Supervisor
© Jürgen Hasenkopf

Userfrage: „Hallo Christoph! Bei manchen Turnieren fällt immer wieder der Begriff des »Supervisors«! Wann und wo wird diese Position besetzt und was leistet ein solcher »Supervisor« überhaupt? Ist das in der Hierarchie so etwas wie ein Vorgesetzter der Schiedsrichter? Und: wie sieht die Hierarchie im Schiedsrichterwesen auf internationaler Ebene überhaupt aus?“

Hallo Stefan!

Danke für Deine tolle Insider-Frage!

Der »Supervisor« ist in der Tat eine Art Vorgesetzter der Schiedsrichter. Er hat Aufgaben von Oberschiedsrichtern zu erfüllen, wie das Abmessen des Platzes, das Überprüfen der Werbebanden und Farbkombinationen, dass diese in Übereinstimmung mit den Tennisregeln und Regularien der jeweiligen Profitour stehen. Bei Hallenturnieren misst der »Supervisor« zum Beispiel die Helligkeit der Deckenleuchten, ob diese den Mindestvorgaben entsprechen und ob die Hallendecke hoch genug ist. Die »Supervisor« sind ebenso wie die Oberschiedsrichter die letzte Instanz in Regelfragen auf dem Platz. Tatsachenentscheidungen der Schiedsrichter können sie indes nicht mehr beeinflussen, wie »In« oder »Out« oder ob der Ball einen Gegenstand berührt hat oder zweimal aufgetickt ist.

Darüber hinaus ist die Person des Supervisors diejenige Instanz, die das Bindeglied zwischen der Spielervereinigung und dem Turnier darstellt. Zusammen mit dem Tour Manager erstellen die »Supervisor« den Spielplan. Dabei werden die Wünsche der Fernsehanstalten und Turnierdirektoren berücksichtigt. Auf Challengern macht das der »Supervisor« ganz alleine mit dem Turnierdirektor.

Der »Supervisor« ist ebenfalls für die Schiedsrichter-Einteilung am Vorabend des jeweiligen Spieltages, manchmal im Zusammenspiel mit dem Oberschiedsrichter, zuständig. Der »Supervisor« ist auch für die Evaluationen=Bewertungen der Stuhlschiedsrichter, des »Chief of Officials« und des Oberschiedsrichters verantwortlich. Bei Fehlverhalten von Officials, wenn es beispielsweise Verstöße gegen den »Code of Conduct« gäbe, hat der »Supervisor« auch die Macht, den Schiedsrichter/die Schiedsrichterin von seinen/ihren Turnieraufgaben zu entbinden und nach Hause zu schicken.

Des Weiteren bespricht der »Supervisor« immer mit den Turnierveranstaltern am Ende eines Turnieres, welche Dinge sehr gut gelaufen sind und wo die Spielervereinigung noch Verbesserungspotenziale für die nächsten Turnierjahre sieht. Er händigt dem Turnier danach den »Supervisor-Report« aus. Diese Reports werden dann auch für die »Supervisor« der Folgejahre bei der Spielervereinigung archiviert, so dass die Entwicklung eines Turniers kontinuierlich überprüft werden kann. Alle weiteren Aufgaben des »Supervisors« können bei Interesse detailliert im »ATP Rulebook« nachgelesen werden.

Die Hierarchien auf Turnieren sehen wie folgt aus. Der oberste Mann ist der »Supervisor«. Er ist weisungsbefugt, auch für die Verhängung der Strafen bei Fehlverhalten von Spielerinnen und Spielern, wenn diese gegen den »Code of Conduct« verstoßen. Die Spielerinnen und Spieler können ihre Strafe dann nur noch beim »Vice President Rules and Regulations« appealen, wenn Sie nicht damit einverstanden sind. Je nach »Vorstrafenregister« kann ein Appeal auch erfolgreich sein, gerade für »Ersttäter«.

Nach dem »Supervisor« steht der Oberschiedsrichter in der Rangfolge. Dieser bringt die Spielerinnen und Spieler pünktlich zum Sendebeginn auf den Platz und kümmert sich beispielsweise bei Regen um die schnelle Wiederherstellung der Bespielbarkeit der Match-Courts. Die nächste Stufe hat der »Chief of Officials« inne, der alle zusätzlichen Stuhlschiedsrichter einlädt, die das Turnier noch über die Fulltime-Officials der Spielervereinigung hinaus für die ersten Turniertage bis meistens Donnerstag oder Freitags benötigt, um alle Matches abdecken zu können. Der »Chief of Officials« ist auch für die Auswahl und Einteilung der Linienrichter zuständig und nominiert Jemanden, der/die sich um die Ballkinder kümmert.

Die Schiedsrichter coachen und bewerten auf den Turnieren die Linienrichter und selektieren nach den beobachteten Turnierleistungen dann die Finalcrews. Manchmal, aufgrund von langfristigen Reiseplanungen zu den nächsten Turnieren, findet die Grobauswahl der international tätigen Officials auch schon vorher durch den »Chief of Officials« statt, da die Flüge Monate vor Turnierbeginn deutlich günstiger sind und die Planungen mit den nachfolgenden Turnieren abgesprochen werden müssen -dies gilt besonders für die vielen internationalen Officials, die von Turnier zu Turnier reisen.

Bei den Schiedsrichterinnen und Schiedsrichtern gibt es folgende internationale Rangfolgen: begonnen wird mit dem »Green Badge« auf nationaler Ebene, dann folgt die erste internationale »White-Badge«-Schule. Dort werden die Grundregeln und deren Anwendung geschult, es ist der erste Kontakt mit anderen Nationen in diesem Ausbildungslevel. Als echter internationaler Schiedsrichter gilt man dann mit dem Bestehen des »Bronze Badge«-Kurses. Die »Silver- und Goldbadges« können später nur noch durch überdurchschnittliche Leistungen auf internationalen Turnieren mit guten Bewertungen erreicht werden. Voraussetzung dafür sind einige Jahre des internationalen Reisens und des sich nicht zu schade sein, auch auf der Linie auszuhelfen, gerade in den Vereinigten Staaten von Amerika. Des Weiteren ist es hilfreich, in die Förderteams der ITF, ATP und WTA aufgenommen zu werden, denn dort findet ein spezielles Coaching sowie eine bevorzugte Einteilung für die identifizierten Talente statt. In Deutschland gibt es das C-, B- und A-Schiedsrichter-Level, hier wird für die Arbeit in den Bundesligen ausgebildet.

Christoph Damaske

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Christoph Damaske studierte BWL und Sportwissenschaften mit Schwerpunkt Medien und Kommunikation zwischen 1999 und 2004 an der Deutschen Sporthochschule Köln. Als sportpsychologischer Experte (asp/bdp) arbeitet er mit Spitzensportlern und Mannschaften im Leistungssport. Christoph besitzt seit 2004 den »Silver-Badge«-Status im internationalen Schiedsrichterwesen und kann demzufolge auf eine erfolgreiche Karriere als international zertifizierter und erfahrener Tennis-Schiedsrichter blicken. Seit 2010 arbeitet Christoph als erfolgreicher Sportpsychologe in Köln und Umgebung mit Teams und Athleten vom Nachwuchs bis in den Profisport. Mit seiner Firma »B.FIT – Sportconsulting« veranstaltet er das größte und berühmteste deutsche Tennis-Bäderturnier, die »Borkum Open«.

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