»BORKUM-OPEN«-Interview

Gott sei Dank, nun also doch: die »BORKUM OPEN 2020« finden statt! Turnierboss Christoph Damaske hat in Zeiten von Corona heldenhaft für die 109. Auflage des prominentesten und größten Bäderturniers gekämpft und nun vom örtlichen Ordnungsamt sowie vom Bürgermeister höchstpersönlich grünes Licht für die Austragung bekommen – die Einhaltung eines umfangreichen Sicherheits- und Hygienekonzepts vorausgesetzt, wie sich in diesen Tagen versteht. Das diesjährige Motto lautet: »Tennis: Mit ABSTAND am besten!« Tennis-Enthusiast Christoph Damaske, in der Szene auch bekannt als international erfahrener Schiedsrichter, stand der Tennisredaktion zwei Wochen vor Turnierstart für ein Interview zur Verfügung.

BORKUM OPEN
© Hasenkopf

Christoph, Du bietest der harten Coronazeit die Stirn und richtest vom 29. Juli bis zum 8. August das über die Grenzen hinaus bekannte und beliebte Bäderturnier, die »Borkum Open« aus. Wie viele Mühen hat es Dich gekostet, die Austragung unter den aktuellen Bedingungen, die für einen Turnierveranstalter kaum härter sein könnten, zu sichern?

Christoph Damaske: Um ganz ehrlich zu sein, gibt es in meinem Umfeld zwei Sichtweisen. Die Einen raten mir, dass Turnier in diesen Zeiten abzusagen und mich nicht in die mögliche Risiko-Rolle zu begeben bezüglich berechtigter Gesundheits-Gefahren und finanziellem Schaden. Auf der anderen Seite bin ich seit Anfang/Mitte Juni auf der DTB German Pro Series als Schiedsrichter im Einsatz und seit Mitte Mai als B-Trainer beim TC Rot-Weiß Troisdorf tätig und sehe, wie verantwortungsvoll die Mitglieder, die Spieler und der DTB mit Ihren Hygiene-Konzepten umgehen. Zuletzt durften dort 100 Zuschauer die Turnier-Spiele verfolgen. Das hat mich motiviert, unser Hygiene-Konzept »Tennis: Mit ABSTAND am besten!“ in Anlehnung an die DTB/TNB-Vorgaben dem Ordnungsamt der Stadt Borkum und der Nordseeheilbad GmbH vorzulegen. Letzten Mittwoch gab es grünes Licht vom Ordnungsamt, zudem hat mich der neue Bürgermeister Jürgen Akkermann im persönlichen Gespräch sehr unterstützt und mir Mut gemacht. Er sieht darin auch eine Chance, schließlich hat Borkum nach zweieinhalb Monaten des Lockdowns der ostfriesischen Inseln in diesem Sommer unglaublich hohe Einnahmeverluste in der gesamten Tourismuskette – vom Fährunternehmen über die Hotels und Ferienwohnungen bis hin zur Gastronomie zu verzeichnen.

Die »Borkum Open« konnten in der Vergangenheit immer auf einen großen Sponsorenpool zurückgreifen, vorrangig auf Geschäfte und Unternehmen auf der Insel. Corona hat hier bundesweit einiges ins Ungleichgewicht gebracht, zudem war der Tourismus über eine extrem lange Zeit vor Ort gleich Null. Gelingt es Dir dennoch, genügend finanzielle Unterstützung für die diesjährige Auflage zu generieren?!

