Spezialaufschläge

Frage an Jörg Linden: Sehr geehrter Herr Linden, ich spiele Seniorentennis auf Verbandsniveau und kann dort eigentlich sehr gut mithalten. Wenn ich nun noch einen ordentlichen Slice- und Kick-Aufschlag hinbekommen könnte, würde ich vermutlich noch mal einen gehörigen Schritt nach vorn machen, denn ich kann meine Gegner mit meinem Aufschlag einfach nicht aus dem Feld treiben. Meine Aufschläge kommen meist gerade und zentriert ins Feld. Die Gegner haben da im Laufe des Spiels meist leichtes Spiel, selbst wenn der erste Aufschlag ordentlich Tempo hat. Lohnt es sich, den Aufschlag auch in meinem Alter (58) noch zu erlernen und ist dies in der Do-it-Yourself-Methode überhaupt möglich?!

Jörg Linden
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Jörg Linden: Danke für Deine Frage. Die beiden Spezial-Aufschläge gehören zu den wichtigsten Schlägen im Tennis. Der Aufschlag ist der einzige Schlag, der nicht vom Gegner beeinflusst werden kann. Der Aufschläger bestimmt ganz alleine die Spielrichtung und lenkt durch die Qualität des Aufschlags den kommenden Ballwechsel. Es ist also sehr sinnvoll, dass Du Dich diesem Thema widmest. Ein guter Coach zeigt dir die wichtigsten Bausteine und Unterschiede auf. Du kannst danach sehr auch selbstständig an Deiner Performance arbeiten.

Der Unterschied der Aufschläge liegt im Tempo, im Schnitt und in der Rotation des Balles. Je nach taktischen Vorgaben setzt Du die verschiedenen Aufschläge ein. Die Unterschiede sind vor allem kurz vor dem Treffpunkt, im Treffpunkt und im Ausschwung zu erkennen. Einfach dargestellt: man stelle sich eine Uhr über seinem Kopf vor. Beim Slice schwingt mein Schläger kurz vor dem Treffen von 14 auf 10 Uhr , beim Kick von 9 auf 15 Uhr, beim »Hammeraufschlag« ist der Treffpunkt zwischen 12 und 13 Uhr. Als kleiner Tipp beim Ausschwung für den Kickaufschlag: Du wickelst Dein Handgelenk ein und lässt es kurz vor deinem Bauchnabel stoppen und automatisch bekommst Du eine bessere Schwungkurve für den Kick. Spiele alle Aufschläge mit flexiblem und biegsamem Handgelenk. Der Slice wird gerne als Variante auf der Einstand-Seite nach außen gespielt, um den Gegner aus dem Feld zu treiben. Der Kick wird gerne auf die Vorteilseite nach außen gespielt, ebenfalls um den Gegner aus dem Feld zu treiben. Der Hammeraufschlag dient dem schnellen Punktgewinn. Viel Erfolg!

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»Seitlich« vs. »offen«

Frage an Jörg Linden: Hallo Herr Linden! Stimmt es, dass Schläge aus der offenen Stellung für den Gegner gefährlicher, aber für einen selbst schwieriger zu erlernen und zu spielen sind? Ich würde gerne in mein Spiel etwas Variation rein bringen, schlage alle Grundschläge aber aus der klassisch seitlichen Stellung, so, wie es mir früher beigebracht wurde. Danke schon jetzt!

Jörg Linden: Danke für Deine Frage. Ich muss einfach einmal eine Lanze für die Biomechanik und die Entwicklung des Tennissports brechen. Das Erlernen der Vorhand oder auch anderer Schläge aus der »offenen Stellung« ist nicht nur einfacher, sondern effektiver und gesünder für unseren Körper. Die seitliche Stellung hat keinen einzigen Vorteil gegenüber der offenen Stellung, ganz im Gegenteil (außer beim kurzen Ball und dem Netzangriff). Es geht vor allem um Sportwissenschaft und die Natürlichkeit einer Bewegung. Kein Anfänger würde sich bei Vorhand oder beidhändigen Rückhand ohne Rat des Trainers seitlich stellen.

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Das Service »lesen«

Frage an Jörg Linden: Hallo Jörg! Ich habe Probleme, zu erkennen, wohin der Gegner serviert. Wie kann man lernen, einen Aufschlag zu lesen?! Vielen lieben Dank im Voraus!

Jörg Linden: Nun, es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, den Aufschlag des Gegners zu »lesen«. Man kann sehr gut am Ballwurf des Aufschlägers erkennen, welchen Drall der Ball bekommt und somit auch die Flugbahn rechtzeitig zu erkennen. 1. Wirft der Gegenspieler den Ball aus Deiner Sicht nach links, wird der Ball als Slice gespielt und der Ball wird sich nach dem Aufsprung nach rechts, weg vom Köper drehen. Meistens wird dieser Schlag auf Deiner Vorhand landen. Wirft der Gegner den Ball aus Deiner Sicht nach rechts, hat der Ball etwas Kick und tickt, ähnlich wie beim Topspin, höher und oftmals nach links weg. Dieser Ball landet meistens auf Deiner Rückhandseite. 2. Anhand der Griffhaltung kann man erkennen, was der Lieblingsschlag des Gegners ist, bzw. ob er überhaupt in der Lage ist, mit Kick zu servieren. Viele Spieler halten den Schläger im Mittel- oder Vorhandgriff, so wird der Gegner oft durch die Mitte spielen und es fällt ihm schwer, viel Schnitt zu entwickeln. 3. Eine gute Übung ist, dass Du im Treffpunkt des Aufschlägers einen Splitstep machst und gleichzeitig 1 (»Eins«) sagst. So ist gewährleistet, dass Du den Ball früh anschaust und Deine Augen stets auf dem Ball sind. 4. Oftmals hat der Gegner eine Schokoladenseite und Du kannst diese Seite gedanklich im Voraus abdecken. Die Sichtweise bei meinen Ausführungen ist übrigens die eines Rechtshänders. Viel Erfolg!

