell bei der Übernahme eines entsprechenden Clubs.

Zehn Minuten reichen aus…

Menschen, vor allem Kinder und Jugendliche, zu begeistern und bei der Stange zu halten, ist denkbar ainfach. Nur braucht es dazu Eigenschaften, die man sich nur schwer aneignen kann: Eigenmotivation, Kreativität, Kommunikation, Empathie, Begeisterungsfähigkeit und natürlich die Bereitschaft, auch mal über die geleistete und bezahlte Stunde hinaus für Mitglieder und Verein da zu sein. Entweder man hat als Trainer diese Fähigkeiten und auch den Willen, wirklich etwas bewegen zu wollen oder man hat sie nicht. Solche Trainer sind blitzschnell auszumachen. Da verhält es sich doch wie beim Scouting angehender Tennisprofis: auch da reichen schon zehn Minuten, um herauszufinden, wer es packen kann und wer es trotz Talent niemals packen wird.

Den Trainer gewähren lassen…

Auch die Vereinsvorstände spielen eine entscheidende Rolle und richten durch ihr Verhalten quasi selbst über ihr eigenes Schicksal. Sie nämlich müssen den engagierten Trainer auch gewähren lassen. Viel zu oft habe ich beobachten können, wie Kolleginnen und Kollegen durch ihre Vorstände regelrecht ausgebremst wurden und so jegliche Motivation verloren. Auch müssen die Clubs ihren über die Maße hinaus arbeitenden Trainerinnen und Trainern auch den nötigen Respekt sowie ehrliche und dauerhafte Dankbarkeit entgegenbringen.

PS: Wer zu diesem Thema mehr erfahren möchte oder Fragen hat, kann sich an Thassilo Haun, Mitglied unseres »Kompetenz-Teams« und verantwortlich für den Bereich »Trainer- & Vereinsberatung« wenden. Dort gibt es kostenlosen Rat.

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