Brief an Rafael Nadal

Von Christoph Kellermann.


Lieber Rafael.

Eine Deiner Lieblingsvokabeln müsste in diesen Tagen das Wort »Undécima« sein. Zunächst hast Du im »Monte Carlo Country Club« Deinen elften Masterstitel geholt, um dann in Barcelona ebenfalls mit Deinem elften Coup noch einen drauf zu setzen. Du Sandplatzgott. Du fantastischer Kämpfer. Elf Mal bei ein und demselben Turnier zu gewinnen, das kann kein anderer Spieler in der Geschichte des Tennissports vorweisen. Dass Dir das innerhalb von nur zwei Wochen gleich zwei Mal gelingt, ist umso unfassbarer.

Alle Welt wartet nun darauf, dass Du auch in Paris Deinen elften Siegerpokal einfährst. Ganz ehrlich: wer zweifelt daran? Die Konkurrenz ist stark, doch Du bist Rafa. Der schier unbezwingbare Herrscher auf der roten Asche. Jüngst hast Du leise angedeutet, dass man Deine unglaublichen Leistungen nicht mehr ewig wird bestaunen können. Du selbst wirst Dein Karriereende sicher schon etwas präziser geplant haben. Bis dahin aber wirst Du weiter alles daran setzen, nichts und niemanden in Deine eigene Welt auf dem von der Konkurrenz gleichermaßen geliebten wie gehassten Sand zu lassen. Für das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres wirst Du einmal mehr der Gejagte sein. Wer schafft es, Dir einen oder gar zwei Sätze abzunehmen? Dass Dich jemand im »Bois de Boulogne« auf dem Weg zu Deinem 17. Major-Titel stoppt, halte ich für schlicht unmöglich. Und weißt Du was? Ich gönne Dir diesen Triumph – ohne »Wenn« und »Aber«…

Liebe Grüße, Christoph


Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

Mai 2018 · © tennisredaktion.de

Brief an Alexander Zverev

Von Christoph Kellermann.


Lieber Sascha.

Du hast ohne jeden Zweifel ein fantastisches Tennisjahr gespielt. Vor allem Deine Turniererfolge in Montreal und Rom haben für Aufsehen gesorgt. Zwei Masters-Siege in 2017 sind Weltklasse. Noch dazu gegen Finalgegner wie Novak Djokovic und Roger Federer – wahrlich keine Laufkundschaft. Dass Du mit Deinen 20 Lenzen selbstverständlich noch nicht zu den ganz Großen der Zunft gehörst, haben wir temporär im Laufe der Saison, spätestens aber bei den »ATP Finals« in dieser Woche in London gesehen. Dass Du mit Rang Drei im weltweiten Ranking aktuell deutlich überbewertet bist, weißt Du selber. Die Verletzungen der Konkurrenz haben dies möglich gemacht, nicht Deine beiden Masterssiege. Alexander, ich stelle mir das gewiss nicht leicht vor, auf dem Teppich zu bleiben, wenn man von allen Seiten bereits als Superstar gefeiert und derart gehyped wird. Wenn alle Welt nur darauf wartet, dass Du endlich ein Major-Event gewinnst. Schließlich hat Boris das schon im Alter von 17 Jahren erledigt. Dass Du endlich die Nummer Eins wirst. Das war Boris schließlich auch. Das ist doch, was jeder von Dir erwartet. Du von Dir im Innern sicher auch schon.

Der Davis-Cup-Einsatz in Portugal an der Seite Deiner Kameraden hätte Dir in der Entwicklung sicherlich weitergeholfen, als die Teilnahme in der »Manege« des Rod-Laver-Cup-Zirkus` in Prag. Du sagtest, dass Dein Team um Dich herum die Entscheidungen rund um den Davis- und Laver-Cup getroffen habe und Du sehr gern für Deutschland in die Relegation gegangen wärst. Vielleicht solltest Du öfter auf Deine innere Stimme hören. Auch in engen Match-Situationen bei den ganz großen Matches. Da, wo Du in London reihenweise Doppelfehler serviert hast, fackelte Boris dem Gegner Asse um die Ohren. Mit dem Zweiten. Du brauchst auch nicht nach jedem gewonnenen Punkt viereinhalb Sekunden lang Deine Faust Richtung »Spielerbox« in die Höhe zu strecken. Das törnt uns Zuschauer ab und wird Dich nicht selbstständiger machen. Man hat manchmal das Gefühl, Du wärst ein »Gefangener des Zverev-Clans«. Mach Dich frei, so Du kannst und darfst. Du bist ein aufgewecktes Kerlchen. Und mündig. Du kannst noch sehr viel erreichen.

Ich wünsche es Dir von ganzem Herzen.

