Nichts zu beschönigen…

Frage an Marc-Kevin Goellner: Hallo Herr Goellner! Was meinen Sie als ehemaliger Weltklassespieler: wurde Novak Djokovic zu Recht von den US Open ausgeschlossen? Absicht oder her, ein Vergehen und eindeutiger Regelverstoß war es ja allemal. Ist es Ihnen in Ihrer aktiven Zeit auch mal passiert, sei es auf Ihrer oder auf der anderen Seite des Netzes?! Dass die arme Linienrichterin nun sogar Morddrohungen erhält, ist gelinde gesagt furchtbar! Wie denken Sie darüber? Und abschließende Frage: Wer gewinnt das Finale heute Abend?!

Marc-Kevin Goellner
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Marc-Kevin Goellner: Die Disqualifikation von Novak war absolut gerechtfertigt. An seinem Vergehen gibt es nichts zu beschönigen, da sind die Regeln eindeutig und es ist auch vollkommen korrekt, dass diese hier entsprechend angewendet wurden. Mir selbst wäre das bei einem Turnier in Köln übrigens auch beinahe einmal passiert! Nach vier vergebenen Matchbällen habe ich einen Ball aus Frust nach hinten geschlagen, dieser ist dann Gott sei Dank einige Zentimeter neben dem Linienrichter im Zaun eingeschlagen. In meinem Falle blieb es glücklicherweise bei einer Verwarnung wegen Unsportlichkeit. Der Stuhlschiedsrichter sagte mir damals nach dem Match, dass ich sofort disqualifiziert worden wäre, hätte der Ball den Linienrichter getroffen.

Zurück nach New York: in diesem Jahr gibt es nach Novaks Disqualifikation und dem Fernbleiben von Rafa und Roger also einen neuen Grand-Slam-Sieger. Für Deutschland wäre es unfassbar, wenn es Sascha werden würde, ich glaube aber, dass die etwas besseren Karten bei Dominic liegen. Wenn nichts Unvorhergesehenes passiert, sprich: alles normal läuft, wird Thiem gewinnen. Ich wünsche Dir und uns allen ein spannendes US-Open-Finale und drücke Sascha selbstverständlich die Daumen. Für die weitere Entwicklung des deutschen Tennissports wäre das eine ganz große Sache…

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USA? Nein danke…

Frage an Marc-Kevin Goellner: Hallo Marc! Für die US Open haben bereits reihenweise Weltklassespielerinnen und -spieler aus Angst vor der vor allem in den USA- besonders stark grassierenden Corona-Pandemie abgesagt. Wie ist Deine persönliche Meinung als ehemaliger Weltklassespieler und heutiger Spitzencoach hierzu?! Hast Du Verständnis für die Absagen oder umgekehrt: Unverständnis für diejenigen, die trotz aller Warnungen nach New York fliegen? Und zweitens: wie hoch ist der Imageverlust für ein Grand-Slam-Turnier, wenn a) nicht wie gewohnt alle Topacts am Start sind und b) vermutlich viele gar nicht nach New York reisen dürfen, obwohl sie es vielleicht wollen?! Wie hättest Du Dich persönlich entschieden?

Marc-Kevin Goellner
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Marc-Kevin Goellner: Das sind unheimlich interessante Fragen. In der jetzigen Situation, wo gerade in Amerika – insbesondere von Trump ausgehend – so getan wird, als gäbe es gar kein Corona, stehe ich der Austragung der US Open sehr kritisch gegenüber. Ich halte es auch für extrem unfair, ein Majorturnier ohne Quali, ohne dieses ganz besondere Flair und vor allem ohne Zuschauer auszurichten. Es wirkt, als wolle man die Austragung der US Open erzwingen wollen.

Die Tageswerte in den Staaten von bis zu 1.500 Corona-Toten und bis zu 60.000 Neuinfektionen in der Spitze jedenfalls sprechen gegen eine Austragung, die Zahlen alleine sprechen für sich. Noch dazu gilt New York mehr denn je als Corona-Hotspot. So ist es für jeden Menschen mit einem maximalen Risiko versehen, in dieser Zeit überhaupt nach Amerika und besonders nach New York zu reisen. Jenem Land, welches mit Corona ganz offensichtlich weltweit wohl am schlechtesten umgeht.

Und Du hast Recht: es haben schon unfassbar viele Spielerinnen und Spieler abgesagt. Vernünftigerweise. Darunter zahlreiche Profis, wie Halep, Barty, Nadal und einige mehr, die durchaus berechtigte Chancen auf einen Titelgewinn gehabt hätten. So und unter diesen Umständen sind die US Open nicht nur für mich nicht mehr das, was sie mal waren.

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Sponsoring im Alter?

Frage an Marc-Kevin Goellner: Hallo liebes Kompetenz-Team, hallo Marc-Kevin! Ich bin 54 Jahre alt, spielte in meiner Jugend von 1977 bis 1982 recht gut Tennis – ohne jemals einen Trainer gehabt zu haben. Danach war Sport für mich 33 Jahre lang nur ein Zeitvertreib mit Kumpels. Erst 2015 fing ich im Club wieder an. Ich bemühe stetig, mich zu verbessern, aktuell habe ich LK15, komme aber nicht weiter, da es an Trainingspartnern und finanziellen Mitteln fehlt, um privates Training zu finanzieren. Ich tingle so von LK-Turnier zu LK-Turnier, hin und wieder spiele ich auch bei Ranglistenturnieren mit, fliege dort aber meistens in der ersten Runde gegen weitaus bessere Spieler raus. Hin und wieder annonciere ich auch, dass ich Trainingspartner suche – mit mäßiger bis keiner Reaktion. Ich bin hochmotiviert und möchte auch weiterkommen, doch steht das Finanzielle als Bremsklotz dazwischen. Es gibt Leute, die behaupten, ich könnte so zwischen LK5 bis LK7 stehen. Auf Grundlage meiner Technik die ich mir DIYS beibrachte, spiele und gewinne auch teilweise gegen 30 Jahre jüngere Spieler. Meine Frage: Gibt es auch für motivierte Spieler wie mich, Möglichkeiten oder Sponsoring, dass ich mich im Tennis weiterentwickeln kann?