Christoph Damaske: Dieses Jahr ist für mich Vieles noch herausfordernder. Die wirtschaftlichen Engpässe auf der Insel sind teilweise dramatisch, so dass ich erstmals eine hohe Miete für die elf Turniertage auf der Anlage zahlen muss. So sehr das auch das Turnierbudget belastet, so groß muss von mir und den Teilnehmern das Verständnis sein für die Lage vor Ort, bedingt durch die massiven Umsatzeinbußen im Millionen-Bereich für den Tourismus. Wenn wir dieses Jahr etwas zurückgeben können und wir elf wunderbare Turniertage gemeinsam auf der schönsten deutschen Inseltennisanlage verbringen können – bei hoffentlich fantastischem Wetter – ist das ein Extra-Ansporn für die Folgejahre. Auf der Insel wird das Engagement wertgeschätzt, zumal es außer den Beachvolleyball-Turnieren und unseren Borkum Open keine größeren Veranstaltungen geben wird. Viele langjährige Partner haben mich gebeten, es daher bitte zu versuchen. Sie würden sich sehr freuen, wenn die Ausrichtung realisiert werden könnte, um den Touristen ein Sommer-Highlight bieten zu können. Verständlicher Weise bin ich in diesem Jahr daher auf Hilfe externer Sponsoren angewiesen, die sich auf Borkum positionieren und etwas zurückgeben möchten und die gute Geschäfte auf der Insel machen oder gemacht haben. Das ist unser diesjähriger Ansatz. Aber besonders dankbar bin ich allen Borkumer Unternehmen und Gastronomen, die uns trotz harter Monate weiterhin unterstützen. Die Touristik-Branche hat es bekanntlich besonders schwer getroffen. Ob es zur schwarzen Null reichen wird, sehen wir dann am Ende des Turniers.

BORKUM OPEN
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109 Jahre Bäderturnier. Was für eine Tradition. Nun erzähl unseren Lesern doch mal, wie lange Du selbst schon mit dabei bist und wann Du die Turnierdirektion übernommen hast.

Christoph Damaske: Ab 1899 wurde das Turnier zwölf Jahre auf dem Ebbesand ausgetragen, bis 1911 die heutige Tennisanlage eröffnet wurde. Selbst wurde ich als junger Tennisspieler von Jürgen Kentrup von der IG Tennis in Münster Ende der 80er-Jahre auf das Turnier auf Borkum aufmerksam gemacht. Meinen Eltern war es damals egal, auf welcher Insel sie sich erholen konnten und haben dann dem Wunsch meiner Schwestern und mir entsprochen, den Sommerurlaub einmal um das Bäderturnier zu legen. Dann war es Liebe auf den ersten Blick.

Wie alt warst Du damals?

Christoph Damaske: Ich war damals 14, wir spielten die Junioren-Konkurrenz im Einzel, Doppel und Mixed und gingen mit allen gemeinsam jeden Tag um 14.30 Uhr zum Strandfußball ans Meer. Legendäre Beachball-Matches wurden damals am Hauptstrand ausgetragen. Später gelangen mir dann Finalteilnahmen im Herren-B und ein Doppeltitel mit Christian Valenthon. Wir hatten unvergessliche Sommer-Momente und trafen uns mit den befreundeten Teilnehmern aus ganz Nordrhein-Westfalen auch privat. Leider war mit dem Ende des Graf-Becker-Stich-Booms 1998 auch Schluss mit den Borkum Open. Der Kurdirektor wechselte, das Turnierteam war altersmüde und es gab keine Nachfolge. Wir waren daher auch nur noch selten auf der Insel. Der letzte Wunsch meines Vaters war es, sich nach seinem Tod 2003 auf Borkum Seebestatten zu lassen, denn auch er hatte die Insel durch die Sommerurlaube ins Herz geschlossen und wollte zurück ins Meer. Tranquillus mediis in undis – ruhig in mitten der Wogen – Borkums Wappen-Insignien.

BORKUM OPEN
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Und wie kam es zum Turniercomeback?

Christoph Damaske: Anlässlich des 60. Geburtstags meiner Mutter sind wir dann als Familie zwei Wochen nach Borkum in den Urlaub gefahren. Bei einem Tennismatch mit den Herren 40 kamen wir auf das Turnier zu sprechen und wie traurig es ist, diese tolle Inseltennisanlage in der Hauptsaison derart verwaist zu sehen. Das kannten wir ja nicht durch unsere früheren Turniererfahrungen. Nach dem dritten Weizen auf nüchternen Magen und nach einer Runde Tennis hatten mich die Borkumer dann überredet, mir doch einmal Gedanken zu machen, ob ich das Turnier mit meinen Kontakten in der deutschen Tennisszene nach 13-jähriger Turnierpause nicht wiederbeleben möchte…