Liebe Grüße, Christoph


Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

November 2017 · © tennisredaktion.de

Brief an Boris Becker

Von Christoph Kellermann.


Lieber Boris.

In diesen Tagen sollten die Schlagzeilen eigentlich Julia Görges gehören, jener Spielerin, die die heftig angekratzke Ehre des deutschen Damentenis mit einer beeindruckenden Serie von neun Siegen und den Turniererfolgen in Moskau und bei der »WTA Elite Trophy«, der so genannten »B-Weltmeisterschaft«, auf der Zielgerade im Alleingang rettete. Und die Aufmerksamkeit der kommenden Woche sollte Alexander Zverev gehören, der sich als 20-Jähriger nach einem unfassbaren Karrierejahr für die »ATP Finals« in London, dem Shootout der besten acht Spieler der abgelaufenen Saison, qualifizieren konnte. Stattdessen brichst Du unter dem BILD-Titel »Die große Boris-Abrechnung« nun zum denkbar ungünstigsten Zeitpunkt Dein Schweigen, was Deine unseligen Finanzen angeht, wohlwissend, dass Du dadurch einmal mehr sämtliche Schlagzeilen aller einschlägigen Fach- und Boulevardmedien gekonnt für Dich vereinst.

Noch dazu sitzt Du zeitgleich wie ein Haufen Elend an einem Pokertisch in Tschechien und zockst um ein paar Millionen Dollar. Wow! Der »Head of Men`s Tennis« bei der Arbeit. Was bist Du doch für ein Vorbild! Der Deutsche Tennis Bund kommuniziert Stolz ob seiner Verpflichtung. Ich sage: Wenn wir eins in Deutschland irgendwie nicht gebrauchen können, dann wohl eine mittlerweile ähnlich jämmerliche Gallionsfigur wie Dich. Deine früheren sportlichen Meriten in allen Ehren.

Liebe Grüße, Christoph


Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

November 2017 · © tennisredaktion.de

Brief an Angelique Kerber

Von Christoph Kellermann.


Liebe Angelique.

Du warst vor Deinem Traumjahr 2016 eine tolle Frau und Du bist es auch heute noch. Super sympathisch, zurückhaltend, bescheiden, leise – im Triumph genauso wie in der Niederlage. Und von denen hast Du ja bekanntlich in diesem Jahr bereits eine ganze Menge einstecken müssen. Gegen Spielerinnen, die Du als Nummer Eins der Welt eigentlich schlagen müsstest. Hin und wieder zumindest. Für Deine sportlichen Leistungen in diesem Jahr gab und gibt es ebenso viel berechtigte wie unberechtigte Kritik und auch einige hämische User- und Fan-Kommentare im Netz. Natürlich ist dies nicht immer fair. Aber: Mit dem heutigen 2:6, 2:6 gegen Makarova in Runde Eins der French Open musst Du jetzt wirklich den »Masterschalter« suchen und finden. Der nicht selten von außen geforderte Radikalschlag in Deinem Team à la Djokovic ist hierbei – zumindest zum aktuellen Zeitpunkt – sicher nicht ratsam. Menschen wie Freund und Coach Torben Beltz oder Manager Aljoscha Thron und viele andere in Deinem Umfeld sind voll auf Deiner Seite und haben Dir schließlich geholfen, die Nummer Eins zu werden. Auch bezweifle ich, dass Dir die eine oder andere »Audienz« bei Steffi Graf, so, wie es Boris Becker heute eindringlich empfahl, entscheidend weiter hilft. Ergänzend solltest Du aber mal andere Top-Coaches auf Dich schauen lassen. Manchmal sind es Nuancen. Manchmal wird der Stammcoach betriebsblind. Ein »Dritter« schaut und sieht vielleicht ad hoc etwas, was vorher niemand sah. Du weißt sicher sehr genau, worauf ich hinaus will: wenn nur einer dabei ist, der Dir den entscheidenden Tipp für einen gescheiten Aufschlag gibt, bist Du schon sehr bald wieder auf der Siegerstraße.

Du wirkst schlank und fit, Biss hast Du sowieso wie kaum eine Zweite auf der Tour, was fehlt ist aber eine »echte Waffe«. Im letzten Jahr war es Deine Unbekümmertheit, die Dich den berühmten Teppich von hinten aufrollen ließ. Damit hast Du viele Spielerinnen von Grund auf überrascht. Hast Dich nach und nach in einen regelrechten Rausch gespielt. Konntest Deine Aufschlagschwäche kompensieren. Nun aber hat sich die Konkurrenz längst auf Dich eingestellt. Ich sehe bis dato nicht, dass Du Deine Konkurrentinnen auch in diesem Jahr irgendwie überraschen könntest. Ich sehe keine Weiterentwicklung. Du stagnierst. Das ist gefährlich. Hol Dir temporär doch mal jemanden ins Team, der Torben unterstützt. Wie Du braucht auch er – nachdem Ihr gemeinsam den Gipfel erklimmen konntet – immer wieder neue Impulse. Allein ein zuverlässiger starker Aufschlag würde Dein Spiel genauso wie Dein Selbstvertrauen wieder in die richtige Richtung kippen lassen.

