Das »Hier und jetzt«

Rafael Nadal
© Hasenkopf

Fra­ge an Ste­phan Medem: Ser­vus Ste­phan! In Paris sind wie­der etli­che hoch­klas­si­ge Spie­ler von den immens hohen Mau­ern Rafa­el Nadals abge­prallt. Ich hat­te das Gefühl, dass nie­mand wirk­lich dar­an geglaubt hat, ihn auf Sand schla­gen zu kön­nen, Fede­rer und Thiem ein­ge­schlos­sen. Wie kann man solch eine hohe Hür­de men­tal ange­hen? Weißt Du, wie man an Sen­sa­tio­nen im Vor­feld und wenn es drauf ankommt wirk­lich glau­ben kann?!

Ste­phan Medem: Ich glau­be ganz ehr­lich gesagt nicht, dass ein Roger Fede­rer mit sei­ner ewig lan­gen pro­fes­sio­nel­len Erfah­rung irgend ein men­ta­les Pro­blem damit habe könn­te, gegen einen Rafa­el Nadal anzu­tre­ten. Auch bei Thiem war für mich in des­sen Final-Begeg­nung in kei­ner Wei­se ein men­ta­les Pro­blem erkenn­bar. Nadal ist auf der roten Asche, gera­de in Roland Gar­ros, eine Macht. Kein Spie­ler kann ihm, immer vor­aus­ge­setzt, Nadal ist gesund und fit, wirk­lich etwas ent­ge­gen set­zen. Ich bin daher der fes­ten Über­zeu­gung, dass die Resul­ta­te schlicht­weg wegen Nadals per­fek­ter Spiel­wei­se auf die­sem Belag zu Stan­de kom­men. Aber wie sieht das nun bei unse­rer eige­nen Spie­le­rei aus? Also wenn wir gegen einen ver­meint­lich über­mäch­ti­gen Geg­ner anzu­tre­ten haben? Hier­zu fol­gen­der Denk­an­satz: Egal, ob ein Geg­ner eine bes­se­re Rang­lis­ten­po­si­ti­on, eine bes­se­re LK oder tol­le Resul­ta­te vor­zu­wei­sen hat, dies sind immer nur Indi­ka­to­ren, wie er in der »Ver­gan­gen­heit« gespielt hat. Wenn aktu­ell eine Begeg­nung ansteht, darf die »Ver­gan­gen­heit« kei­ne Rol­le spie­len. Nur das »Hier und jetzt« zählt. Mit dem Beginn einer Par­tie beginnt jede »Match-Uhr« bei Null. Was war, spielt jetzt kei­ne Rol­le mehr. Unser Geg­ner soll hier und jetzt und in die­ser Par­tie bewei­sen, was er auf dem Kas­ten hat!

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