»Winning ugly«

Stephan Medem
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Von Ste­phan Medem. Hal­lo Ten­nis-Freaks! Zum Start unse­rer neu­en Rei­he habe ich mir gleich eines mei­ner abso­lu­ten Lieb­lings­bü­cher aus dem Regal gegrif­fen. PS: Wer sich über mein iPad wun­dert. Jap, der größ­te Teil mei­ner Bücher ist inzwi­schen in mei­ner elek­tro­ni­schen Biblio­thek abge­legt. Eigent­lich bin ich ja in Sachen Lite­ra­tur »very old school« und habe nach wie vor sehr viel lie­ber ein »ech­tes Buch« in der Hand. War­um also elek­tro­nisch? Nun, vie­le wirk­lich rich­tig gute Bücher sind nicht auf Deutsch publi­ziert wor­den. Heu­te bin ich glück­li­cher­wei­se in der Lage, jedes Buch, ob in deutsch, fran­zö­sisch oder eng­lisch, per Maus­klick zu laden und kann sofort mit dem Lesen begin­nen. Lei­der habe ich in der Ver­gan­gen­heit immer sehr ger­ne mei­ne Bücher aus­ge­lie­hen und irgend­wie kamen die Din­ger ärger­li­cher­wei­se meis­tens nicht wie­der zurück. Soll­te da drau­ßen also jetzt der eine oder ande­re eine rote Bir­ne bekom­men, no pro­blem, ent­spannt Euch, Ihr könnt sie ger­ne behal­ten, »e‑book« sei Dank…

Dass Brad Gil­bert es in sei­ner akti­ven Zeit auf der ATP-Tour ein­mal schaf­fen soll­te, 20 Tur­nie­re zu gewin­nen und zeit­wei­se auf Rang vier der Welt­rang­lis­te zu ste­hen, hät­te ihm zu Beginn sei­ner Kar­rie­re kei­ne Sau zuge­traut, außer er sich selbst. Und damit sind wir eigent­lich schon am Punkt. Unter­durch­schnitt­li­che Schlä­ge, durch­schnitt­li­che Ath­le­tik, aber ein über­durch­schnitt­li­ches tak­ti­sches Ver­ständ­nis für Ten­nis sowie eine noch über­durch­schnitt­li­che­re men­ta­le Kon­sti­tu­ti­on mach­ten aus Brad Gil­bert den Angst­geg­ner fast aller Top-Spie­ler, allen vor­an unse­res Bobe­les. Jap, der hat­te jedes Mal die Hosen gestri­chen voll, wenn es gegen »Mis­ter Win­ning ugly« auf den Acker ging.

Aber nun zu besag­tem Buch: Das Ding muss jeder Tur­nier­spie­ler lesen! Egal, ob er inter­na­tio­nal ver­sucht, zu reüs­sie­ren oder ein­fach nur im Umkreis von ein paar Kilo­me­tern ver­sucht, sei­ne LK zu ver­bes­sern. Wer es schon gele­sen hat, dem gra­tu­lie­re ich und ich ver­wet­te mei­ne gan­ze Racket­bag dar­auf, dass jeder Leser von die­sem Stoff pro­fi­tiert hat. Wer es noch nicht gele­sen hat, selbst schuld, but what the heck, genau jetzt wäre der rich­ti­ge Zeit­punkt, um das nach­zu­ho­len. Lasst Euch bit­te nicht vom Titel »Win­ning ugly« irri­tie­ren, das dür­fen ger­ne auch hüb­sche Men­schen lesen oder sol­che, die den­ken, in dem Buch gehts nur um irgend­wel­che fie­sen oder unsport­li­chen »Hin­ter­fot­zig­kei­ten«, um sei­ne Geg­ner zu besie­gen?! Weit gefehlt! Ein­fach nur sehr viel Infor­ma­ti­on zu die­sem gei­len Sport und vor allem natür­lich zu den men­ta­len Aspek­ten und wie wir die­se zu unse­rem Vor­teil nut­zen kön­nen — immer wie­der gespickt mit echt coo­len Epi­so­den aus sei­ner eige­nen Profizeit.

»Men­ta­le Kriegs­füh­rung im Ten­nis« schreckt even­tu­ell die weib­li­che, sicher­lich jedoch die pazi­fis­tisch ori­en­tier­te, Leser­schaft ab. Ist auch mies gewählt der Text und da hat der Über­set­zer auch echt schlecht gear­bei­tet. Aber hey, »This is Ame­ri­ca«, da gibt’s ja auch »kil­ler ser­ves«, »bom­bing returns«, »dead­ly dropshots«, »gre­na­des«, »wea­pons«, und vie­les mehr. Die Amis haben halt ein­fach ’nen Hang zu ihrem »Cow­boy-Slang«, das zieht sich ja bis zum heu­ti­gen Tag und bis in die aller­höchs­ten Regie­rungs­krei­se durch.

1997?! Das Teil muss doch kom­plett uralt und völ­lig ver­staubt daher kom­men. Weit gefehlt. Für jeden Spie­ler immer noch aktu­ell. Auch wenn die »Next gen« da drau­ßen nicht mehr weiß, wer Cou­rier, Lendl, Agas­si oder McEn­roe sind und dass Becker nicht ein­fach nur ein etwas über­ge­wich­ti­ger, zu ger­ne plap­pern­der Fern­seh­ex­per­te ist, son­dern tat­säch­lich eini­ge Grand-Slams gewon­nen hat. Auch dass wir damals mit Hosen gespielt haben, wo Ihr Euch in Euren Schlab­ber­bu­xen heu­te viel­leicht dar­über wun­dert, dass wir uns nicht bei jedem Split-Step den Hoden gequetscht haben. Das Buch ist nach wie vor ein »must read«! Wer Bock dar­auf hat und über ein halb­wegs gepfleg­tes Gym­na­si­al-Eng­lisch ver­fügt, soll­te sich »Win­ning ugly« auf eng­lisch down­loa­den. Da kommt Brads Style um eini­ges coo­ler rüber.

Ich gebe die­sem Buch »4 ASSE«. Ein Ass Abzug — nicht etwa, weil der Inhalt nicht über­zeugt. Aber Brad Gil­bert oder auch sein Ver­lag oder ger­ne auch alle bei­de, hät­ten dafür sor­gen müs­sen, dass die­se Ten­nis­pflicht­lek­tü­re irgend­wann wie­der ein­mal aktua­li­siert wird. Für Damen, Pazi­fis­ten und die »Next gen«…

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