Ich wünsche es Dir so sehr.

Liebe Grüße, Christoph


Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

Mai 2017 · © tennisredaktion.de

Brief an den DTB

Von Christoph Kellermann.


Lieber Deutscher Tennis Bund.

Du kotzt mich mittlerweile einfach nur noch an. Turnierteilnehmergebühren hier, Turnierveranstalterentgelte dort, dann verbandseigene Zwangsbälle und nun kommst Du auch noch mit dieser extrem fragwürdigen Idee des »Online-Campus« um die Ecke. Selbstverständlich zahlungsverpflichtend für alle Übungsleiter und Trainer, die ihre Lizenz erhalten möchten. Innovativ willst Du sein. Hip. Produktiv und schöpferisch in Deinem Tun. Bist Du alles nicht. Alles, was Du verzapfst, stinkt irgendwie pervers zum Himmel. Und das Schlimmste ist: Du weißt es auch! Es ist Dir aber ziemlich scheißegal. Hauptsache der Rubel rollt. Skrupel oder schlechtes Gewissen? Fehlanzeige.

Alle paar Tage kommst Du per »Order di Mufti« mit vollendeten Tatsachen um die Ecke. Stolz wie Oskar natürlich. Is klar. Bestimmt feierst Du Dich für den gewaltigen Scheiß, den Du uns, dem deutschen Tennisvolk, regelmäßig präsentierst, selbst gewaltig ab. Ebenfalls auf unsere Kosten natürlich. Auch das ist klar. Aktuelles Motto: »Schampus auf den Online-Campus!« Am besten schon nächstes Weekend beim Fed Cup, wo Du Dich wieder mit Deinem überflüssig aufgeblähten Personalstab wie die Maden durch den Speck arbeiten wirst. Freuen wir uns auf noch mehr Fressteller bei Facebook, selbstverherrlichende Kommentare alter und ausrangierter »Ehrengäste« inklusive.

Ich bin mir nicht sicher, ob Du mit dieser Art, Dich als Verband zu präsentieren, im Sinne des deutschen Tennissport handelst. Ich bezweifle es sogar stark. Deine Macht scheint unbeschränkt. All Deine fragwürdigen Entscheidungen dienen angeblich höheren Zielen oder gar dem Fortschritt. Wer`s glaubt. Aktuell erschließt Du fast monatlich neue Geldquellen. Immer auf dem Rücken Deiner Mitglieder. Dein eigener Wanst wird immer fetter, die wenigen Partner des DTB – wie Wilson, Tennis-Point oder jetzt Tennisgate – werden mit Monopolperspektiven bei Laune gehalten.

Geschröpft werden wie immer die, ohne die Du gar nicht existieren würdest: Deine Vereine, Deine Turnierveranstalter, Deine Aktiven und nun also auch Deine vielen Übungsleiter und Trainer, die von Landesverbandsseite ohnehin schon heftig zur Kasse gebeten werden, um ihre Lizenzen nicht zu verlieren. Was die Trainer dort für viel Kohle bekommen, sind noch dazu oft unqualifizierte und meist wenig förderliche Fortbildungsseminare in den so genannten »Leistungszentren«. Das aber nur nebenbei bemerkt. Nun also kommt – einmal mehr als Diktat von oben – der »Online-Campus«, jährliche Pflichtgebühren inklusive, egal, ob sich der Trainer für die dortigen Videoclips interessiert oder nicht.

Ich selbst habe meine C-Lizenz 1988 und meine B-Lizenz 1990 erworben. Regelmäßige Fortbildungen in den Landesverbänden verpflichtend zu besuchen, finde ich grundsätzlich gut. Das habe ich bei Lizenzerwerb ja auch so akzeptiert. Wann und wo aber wurde beispielsweise mit mir vereinbart, dass man mich der Lizenz berauben würde, wenn ich mich 29, bzw. 27 Jahre später NICHT zusätzlich zu den Fortbildungen im Verband auch noch für einen Dienst namens »Online-Campus« anmelde?! Irgendwie kaum rechtens, zumindest jedoch höchst fragwürdig, ganz sicher aber nicht zu Ende gedacht. Wie so oft bei Dir. Ach was: wie eigentlich immer..

Liebe Grüße, Christoph


Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

April 2017 · © tennisredaktion.de