Danke, Anna…

Von Christoph Kellermann.

Eine ganz, ganz Große hat sich gestern via Social Media von der professionellen WTA-Bühne verabschiedet: Anna-Lena Grönefeld hat ihren sofortigen Rücktritt bekannt gegeben und rein sportlich gesehen ist das natürlich super schade, denn die mittlerweile 34-jährige Nordhornerin zählt noch immer zu den absolut besten Doppelspielerinnen der Welt. Alleine 2019 konnte sie sich in Charleston (Sieg), Doha, Rom, Birmingham, Toronto und Cincinnati bei sechs hochkarätigen WTA-Tour-Events ins Finale spielen, fünf dieser Finalteilnahmen realisierte sie an der Seite ihrer diesjährigen Stammpartnerin Demi Schuurs aus den Niederlanden. Ein stimmiges Team, das es sogar ins Halbfinale der WTA-Finals geschafft hat. Für Demi war Anna ein Segen. Wie auch für jede andere Stammpartnerin, allen voran für die Tschechin Kveta Peschke, mit der sie vier ihrer insgesamt 18 WTA-Doppel-Events gewinnen konnte. Was viele Tennisfans gar nicht wissen: selbst mit Tennislegende Martina Navratilova stand Anna gemeinsam ganz oben auf dem Treppchen, 2005 beim WTA-Sieg in Montreal. Im Doppel gesellten sich auf WTA-Tour-Ebene zu den 18 Titeln sage und schreibe 25 Finalteilnahmen.

Aber auch ihren einzigen Einzel-Turniersieg 2006 im mexikanischen Acapulco (Finalsieg über die Italienerin Flavia Pennetta) und die drei weiteren Finalteilnahmen (Pattaya, Peking und Luxemburg) sowie die beiden Mixed-Erfolge auf Grand-Slam-Ebene wollen wir natürlich nicht verschweigen: 2009 gewann sie in Wimbledon an der Seite von Mark Knowles von den Bahamas und 2014 siegte Anna mit dem Niederländer Jean-Julien Rojer bei den French Open. Sowohl in Wimbledon, als auch in Paris stand sie darüber hinaus jeweils ein weiteres Mal im Endspiel. Auch das deutsche Fed-Cup-Team wird ohne Anna-Lena Grönefeld ein anderes Gesicht bekommen, war das sympathische Nordlicht als beste Doppelspielerin der Nation verständlicherweise immer gesetzt.

Ich persönlich bin ein ganz großer Fan von Anna-Lena. Zwei Mal besuchte sie schon unsere Rollstuhltennis-Initiative »BREAKCHANCE«. Einmal mit Spontanzusage angefragt und was noch viel schöner war: einmal als Überraschungsgast ungefragt. Zudem schickte sie Videogrüße zu unserem »Zehnjährigen« und auch für unsere Partner-Initiative »Aktion Kindertraum« ließ sie sich nicht zwei Mal bitten. Das ist großartig. Anna hat wohl jede Faccette in diesem Leben kennengelernt: Himmelhochjauchzend und zu Tode betrübt, großartige Triumphe und bittere Niederlagen. Sie ist ein Mensch voller Demut und mit einem ganz großen Herzen. Ich hoffe sehr, dass wir uns schon sehr bald einmal wiedersehen. Anna, für die Zeit nach dieser großartigen Tenniskarriere, sprich: das private Leben, wünsche ich Dir alles, alles Gute. Alles, was jetzt noch kommt, wird jeden Grand-Slam-Erfolg in den Schatten stellen.

Dezember 2019 · Photocredit: Jürgen Hasenkopf