Thomas Heil
© Deutscher Tennis Bund

Gleich mehrere Anfragen Aktiver unterschiedlichster Altersklassen erreichten unsere »Tennisredaktion« innerhalb weniger Tage. Die Fragestellung in diesen Telefonaten war immer gleich: „Warum ist es nicht möglich, nach der Corona-bedingten Abmeldung der eigenen Mannschaft in einem anderen Team, notfalls auch in einem anderen Landesverband, auf Punktejagd zu gehen?” Selbst wenn sich die beteiligten Mannschaften und Vereine auf eine temporäre Ausleihe verständigen konnten, gab es Veto in den Landesverbänden oder seitens des Deutschen Tennis Bundes. Die Aktiven haben hierfür Null Verständnis. Sie fordern mehr Flexibilität seitens der Landesverbände und des DTB, um das Spielinteresse und den Spielbetrieb in der »Übergangssaison« aufrecht erhalten zu können und einsatzwillige Spielerinnen und Spieler nicht auszubremsen. »Tennisredaktion.de« wollte es genauer wissen und sprach hierzu mit dem Sportwart des Deutschen Tennis Bundes, Thomas Heil.

Hallo Herr Heil! Danke, dass Sie sich kurzfristig für ein Interview zur Verfügung stellen. Was sagen Sie zum uns entgegengebrachten Unmut dieser Spielerinnen und Spieler? Nun, Sie können sich sicherlich vorstellen, dass jegliche Entscheidung des Deutschen Tennis Bundes in Sachen »Neustart des Wettspielbetriebes in einer nach wie vor existierenden Pandemie« jeweils zur Hälfte mit pro oder contra beurteilt wird. Natürlich werden wir am Ende nicht Jeden davon überzeugen können, dass der vom DTB eingeschlagene Weg der einzig Richtige war. Diesen Anspruch erhebe ich auch nicht, weil es keinen Königsweg gibt. Dennoch gibt es Gründe warum wir die Meldelisten der Bundes- und Regionalligen nicht mehr zu Gunsten der Amateure öffnen.

Die da wären? Es geht nicht alleine um das Thema »Wettbewerbsverzerrung«,  obgleich diese bei nachträglicher Öffnung der Meldelisten immer gegeben ist, sondern darum, dass Spielerinnen und Spieler, die für ihre Teilnahme am Wettspielbetrieb finanzielle Zuwendung bekommen, bei Absage dieser Wettbewerbe nicht auf Amateurligen ausweichen sollen. Viele der potentiellen Gegenspieler aus den Verbands- und darunterliegenden Ligen haben aus ihrer Sicht – und damit sind wir beim Pro – kein Interesse daran, wenn sie in einer Übergangssaison, die ausschließlich dem Spaß am Mannschaftstennis dienen soll, plötzlich ausgewachsenen Profis oder Ausnahmekönnern gegenüberstehen. Dass eine Saison, bei der es weder um Auf- noch Abstieg geht, nicht die Plattform für Aktive aus den Bundes- oder Regionalligen ist, war also für unsere Entscheidung ein durchaus gewichtiger Grund.

Sie denken hier besonders an den Amateursport. Ja, denn auch am Ende der Mannschaftsmeldungen stehen Spielerinnen und Spieler, die einen Anspruch auf den Spaß am Tennis haben und dass man die Mannschaftsstruktur nicht nachträglich verändert und sie aus ihrem ohne Bundes- und Regionalligaspielerinnen und -spieler gewachsenen Team herauskatapultiert. Eine falsches Zeichen für den Amateursport.

Und was sagen Sie dem Regionalligaspieler, der übergangsweise gern in einer anderen Mannschaft spielen möchte? Die Regionalligen finden nach dem aktuellen Stand in drei Regionen statt und es war dafür Bedingung, dass nach dem geltenden Regelwerk ohne Sonderregelungen, wie beispielsweise die Öffnung der Meldelisten vom 15. März, gespielt wird. Dies als Voraussetzung für einen möglichen Aufstieg der Staffelsieger in eventuell darüber liegende Bundesligen und die Durchführung der Endrunde für die Deutschen Meisterschaften der Vereine. Wenn jetzt vereinzelte Altersklassen auf Grund des Rückzugs der Vereine nicht stattfinden, kann man dafür den DTB oder die Spielausschüsse der Regionalligen nicht verantwortlich machen und verpflichten, dafür Sorge zu tragen, dass den betroffenen Spielerinnen und Spielern eine andere Plattform in nachfolgenden Ligen ermöglicht wird. Die davon Betroffenen, sollten vielleicht auch mal das Gespräch mit den Vereinsverantwortlichen suchen und deren Gründe erfragen.

Gibt es zu dieser Problematik eine Landesverbandsübergreifende einheitliche Regelung oder regelt das jeder Landesverband für sich? Es liegt mir fern, mich in die Kompetenzen der Landesverbände einzumischen und deren Verhaltensweisen zu kritisieren. Diese sind durchaus in der Lage, ihren Wettspielbetrieb nach eigenem Recht zu organisieren. Wenn man sich dabei allerdings an der Argumentation des Deutschen Tennis Bundes orientiert, dann ist der Einsatz solcher Spielerinnen und Spieler auch auf Landesverbandsebene nicht möglich.

Manche werfen dem Deutschen Tennis Bund fehlendes Fingerspitzengfühl vor. Die besorgten Aktiven, die sich an uns wandten meinten unisono, dass besondere Ereignisse wie Corona auch besondere Maßnahmen erfordern würden. Lenken wir einmal vom Schicksal der Aktiven und Senioren ab und blicken auf die Jugend, deren Vereine sich entschieden haben, nicht am Wettspielbetrieb 2020 teilzunehmen. Auch dies geschieht in der heutigen Zeit und hat möglicherweise noch viel größere Nachwirkungen in den kommenden Jahren. Solidarität und Verständnis sind in diesen Tagen gefragt und keine »Ich AGs«. Fehlendes Fingerspitzengefühl kann man dem DTB nur dann vorwerfen, wenn man den Blick ausschließlich auf sein eigenes Problem richtet und das große Ganze aus den Augen verliert.

Für die deutschen Profis jedenfalls hat der DTB den Weg über die neu geschaffene »German Pro Series«, die gestern in Neuss und München gestartet ist, geebnet.

Ja, für den Bereich der deutschen Profispielerinnen und -spieler haben wir mit der »DTB German Pro Series« ein deutliches Signal gesetzt und hoffen, dass dem Vorbild folgend, die noch ausstehenden Preisgeldturniere für Aktive und Senioren stattfinden können. Das ist dann selbstverständlich kein Ersatz für den regulären Wettspielbetrieb, bietet aber immerhin die Möglichkeit, sich mit spielstarken Partnern zu messen und nicht auf Verbands- , Bezirks- oder gar Kreisebene ausweichen zu müssen.

Herr Heil, besten Dank für dieses ausführliche Interview. Hoffen wir, mit dem gemeinsamen Blick auf das »große Ganze«, dass der deutsche Tennissport durch die ja noch immer existierende Corona-Krise nicht allzu großen Schaden nimmt und wir sowohl im Spitzensport, als auch und vor allem an der Basis schon bald wieder ganz normale Verhältnisse vorfinden. Es wäre allen Beteiligten zu wünschen. Bleiben Sie gesund und haben Sie ein gutes Händchen bei all’ Ihren Entscheidungen.