»Davis Cup« 2019

Da flatterte gestern doch tatsächlich eine Pressemitteilung des Deutschen Tennis Bundes ins Haus, wonach der Erstrundengegner des »Davis Cup« des deutschen Teams für die Saison 2019 benannt wurde. Ungarn soll es also sein. Heimspiel. Nicht nur ich bin der Meinung, dass man diesen traditionsreichen Wettbewerb nach der durch ITF-Boss David Haggerty vorangetriebenen Revolution wohl kaum noch »Davis Cup« nennen darf. Viele Journalistenkollegen, Fans und vor allem zahlreiche Spieler sehen das ähnlich.

Sollte Deutschland das Heimspiel gegen Ungarn Anfang Februar also gewinnen, ist das Team von Kapitän Michael Kohlmann für die Endrunde im November qualifiziert – nach den ATP Finals, dem eigentlichen Abschluss einer langen Saison. Deutschlands Nummer Eins, Alexander Zverev hat vor wenigen Tagen bereits verlauten lassen, dass er im November irgendwo die Füße hoch legen, aber keinesfalls im Rahmen einer einwöchigen Endrunde im »Davis Cup« zum Racket greifen werde. Eine Entscheidung, der viele weitere Topspieler folgen werden. Der »Davis Cup«, wie wir ihn kennen und lieben gelernt haben, ist tot. Beerdigt durch Stümper Haggerty und dessen gelgeile Gefolgschaft.

Die zwei durch die Neustrukturierung dieses Teamwettbewerbes frei gewordenen Turnierwochen sollen übrigens durch neue Events gefüllt werden. Eine Veranstaltung sieht beispielsweise ein »10-Millionen-Dollar-Turnier« vor. »Majesty Cup« nennt sich das Ganze, ein 64er-Teilnehmerfeld, wo der Sieger am Ende alles abräumt und die anderen – üppige Startgelder sicher mal ausgenommen – leer ausgehen. Ein Wahnsinn, der alle Bemühungen seitens der Spielergewerkschaft, die Preisgelder gerechter und gleichmäßiger auch auf die Breite der Profis hinter den Topspielern verteilen zu wollen, torpedieren.

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

September 2018 · © Tennisredaktion.de