Marc-Kevin Goellner: Erst einmal möchte ich meinen Respekt vorausschicken, dass Du im Alter von 54 Jahren noch den Ehrgeiz an den Tag legst, Dich verbessern und im Ranking steigen zu wollen. Natürlich kann man sich in jedem Alter und auf jedem Spielniveau noch verbessern. Es ist selten zu früh und niemals zu spät. Trotzdem muss ich Dir wohl oder übel den Zahn ziehen, potentiell für Sponsoren oder Geldgeber interessant zu sein. Ich kann Dir nur den Tipp geben, weiter – am besten gemeinsam mit einem kompetenten Trainer – an Deinen Stärken und Schwächen zu arbeiten. Üben, üben, üben. Dass Du für ein mögliches Trainerengagement eine Gegenleistung bringen, sprich: den Coach bezahlen solltest, versteht sich von selbst. Aber ein Sponsoring oder sonstige finanzielle Förderungen halte ich auf dieser Leistungs- und vor allem Altersebene für absolut ausgeschlossen. Gleichwohl wünsche ich Dir viel Erfolg mit Deinem Tennis. Bleib am Ball und arbeite an Dir! Es lohnt sich auf jedem Level und in jedem Alter! PS: »Do it Yourself« kann man am Anfang machen, mit einem erfahrenen Coach an der Seite macht es aber ungleich mehr Spaß, weil sich auch die Erfolge sukkzessive rasch einstellen werden.

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ATP-Rente

Frage an Marc-Kevin Goellner: Hallo Herr Goellner! Es ist ja immer die Rede davon, dass es für die Profispieler eine »ATP-Rente« geben soll. Mich würde nun mal interessieren, wer Anspruch auf eine solche Rente hat, welche Voraussetzungen man erfüllen muss und wie hoch eine solche Rente ist? Wird diese Rente bis ans Lebensende gezahlt? Danke für die Mühen und viel Erfolg mit Ihrer Akademie!

Marc-Kevin Goellner
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Marc-Kevin Goellner: Danke für Deine Anfrage. Um Anspruch auf die ATP-Rente zu haben, musst Du verschiedene Kriterien erfüllen. Erstens musst Du – so war es zumindest bei mir damals – fünf Jahre lang mindestens elf Turniere pro Jahr auf der ATP-Tour spielen, um Dich überhaupt für eine mögliche Rente zu qualifizieren. Die Höhe der Rente variiert natürlich. Heute ist sicher viel mehr Geld in der Rente, als noch zu meinen Zeiten. Wenn man bei den Kollegen so nachfragt, so kann man ca. 100 Euro monatliche Rente pro voll gewerteter Saison kalkulieren. Im Schnitt liegt die Rente also bei 500 bis ca. 2.000 Euro. Ab dem Jahr, wo Du 50 Jahre alt wirst, könnte man sich die Rente auszahlen lassen. Wer es möchte, kann sich die Rente aber auch erst mit 60 auszahlen lassen. Die Rente gilt allerdings nicht ein Leben lang, sondern für maximal 20 Jahre.

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Selbstständig werden

Frage an Marc-Kevin Goellner: Hallo Herr Goellner! Ich bin Coach und betreue einige recht gute Nachwuchsspielerinnen und -spieler. Sie lassen sich von ihren Eltern oder Großeltern allesamt gern den berühmten Allerwehrtesten nachtragen. Wie kann ich diese Kids und vor allem deren Eltern und Großeltern erfolgreich davon überzeugen, dass die Kids lernen müssen, auf eigenen Beinen zu stehen und als potentieller Profis selbstständig zu werden haben?! Mir gehen die Argumente aus. Danke für Ihren professionellen Rat und toll, dass es solch ein Forum wie hier auf der Tennisredaktion gibt! Große Klasse!

Marc-Kevin Goellner: Danke zunächst für das Lob! Natürlich beobachten auch wir diese Problematik, dass die Eltern das dringende Gefühl verspüren, den Kindern die Tasche tragen zu müssen! Da hilft jedoch nur reden! Die Kinder müssen verstehen, dass sie auf und abseits des Tennisplatzes selbstständig werden müssen, um auf dem Platz eigenständig Lösungen finden zu können. Das muss man den Kindern und Nachwuchsspielerinnen und -spielern leider immer wieder neu erklären. Damit kämpfen auch wir. Tipp: Wenn ich sehe, dass die Eltern sich die Tasche ihrer Kinder schnappen, frage ich dann immer gern, ob sie meine vielleicht auch noch nehmen könnten und auch den Platz noch abziehen würden. Dieser Sarkasmus hilft dann für den Moment oft. Eins ist aber doch klar: wenn man im Tennis erfolgreich werden möchte, muss man auch im Leben selbstständig sein.

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