Aus Fehlern lernen

Frage an Stephan Medem: Ich betreue meine Tochter auf ihrem Weg zu ihrem großen Ziel, Tennisprofi zu werden! Sie ist sehr ehrgeizig und macht sich prima, verzeiht sich aber absolut keine Fehler. Ich spreche hier noch nicht mal von Niederlagen, sondern von einzelnen verlorenen Ballwechseln, die sie stets total herunterziehen. Wie schaffe ich es, ihre Ansprüche herunterzuschrauben?

Stephan Medem: Ich finde es zunächst einmal toll, dass Du es Deiner Tochter ermöglichst, ihren Traum vom »Tennisprofessional« zu leben! Chapeau! Wie lange spielt sie schon Tennis? Anscheinend noch nicht sehr lange! Ansonsten müsste sie ja eigentlich begriffen haben, dass Fehler zum Tennis gehören wie Aufschläge, Volleys oder Topspins. Sie sind ein nicht wegzudenkender Bestandteil des Tennissports und begleiten jeden Spieler, ob nun Deine Tochter, Serena Williams oder Roger Federer. Der große Unterschied ist nun, dass es die Top-Spieler gelernt haben, mit ihren Fehlern zu leben. Sie haben des Weiteren nicht nur gelernt, mit ihren Fehlern zu leben, sondern auch, aus ihren Fehlern zu lernen und diese als Fundament für Verbesserung zu sehen. Also nicht als etwas Negatives, sondern ganz im Gegenteil, als etwas absolut Positives. Nur wer Fehler macht, kann etwas lernen und sich wirklich entwickeln. Die Grundlabe eines jeden Fortschrittes, jeglicher Evolution oder jeder Entwicklung beruht auf Fehlern! Bitte verzeihe mir meine Offenheit, aber ich muss vermuten, dass auch Du selbst diese Erkenntnis noch nicht erlangt hast, ansonsten würde Deine Tochter sicherlich auch mit ihren Fehlern umgehen können.

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Wenn’s drauf an kommt…

Frage an Stephan Medem: Ich hinke in meiner Fördergruppe (Bezirk U18) ein wenig hinterher. Obwohl ich laut Trainergutachten über eine bessere Technik verfüge als meine Mitstreiter und ich auch körperlich in einer sehr guten Verfassung bin, kann ich im direkten Duell mit ihnen nicht mithalten. Immer wenn es drauf ankommt, sagen wir beim Stande von 4:4 oder 5:5 falle ich in ein Loch. Im Training, wie auch im Turnier. Die einfachsten Dinge gelingen dann nicht mehr. Ich hoffe, Sie können mir helfen, obwohl Sie mich noch nie haben spielen sehen. Gerade jetzt, wo keine Wettkämpfe stattfinden, möchte ich gern an mir arbeiten, um da zu sein, wenn es wieder los geht…

Stephan Medem: Pauschal lässt sich Deine Frage mit Sicherheit nicht beantworten. Jeder Spieler reagiert in Stress-Situationen anders, beziehungsweise hat andere Träger, welche das »Versagen« bei engen Spielständen, wie von Dir geschildert, auslösen. Gehörst Du eher zu den Spielertypen, die in diesen Situationen eher defensiv werden und sich nichts mehr zutrauen? Also ihren Gegnern die Initiative überlassen und einfach nur hoffen, den Satz oder das Match aufgrund gegnerischer Fehler gewinnen? Passiv werden? Oder gehörst Du vielleicht eher in die Kategorie jener Spieler, die in Schlüsselsituationen überreagieren? Etwas zu viel Risiko fahren und dadurch knapp vor einem möglichen Sieg zu viele Fehler produzieren? Unabhängig davon könntest Du Folgendes einmal an testen…

Erstens: Wenn Du in nächster Zeit Trainingsmatches spielst, beginne doch jeden Satz schon beim Spielstand von 2:2 oder sogar 3:3 – in Absprache mit Deinen Trainingspartnern. Dadurch wirst Du mit großer Regelmäßigkeit mit diesen satzentscheidenden Situationen konfrontiert. Du gewöhnst dich daran und durch diese Routine verlierst Du natürlich die Angst.

Zweitens: Ändere Deine Grundeinstellung zu den engen Spielständen. Meistens dominiert uns in dieser Situation das Gefühl der Angst. Der Angst zu verlieren! Ersetze dieses Gefühl durch Mut und Tatendrang! Selbstgespräche helfen Dir dabei: „Ich freue mich darauf, dass es jetzt richtig spannend wird!“ – „Endlich geht es jetzt richtig zur Sache!“ – „So, jetzt lege ich mich richtig ins Zeug!“ – und so weiter. Spannung ist schließlich das »Salz in der Suppe«. Nicht nur in den Büchern, die wir lesen oder in den Filmen, die wir schauen…. sondern auch und ganz besonders in der »Suppe unseres Tennislebens«.

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Zielsetzung

Der ist doch völlig planlos!” – „Dem fehlt doch jegliche Orientierung!” – „Wo soll das nur enden?” – dies alles sind Aussagen, die Du niemals mit mental starken Persönlichkeiten in Zusammenhang bringen wirst. Das Festlegen von Zielen ist eine elementar wichtige Grundvoraussetzung für erfolgreiches Handeln…

Du brauchst einen Plan!

„Wo will ich hin?” – „Was will ich kurzfristig an meinen Schlägen verbessern?” – „Was kann ich an meiner konditionellen Verfassung optimieren?” – „Wie werde ich mental tougher und gewinne die so genannten Big-Points?” – Gerade in diesen Tagen ist der Zeitpunkt optimal, um sich mit dem Thema »Zieldefinition« zu beschäftigen. Wichtig: macht nicht den Fehler, wie die meisten »Otto Normalos« mit tollen Vorsätzen wie „keine Zigaretten mehr” oder „keinen Alkohol mehr”. Auch „mehr Sport treiben” ist kein wirkliches Ziel. Alles zum Scheitern verurteilt. Du brauchst einen wirklichen Plan!

Nimm den Coach mit an Bord!

Nimm Dir die Zeit und setze Dich vielleicht auch einfach mal mit Deinem Trainer zusammen. „Wo will ich hin mit meinem Tennis?” Bei einem ambitionierten Jugendspieler könnte die Antwort „…nach Wimbledon” lauten, der Freizeitspieler gibt vielleicht „LK 12″ vor! Versuche, Dein Fernziel in Teilziele zu unterteilen. Diese wiederum nochmals in kleine, überschaubare Portionen. Versuche möglichst systematisch zu sein und schaffe Punkte, an denen Du Deinen Fortschritt kontrollieren kannst. Genauso, wie bei einem Bergsteiger, der das Ziel hat, einen Achttausender zu erklimmen. Er muss eine feste Route im Kopf haben, seine Stopps planen, Etappen richtig portionieren, Alternativen vorbereiten, Zeitvorgaben bestimmen und vieles mehr. Trotzdem findet alles in kleinen, wohl überlegten Schritten statt. Und alles beginnt mit dem ersten Schritt! Also Freaks, setzt Euch vor ein leeres Stück Papier und macht einen Plan. Euren ganz persönlichen Gameplan! Rock`n`Roll, Steph!

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