Tennisplatz Pool
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Liebe Tennisfreunde!

Gerade in letzter Zeit habe ich von prominenten Vertretern der Tennisbranche immer öfter gehört, dass die Zukunft unserer Tennisclubs in einem Angebot weit über den Tennissport hinaus läge. Zumindest eine Sauna müsse her, hochmoderne TV-Anlagen, den Jugendlichen müssen Disco mit Live-Bands angeboten werden, den Erwachsenen Whirlpool und Spitzen-Gourmet-Genuss. Leider hat niemand  erwähnt, wie und wer das alles bezahlen soll.

Dirk Hordorff
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Vielleicht ist das in einigen Metropolen möglich. In München, Frankfurt, Berlin oder Hamburg – da gibt es für einen »Edel-Freizeit-Park« mit Tennis vielleicht ausreichend zahlungskräftige Interessierte. Aber mir wurde nicht gesagt, wie der Tennisclub auf dem Land mit vielleicht vier oder fünf Tennisplätzen das hinkriegen soll. Und ob auch dort die Mitglieder bereit wären, dies alles zu bezahlen. Ich persönlich glaube nicht daran.

Das ist auch nicht die Antwort auf den Mitgliederrückgang der vergangenen Jahre. Weder Padel noch »Wellness-Oase«, weder Kegelbahn noch Nordic Walking suchen diejenigen, die in einen Tennisverein eintreten. Es gibt genügend Interessenten, die wollen einfach gerne Tennis spielen. Und für die muss unser Angebot ausgerichtet werden. Wenn ich eine Sauna, Swimmingpool oder eine Kegelbahn bauen muss, um meine Tennismitglieder zum Bleiben zu bewegen, dann habe ich vorher etwas falsch gemacht. Vielmehr ist es Aufgabe der Vereine und Verbände, Tennis attraktiv zu machen und die Angebote im Tennis so zu gestalten, dass diese im die Mitglieder im Tennissport begeistern.

Im Verein fängt das mit dem Trainer an. Der muss engagiert sein und sollte die Mitglieder motivieren und begeistern können. Auch sollte er dafür Sorge tragen, dass ihnen der Sport so einfach wie möglich und mit jeder Menge Spaß beigebracht wird. Der Trainer hat immer mehr die Aufgabe, nicht nur eine Stunde lang Training zu geben, sondern auch Angebote für die Vereinsmitglieder zu kreieren und zu organisieren. Der »Trainer der Zukunft« verfügt über Engagement, Kreativität, Motivation und Kommunikationsfähigkeit. Mit diesen Eigenschaften kann er die Mitglieder für Tennis begeistern und im Tennisverein dafür sorgen, dass es wieder aufwärts geht. Das wird auch eine unserer Aufgaben in der Trainerausbildung sein. Wir müssen in den Bereichen Aus-und Weiterbildung noch mehr Angebote gestalten.

Der Tennisspieler darf nicht das Gefühl haben, wenn er eine Tennisstunde bucht, dass er sich für fehlende Technik oder mangelnde Spielleistung erst mal entschuldigen muss. Leistungstennis ist die eine Sache, aber nur vielleicht 1% der Tennisspieler, die einen Trainer buchen, zählen zu diesem Kreis. Vielmehr ist es wichtig, dass der »normale« Tennisspieler Freude am Sport hat und eine ebenso große Freude, gemeinsam mit dem Tennistrainer an seinem Spiel zu arbeiten. Das sind die Tennistrainer der Zukunft, die dabei helfen werden, dass es mit dem Tennis wieder aufwärts geht.

Auch wir im DTB und in den Landesverbänden sind bereit, neue Wege zu gehen. Wir werden es möglich machen, dass die Medenspiele mehr an den Wünschen der Spielerinnen und Spieler ausgerichtet werden und nach einer einheitlichen Wettspielordnung gespielt werden. Und Reformen, die insbesondere die Zeitdauer von Medenspielen angehen, sind nur eine Frage der Zeit. Da führt kein Weg dran vorbei. Ich denke auch an Alternativen wie LK-Turniere und Team-Events, die jeweils nur zwei Stunden dauern werden.

Der DTB und seine Landesverbände werden im LK-Bereich neue Angebote und Reformen einführen. Angebote, die es möglich machen, LK-Spiele im Verein zu gestalten. Zum Beispiel bei einer Klubmeisterschaft. Oder bei Forderungsspielen. Das waren vor 50 Jahren die Highlights des Wettkampf-Lebens im Verein. Und die werden wir wiederbeleben. Dank moderner Technologie gibt es gerade heute viele Möglichkeiten, die wir nutzen können und müssen. Nehmen Sie zum Beispiel das »Wingfield System«. Wahnsinn, was man damit alles gestalten kann. Sei es im Training oder für die Vereinsbelebung im LK-Bereich. Zwei junge Tennisspieler, Jaan Brunken und Maik Burlage, haben hier kreativ etwas erfunden, was weltweit Beachtung finden wird. Wir im DTB haben mit »Wingfield« schon Pläne entwickelt, die jedem Verein weiterhelfen können.

Es gibt viele Aufgaben, die es anzugehen gilt. Aufgaben, die wir gemeinsam bewältigen können. Und die uns erfolgreich in die Zukunft führen werden. Was ich mir wünschen würde, wäre mehr Mut und vor allem »Schnelligkeit«. Wir sollten nicht alles zerreden, alles mit Bedenken versehen. Mehr Risikobereitschaft, etwas zu versuchen, ist angesagt. Mit Aufbruchsstimmung und etwas Mut zur Veränderung werden wir unsere Ziele erreichen.

Euer Dirk Hordorff

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Anmerkung der Redaktion: Gerne würden wir EURE Meinungen und Ideen einsammeln, wie wir den Tennissport hierzulande wieder nachhaltig beleben können. Schreibt uns bitte über das folgende Kontaktformular. Die eine oder andere Idee würde wir gern aufnehmen, diskutieren und veröffentlichen. Gleiches gilt für Eure Meinungen zu diesem wichtigen Thema…

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