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Aufschlagvariationen

Der Aufschlag gehört nicht ohne Grund zu den wichtigsten Schlägen im Tennis, wenn er nicht sogar der Wichtigste ist. Mit dem Service hast Du die einmalige Gelegenheit, ohne direkten Einfluss durch den Gegner zu agieren. Ist der Ball erst einmal im Spiel, ist dies bekanntlich nicht mehr der Fall. Tipp Nummer Eins muss daher auf jeden Fall lauten: Ruhe bewahren, Zeit lassen und entspannt vorbereiten! Gewöhne Dir feste Rituale an! Zeitdruck liefert der anschließende Ballwechsel womöglich sowieso.

Jörg Linden
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Den ruhenden Ball nutzen!

Nutze deshalb die Chance, einen ruhenden Ball zu spielen aus und stell’ den Gegner mit Deinem Service, sprich: bei dessen Return, vor eine entsprechende Herausforderung. Dies kann mittels eines harten Kanonenaufschlags geschehen, doch Vorsicht: spielst Du immer dieselbe Variante, stellt sich der Gegner irgendwann ganz sicher darauf ein, da kannst Du noch so hart servieren. »Variation« heißt also die Zauberformel. Mal »gerade durch den Körper des Gegenübers«, mal mit »Kick« über die Mitte, mal raffiniert mit Slice nach außen. Natürlich erfordert es einige Trainings-Lektionen, um alle drei Aufschlagvariationen sicher auf die Kette zu bekommen, aber der Trainingsfleiß wird sich auszahlen.

Sei variabel!

Der Returnierer jedenfalls darf sich auf keinen Deiner Aufschläge mittelfristig einstellen können. Welche Aufschlagvariante Du wählst, hängt von verschiedenen Faktoren ab. So zum Beispiel auch von der Platzbeschaffenheit. Ein Slice-Aufschlag ist beispielsweise auf Teppichboden besonders effektiv, weil der Belag den Drall perfekt annimmt. Abschließend ein besonderer Tipp: serviere ruhig mal einen zweiten Aufschlag als Ersten! Der Gegner, der in der Regel bei Deinem ersten Aufschlag mit einem »Hammer« rechnet und demzufolge relativ weit hinter der Grundlinie stehen wird, ist sicher verdutzt, wenn es entgegen seiner Erwartung mal nicht bei ihm »einschlägt«. Dieser Überraschungseffekt wird Dir so manch’ leicht erspielten Punkt einbringen! Probiere es aus! Und vor allem: sei variabel…

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Aufschlagabsichten

Frage an Jörg Linden: Hallo Coach! Mich interessieren die taktischen Absichten und Ziele beim eigenen Aufschlag! Welche Möglichkeiten bieten sich mir und wie kann ich für die einzelnen Ziele trainieren?! Freue mich auf tolle Tipps, denn ich bin sehr trainingseifrig! Ach, ja: ich bin 22 Jahre jung und mit LK 7 eine gute Mannschaftsspielerin, die gerne weiter steil voran kommen möchte.

Jörg Linden: Die taktischen Absichten des Aufschlags liegen auf der Hand. Ich möchte mir einen Vorteil verschaffen! Je nach Fertigkeiten des Gegners und vor allem meiner technischen Fähigkeiten, bemühe ich mich, den Ball in die gewünschte Zone zu platzieren, um Nadelstiche zu setzen. Ich kann leicht reden, denn ich beherrsche jeden Aufschlag.

Mein Liebling ist mein zweiter Aufschlag, den ich zur Einstandseite mit Slice nach außen spiele, um den Gegner herauszutreiben, damit ich nach dem Return in das offen Feld spielen kann, um den Gegner laufen zu lassen. Hast Du ebenfalls einen Kick-Aufschlag für die Rückhandseite parat, gilt dasselbe taktische Muster. Quintessenz ist, den Gegner aus dem Feld zu treiben, um dann die entsprechenden Winkel mit Deinem Folgeschlag zu bespielen…

Erkennst Du eine Schwäche beim Gegenüber, spiele diese an und der Return wird Dein Freund. Es gibt es eine tolle Übung, um gegen Dich selbst zu spielen: unterteile jedes Aufschlagfeld in jeweils in drei Zonen. Du fängst auf der Einstandseite  an und hast pro Punkt gegen Dich zwei Aufschläge zur Verfügung. Triffst Du beim ersten Mal, gehst Du weiter in die nächste Zone und hast drei Aufschläge zur Verfügung. Es steht nun 15:0 für Dich. Triffst Du beim »Zweiten« in das richtige Feld steht es 15:0, aber Du hast dann weiterhin zwei Aufschläge. Triffst Du nicht, dann steht es 0:15 und Du gehst zum nächsten Feld mit zwei neuen Aufschlägen… So spielst Du jedes Feld durch und hörst nach einem Spiel auf, trinkst etwas und weiter geht es, bis der Satz vorüber ist. Gewinnst Du den Satz, bist Du ein verdammt guter Aufschläger und Du wirst Deine Gegner künftig in die »Schranken« weisen.

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