Dankbarkeit und Demut

Andre Begemann, aktueller ATP-Professional, vierfacher ATP-World-Tour-Doppelsieger und ehemaliger deutscher Davis-Cup-Spieler, ist für die Waltroper Rollstuhltennis-Initiative »BREAKCHANCE« seit vielen Jahren als Botschafter im Einsatz. »Tennisredaktion.de« hat den sympathischen gebürtigen Lemgoer daheim in Königstein besucht. Im Rahmen einer Homestory ist auch das folgende Interview entstanden.

Andre, Du bist jetzt seit vielen Jahren offizieller Botschafter der Breakchance-Initiative. Soziales Engagement scheint Dir sehr wichtig zu sein… Ja, sehr wichtig sogar. Ich finde, Tennisprofi zu werden, ist ein absolutes Privileg. Tennisprofi über viele Jahre hinweg zu bleiben, ist ein noch größeres Privileg und gesund zu sein und ein tolles, unterstützendes Team um sich zu haben, ist ein noch viel größeres Privileg. So ist es für mich eine absolute Selbstverständlichkeit, regelmäßig für einen Moment inne zu halten und diese ganzen Dinge zu schätzen. Ich selbst habe auf meinem Weg immer sehr viel Hilfe bekommen und ich möchte – so oft ich kann – etwas zurückgeben. Wir sollten uns immer wieder bewusst machen, wie gut es uns eigentlich geht.

Vor drei Jahren hast Du den begehrten Breakchance-Award für herausragenden Einsatz im Sinne der Initiative überreicht bekommen. Was bedeutet Dir diese Auszeichnung? Dass ich den Award vor drei Jahren erhalten habe, war für mich eine große Überraschung. Neben mir gibt es einige aktive Unterstützer der Breakchance-Initiative. Wir alle arbeiten an diesem Projekt seit vielen Jahren. Ich bin nur ein kleiner Teil des Gesamtkonstrukts, aber das bedeutet mir und meinen eifrigen Kollegen wirklich sehr viel.

Im vergangenen Jahr hast Du beim Weihnachtstennis in Ickern einige Stunden mit jedem einzelnen Rollstuhlfahrer Tennis gespielt. Erzähl uns von Deinen Erfahrungen! Gab es an diesem ganz besonderen Tag den einen, ganz speziellen Moment? Das Breakchance-Weihnachtsevent ist in unserem Kreis zu einer besonderen Tradition geworden. Wir verbringen jedes Jahr aufs Neue einige wunderbare Stunden miteinander, spielen Tennis, speisen gemeinsam und haben auch immer intensive Gespräche. Natürlich teilen wir dabei auch traurige Momente und Ereignisse, aber das macht uns nur noch stärker. Insgesamt haben wir viel Spaß zusammen und das ist doch was zählt. Den einen, ganz besonderen Moment heraus zu picken, ist wahrscheinlich schwer bis unmöglich. Es ist für mich immer wieder bewundernswert, wie viel Lebensenergie und Mut die Rollstuhlfahrer uns immer wieder entgegen bringen. Wie sie immer wieder das Positive im Leben sehen und neue Herausforderungen ohne zu klagen annehmen.

Glück ist für Dich… Glück? Das sind für mich auf jeden Fall zwei verschiedene Dinge. Zum einen geschieht Glück meiner Meinung nach immer zu Recht, denn Glück belohnt in der Regel eine Verkettung positiver Taten. Es erscheint oft aus heiterem Himmel – meist, wenn man es gar nicht erwartet. Und doch geschieht Glück zu Recht. Die andere Art von Glück ist für mich, zufrieden zu sein mit dem, was man hat – auch wenn der Mensch dazu neigt, im Leben immer nach mehr zu streben. Glück bedeutet für mich aber auch, die Gesundheit zu schätzen zu wissen. Gerade als Profisportler. Meist wissen wir die eigene Gesundheit ja erst dann zu schätzen, wenn wir mal krank oder verletzt sind und uns durch harte Arbeit wieder mühsam zurückkämpfen müssen.

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Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Tennisredaktion.de
April 2019 · © Tennisredaktion.de