Und schon begannen die Gedankenspiele…

Christoph Damaske: Ja! Nach zwei schlaflosen Nächten und einigen Excel-Tabellen mit Budgetplanungen und zahlreichen Telefonaten mit dem DTB war ich dann angefixt. Mir wurde ein Schriftsatz von Gerhard Schröder zugespielt, wonach er einen Preis stiften würde, falls sich jemand für die Wiederbelebung findet. Das war eine weitere Motivationsspritze. Es folgte ein Turnierkonzept, sieben Besuche im Winter, um den Borkumern die Idee schmackhaft zu machen, ein Leuchtturm-Trickshot-Video auf Youtube und die Bitte der Borkumer Wirtschaft, keinen Einmalschuss zu machen, sondern das Turnier wieder langfristig auf der Insel zu etablieren. Unser Konzept haben wir dann den Teilnehmerwünschen angepasst…

BORKUM OPEN
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Welche Wünsche gab es umzusetzen?

Christoph Damaske: Nun, Trainer hatten sich beispielsweise gewünscht, zwei Jugendturniere über sieben Tage auszurichten, damit sich die Turnierreise noch mehr lohnt. Die Profis wollten wegen der Bundesliga-Verpflichtungen am liebsten von Montag bis Donnerstag spielen. Außerdem konnten wir auf diese Weise mit unseren gut besuchten Finalspielen am Donnerstag den Beachvolleyball-Turnieren aus dem Weg gehen. Und die Senioren wollten gerne in der ersten Woche von Mittwoch bis Sonntag spielen, um dann den Aktiven entspannt bei den »Matches of the Day« ab 18 Uhr zuschauen zu können und tagsüber mit den Familien den Strand zu genießen. So sind wir jetzt seit unserem Urlaub im Jahre 2010 seit 2011 in der Turnier-Verantwortung. Wir lernen jedes Jahr dazu und möchten die Borkum Open verständlicherweise nur äußerst ungerne ausfallen lassen.

Corona ist ja nicht nur für Dich als Veranstalter eine enorme Herausforderung, sondern auch für die Teilnehmer. Mit wie vielen Teilnehmern rechnest Du bei dieser ganz besonderen Auflage in diesem Jahr?

Christoph Damaske: In den letzten beiden Jahren hatten wir Rekordteilnahme-Zahlen, letztes Jahr 229 Meldungen in allen Konkurrenzen. Die Spielpläne waren proppenvoll von 9 bis 21.30 Uhr. Es ist davon auszugehen, dass es in einigen Konkurrenzen weniger Teilnehmer geben wird. Dazu zählen aber nicht die Damen und Herren A, die schon seit Wochen anrufen, ebenso wie die Stammteilnehmer der »Borkum SENIOR Open«, die im Vorjahr immer die Ferienwohnungen um das Turnier herum buchen. Die Motivation von Seiten der Teilnehmer war übrigens riesig. Sie haben mir angeboten, doppeltes Startgeld zu zahlen, um auszuhelfen, dass ich das Turnier gestemmt bekomme, einfach nur toll. Das hat natürlich auch mit der Absage von vielen Turnieren in diesem Jahr zu tun. Die Teilnehmer möchten spielen, und zwar Turniere. Das Corona-Konzept lässt sich mit Wegweisern, Newsletter-Infos, Sitzplatzkonzepten und Umkleideraumbeschränkungen auf maximal zwei bis drei Personen auf einmal gut umsetzen auf der weitläufigen Borkumer Tennisanlage. Ich appelliere da natürlich an alle Teilnehmer, den Mindestabstand und die Gastronomie-Anforderungen der »Tennisinsel Il Faro« einzuhalten, im Sinne einer respektvollen, harmonischen Veranstaltung. Ein großer Engpass für das Teilnehmerfeld werden in diesem Sommer noch mehr als sonst die Unterbringungsmöglichkeiten sein, denn durch den Wegfall der Flugreisen für viele Urlauber im Sommer sind die ostfriesischen Inseln noch begehrter, als ohnehin schon. Desweiteren dürfen einige Unterkünfte nicht alle Betten vermieten, wegen der Anzahl der Gemeinschafts-Bäder, wie zum Beispiel die Jugendherberge, die die Krise besonders hart trifft und momentan ums Überleben kämpft. Aber die letzten Jahre sind wir durch unser mittlerweile hervorragendes Netzwerk auf der Insel immer noch fündig geworden, sei es beispielsweise in einer Turnhalle zum Campen mit Frühstück oder im Sporthotel Bloemfontein.

