Brief an Rafael Nadal

Von Christoph Kellermann.


Lieber Rafael.

Eine Deiner Lieblingsvokabeln müsste in diesen Tagen das Wort »Undécima« sein. Zunächst hast Du im »Monte Carlo Country Club« Deinen elften Masterstitel geholt, um dann in Barcelona ebenfalls mit Deinem elften Coup noch einen drauf zu setzen. Du Sandplatzgott. Du fantastischer Kämpfer. Elf Mal bei ein und demselben Turnier zu gewinnen, das kann kein anderer Spieler in der Geschichte des Tennissports vorweisen. Dass Dir das innerhalb von nur zwei Wochen gleich zwei Mal gelingt, ist umso unfassbarer.

Alle Welt wartet nun darauf, dass Du auch in Paris Deinen elften Siegerpokal einfährst. Ganz ehrlich: wer zweifelt daran? Die Konkurrenz ist stark, doch Du bist Rafa. Der schier unbezwingbare Herrscher auf der roten Asche. Jüngst hast Du leise angedeutet, dass man Deine unglaublichen Leistungen nicht mehr ewig wird bestaunen können. Du selbst wirst Dein Karriereende sicher schon etwas präziser geplant haben. Bis dahin aber wirst Du weiter alles daran setzen, nichts und niemanden in Deine eigene Welt auf dem von der Konkurrenz gleichermaßen geliebten wie gehassten Sand zu lassen. Für das dritte Grand-Slam-Turnier des Jahres wirst Du einmal mehr der Gejagte sein. Wer schafft es, Dir einen oder gar zwei Sätze abzunehmen? Dass Dich jemand im »Bois de Boulogne« auf dem Weg zu Deinem 17. Major-Titel stoppt, halte ich für schlicht unmöglich. Und weißt Du was? Ich gönne Dir diesen Triumph – ohne »Wenn« und »Aber«…

Liebe Grüße, Christoph


Autor: Christoph Kellermann
Photocredit: Jürgen Hasenkopf

Mai 2018 · © tennisredaktion.de