Brief an Stefanos Tsitsipas

Lieber Stefanos.

Ich gratuliere Dir zum Dreisatzsieg über unsere Nummer Eins, Alexander Zverev, gegen den Du in der Woche zuvor noch in zwei Sätzen durchgereicht wurdest. Eins solltest Du allerdings wissen: »Du hast nicht gut gespielt« und »das Match war erbärmlich, wirklich erbärmlich«. Auch hätte Dein Gegner schon »eineinhalb Stunden früher in der Kabine sein müssen«. So zumindest analysierte Großkotz Zverev Dein Supermatch in einer an Überheblichkeit nicht zu übertreffenden Pressekonferenz. Respekt von der Nummer Drei der Welt für Deine Leistung? Fehlanzeige. Anstand und Fairness? Fehlanzeige. Selbstrefelexion und fachlich-sachliche Analyse à la Federer? Fehlanzeige.

Dein Konter auf diese verbalen Entgleisungen Zverevs, lieber Stefanos, war intelligent und zielsicher. Du sagtest: „Ich habe seine Äußerungen gehört. Ich war heute einfach cleverer und das hat ihn fertig gemacht.” Ja, vielleicht ist es in der Tat eine Frage der Intelligenz. Auf jeden Fall aber ist es eine Frage der Erziehung. Während ich diesen Brief an Dich schreibe, hast Du nach Dominic Thiem, Novak Djokovic und eben Zverev auch Kevin Anderson aus dem Turnier genommen und damit vier Top-Tenspieler in Serie eliminiert. Der fünfte und aktuell beste Top-Ten-Spieler wartet schon: Im Finale spielst Du mit Rafael Nadal gegen die Nummer Eins. Hoffentlich kannst Du Dein Talent auch dann wieder auf den Platz bringen und eine historische Turnierwoche krönen. Alexander Zverev solte sich schleunigst entschuldigen. Ansonsten brauchst Du Dir diesen Namen nicht zu merken.

Liebe Grüße, Christoph Kellermann

 

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

August 2018 · © tennisredaktion.de