Beim Blick auf die Ausschreibung fällt auf: das Teilnehmerfeld könnte breiter nicht gestreut sein. Vom Kleinfeldtennis der U8 über den Damen- und Herren-Leistungssport bis hin zu den Seniorinnen und Senioren der Altersklasse Ü70 wird nun wirklich jede Altersklasse angesprochen. Ist es ausschließlich diese enorme Breite und Vielfalt oder gibt es weitere Gründe für die Beliebtheit Deiner außerordentlich populären Veranstaltung?

Christoph Damaske: Unsere Turnierausrichtung ist in unserem Motto gut beschrieben: »Tennis im Sand, Urlaub am Strand und den Cocktail in der Hand!« Diese Inselgegebenheiten treffen auf alle Teilnehmerschichten zu. Wir möchten dem Nachwuchs mit Ihren Eltern ein tolles Urlaubserlebnis bieten. Nicht nur die Kinder, sondern die Eltern freunden sich über das Turnier an. Wir spielen die Junioren daher auch ganz bewusst parallel zu den Profis, damit die Kids ihre Vorbilder hautnah erleben können. Die Profis helfen darüber hinaus beim Kindertraining für Anfänger und Fortgeschrittene! Das Thema »Tennistainment« mit Welcome-Party und Turniergemeinschaft durch Whiskey- sowie Gin-Tastings war ein sehr wichtiges gesellschaftliches Ereignis in den ersten Turnierjahren. Obwohl die Insel im Sommerurlaub mit den Strandbars an sich genügend Attraktionen bietet, kommen Grill- und Bierabende sehr bei den Teilnehmern gut an, zum Beispiel bei den Borkum Senior Open als »All-White-Party« in der Milchbude »Hinni’s Strandoase«. Spontane Zusammenkünfte gibt es ebenfalls, die Teilnehmer verabreden sich am Strand zu Wein und Bier, so wie wir das früher ebenfalls gemacht haben. Wenn sich unser Event als Familien-Urlaubsturnier etabliert, die Aktiven mit Freunden und Mannschaftskollegen kommen und die Senioren ebenfalls, haben wir Vieles richtig gemacht. Ein nettes Turnierteam sorgt dann im »Players’ Service« für die gute Turnierstimmung, nach üblen Niederlagen oder den wenigen Streitigkeiten auf dem Platz. Das ist uns als Veranstalter besonders wichtig.

Ordnungsamt und Bürgermeister haben nun endgültig grünes Licht gegeben. Nun bleibt zu hoffen, dass ausreichend Teilnehmerinnen und Teilnehmer den Weg nach Borkum finden. Wie bekommst Du Dein Event jetzt noch so kurzfristig beworben?

Christoph Damaske: Wie gesagt, hat sich dieses Sommer-Urlaubsturnier in den letzten neun Jahren stetig weiter herumgesprochen, so dass die Teilnehmer, die live vor Ort waren, immer wieder anderen von den elf schönen Inseltagen berichtet haben. Viele Teilnehmer buchen ihre Ferienwohnungen daher schon ein Jahr im Voraus. Bei den Damen und Herren der Kategorie A sind wir immer wieder überrascht, wie viele erst zum Meldeschluss aus dem Versteck kommen. Da pokern wohl viele je nach Meldeliste und rechnen sich Ihre Chancen auf’s Preisgeld aus. Immerhin geht es bei den Herren um 1.200 Euro. Generell fällt in diesem Jahr auf, dass durch den Wegfall der Futures sogar die kleinen Turniere unglaubliche Felder mit vielen LK1-Spielern haben. Beim Herren-A-Turnier rechnen wir auch wieder mit Weltranglisten-Spielern. Es haben sich schon einige bei mir gemeldet und erkundigt. Das Hauptaugenmerk liegt als Veranstalter dann in den letzten drei Wochen vor Turnierbeginn doch auf der Sponsorenakquise und Programmheftgestaltung, denn um langfristig am Leben bleiben zu können, ist die schwarze Null am Ende des Turniers natürlich sehr wichtig. Aber ein guter Artikel oder ein Interview hier und dort helfen sicherlich ebenfalls. Wir geben wie jedes Jahr wieder Alles für ein schönes und gesundes Turniererlebnis unter außergewöhnlichen Bedingungen in 2020.

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