Brief an Roger Federer

Lieber Roger.

Die Bilder von Deinem Turniersieg in Dubai gingen viral durch die Decke. Egal welches Medium – man kam in den letzten Tagen natürlich nicht vorbei an Deinem Husarenstreich in der Wüste, wo Du der »Next generation« wieder einmal eine sportliche Abreibung verpasst hast. Eigentlich hast Du ja nur eines von vielen Turnieren auf der ATP World Tour gewonnen. Es war nicht mal ein Masters-Event, geschweige denn eine weitere Grand-Slam-Trophäe. Es war »nur« ein schlappes 500er-Event. Und doch ein ganz besonders. Es war der 100. Titel in Deiner beeindruckenden Karriere. Ich ziehe meinen Hut.

Ich freue mich sehr für Dich. Vor allem für die Tatsache, dass nun endlich auch die Spekulationen aufhören, ob Du es im Spät-Spätherbst Deiner Laufbahn denn noch schaffen würdest, diese magische dreistellige Zahl an Turniererfolgen knacken zu können und wenn ja, wo das passieren würde. Die permanenten Fragen in dieser Richtung müssen Dich doch seit knapp einem Jahr tierisch genervt haben, oder? Obwohl, die Spekualtionen gehen natürlich weiter, denn nun fragen die ersten Kollegen bereits nach, ob Du auch Jimmy Connors schon im Visier hast. »Jimbo« hat in der »ewigen Rangliste der Turnierchampions« 109 Turniersiege auf dem Konto. Wer Dich kennt, der weiß, dass Du auch diesen rekord gerne haben möchtest, Du aber auch in dieser Angelegenheit wieder bewusst demütig und respektvoll dem Ex-Kollegen gegenüber mit sportlich fairem Understatement aufwarten wirst. Du selbst siehst Dich nicht als einer der Größten auf diesem Planeten oder gar als so genannter »GOAT« – the »Greatest of all time«. Derartige »Titel« bringen Dich eher in Verlegenheit. Das ist, was alle Fans und Kollegen so an Dir schätzen und lieben. Das ist viel mehr wert, als Deine überaus beeindruckende Ansammlung an sportlichen Erfolgen.

Liebe Grüße, Christoph Kellermann

Autor: Christoph Kellermann
Photocredit:
Jürgen Hasenkopf

März 2019 · © Tennisredaktion.de