Mal »live« dabei sein

Frage an Peter Seidl: Hallo Peter! Als Experte für Rollstuhltennis hast Du doch sicherlich eine Übersicht über jene Turniere und Events, die das Jahr über auf deutschem Boden stattfinden?! Ich denke, eine solche Aufstellung wäre für viele Tennisfans interessant, damit man Rollstuhltennis regional mal live erleben kann. Gibt es seitens des DTB auch einen zentralen Standort oder eine Art Leistungszentrum, wo Rollstuhltennis leistungsmäßig gespielt und gefördert wird?! Danke für Deine Mühen und Antworten!

Peter Seidl
© Hasenkopf

Peter Seidl: Die Rollstuhltennis-Turnierlandschaft in Deutschland bietet grundsätzlich einige Events an, um mal live dabei sein zu können. Leider musste wegen Corona heuer fast alles abgesagt werden. Geplant waren die Deutschen Meisterschaften in Leverkusen sowie die ITF-Turniere German Open (ITF2, 24. bis 28. Juni in Berlin), Köln (Future, 03. bis 06. September) und die Büchlberg Open (Future, 17. bis 20. September). Für das Turnier in Büchlberg (bei Passau) haben wir noch Hoffnung, dass dieses heuer noch stattfinden wird. Für die Breitensportler war eine eigene Turnierserie geplant – mit Stationen in Bremen, Essen, Leverkusen, Lahr, Köln und Windhagen. Es gäbe also genügend Möglichkeiten, sich Rollstuhltennis als Fan hierzulande einmal live anzusehen.

In den Leistungszentren des Deutschen Tennis Bundes gibt es noch keine einheitliche Regelung, um Rollstuhltennis vor Ort zu fördern. Der deutsche Kaderspieler Toni Dittmar beispielsweise trainiert regelmäßig in der »Tennisbase Niedersachsen« in Hannover. Dort absolviert er zur Zeit auch eine Ausbildung.

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Umbau für Rollis geplant

Frage an Peter Seidl: Hallo Peter! Christoph Kellermann hat mir in unserem Gespräch gesagt, dass ich mich mal an Dich wenden darf. Wir (unser Club) überlegen, im Rahmen der LSB-Förderung unter anderem einen Allwetterplatz zu bauen, bzw. den ganz alten und kaputten Betonplatz durch einen neuen Platz zu ersetzen… In dem Zusammenhang haben wir überlegt, da der Platz alleine steht und ebenerdig zu erreichen ist (kannst mit dem Auto bis an den Platz fahren), unter anderem da mal an die Rollstuhlfahrer zu denken und eventuell Rollstuhl-Tennis in unserem Club anzubieten… Ich kenne Christoph schon sehr lange und er hat mir auch zu verstehen gegeben, das das mit dem Rollstuhl-Tennis kein Selbstläufer ist. Mir geht es jetzt darum, was müssen wir beachten bei der Antragstellung zur Bauförderung? Was wäre der optimale Belag? Wie muss eine Zuwegung sein? Müssen auch dementsprechend Sanitäranlagen für die Rollstuhlfahrer geplant werden? Es wäre schön, wenn Du mir ein paar Antworten zu meinen Fragen geben kannst. Gerne auch weitere Tipps von Dir! Ich freue mich auf Deine Rückmeldung!

Peter Seidl
© Hasenkopf

Peter Seidl: Freut mich, dass Ihr Euch Gedanken macht und Rollifahrer im Club aufnehmen wollt. Meiner Meinung nach wäre ein Allwetterplatz am besten. Erstens kann man länger in den Herbst hinein spielen, bzw. im Frühjahr eher mit dem Spiel im Freien beginnen und zweitens kann man auch bei Nieselregen spielen, ohne den Platz zu beschädigen. Der Zugang sollte entweder geteert oder gepflastert sein. Förderungen gibt es auf alle Fälle beim Bau, bzw. Umbau der sanitären Anlagen zu behindertengerechten Toiletten und Duschen. Anträge könnt Ihr beim Landes-Sportverband stellen, Zuschüsse gibt es gegebenenfalls auch von der Stadt oder Gemeinde sowie eventuell vom Behindertenverband. Selbstverständlich könnt Ihr auch über eine Spendenaktion Gelder generieren. Ein geeigneter Platz für Rollstuhlfahrer allein ist aber – wie du schon gehört hast – hast kein Selbstläufer. Um an »Rollis« zu kommen, wäre es sinnvoll, an Rehakliniken heranzugehen, Kontakte zu Rollstuhlsportvereinen aufnehmen und sich in den Verteiler der Behindertenverbände eintragen zu lassen. Außerdem solltet Ihr mehrmals im Jahr kostenlose Schnupperkurse für Rollstuhlfahrer anbieten. Ich wünsch Euch gutes Gelingen bei Eurem Vorhaben. Gerne bin ich weiter für Euch da! Gern bin ich weiter für Euch da!

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Das Spiel vorne am Netz

Frage an Peter Seidl: Hallo Peter! Ich habe eine technische Frage zum Volley im Rollstuhltennis: kann man von der Grundlinie zum Netz umgreifen und mit dem »richtigen« Volleygriff spielen oder soll man dieselbe Griffhaltung wie an der Grundlinie benutzen?

Peter Seidl
© Hasenkopf

Peter Seidl: Im Rollstuhl nimmst Du den Weg zum Netz nur, wenn Du den Gegner unter Druck gesetzt hast und er in die tiefen Winkel des Platzes fahren muss. Dann kann es durchaus dazu kommen, dass Du vorne mit dem Vorhandgriff mit dem Volley abschließt. Der Weg ans Netz muss aber klug gewählt werden, da man wenig Reichweite zur Seite hat und leicht passiert und noch leichter überlobbt werden kann. Im Rollstuhltennis ist es daher ratsam, bei einem Netzangriff gleich mit dem »approaching-shot« (Angriffsschlag) zu punkten.

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