Be the best Coach!

Impression
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Es gibt immer wie­der Pha­sen im Ver­lauf der Coa­ching-Tätig­kei­ten, in denen man sich die Fra­ge stellt, ob man einen guten Job macht oder ob alles best­mög­lich läuft. Die­se Fra­gen, bezie­hungs­wei­se das sich selbst hin­ter­fra­gen, kann bei­spiels­wei­se in Momen­ten auf­tre­ten, in denen der eige­ne Schütz­ling im Trai­ning nicht so moti­viert ist oder eine über­ra­schen­de Nie­der­la­ge ein­ste­cken muss­te. Die­se Über­le­gun­gen füh­ren in mei­nem Fall gele­gent­lich zu der ein­fa­chen aber zugleich sehr kom­ple­xen Fra­ge: Was macht eigent­lich einen guten Coach aus?!

Toni Witz
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Ich möch­te auf­grund mei­ner Erfah­run­gen, die ich frü­her als akti­ver Spie­ler mit mei­nen Trai­nern, als Schüler/Student in diver­sen Aus- und Fort­bil­dun­gen und als akti­ver Trai­ner gesam­melt habe, ein Bild eines für mich per­sön­lich guten Coa­ches zeich­nen. Und zwar möch­te ich an die­ser Stel­le ver­su­chen, ande­re Eigen­schaf­ten anzu­füh­ren, als jene die sehr häu­fig in diver­sen Bei­trä­gen oder Fach­zeit­schrif­ten erwähnt wer­den, in denen von päd­ago­gi­scher Kom­pe­tenz, tech­ni­schem und tak­ti­schem Ver­ständ­nis, etc. die Rede ist. Die­se Eigen­schaf­ten sind natür­lich eben­so rele­vant. Ich hof­fe jedoch, dass es mir durch eine mit­un­ter ande­ren Betrach­tungs­wei­se gelingt, eini­gen Coa­ches dabei zu hel­fen, noch effi­zi­en­ter und qua­li­ta­tiv hoch­wer­ti­ger arbei­ten zu kön­nen. Lan­ge Rede kur­zer Sinn, nun ein Aus­zug von Eigen­schaf­ten, die einen guten Coach mei­ner Mei­nung nach ausmachen…

Coach sein — full time job

Ein berühm­ter Coach hat ein­mal in einem Vor­trag erwähnt, dass es für ihn selbst­ver­ständ­lich sei, immer für sei­ne Schütz­lin­ge da zu sein. Bezo­gen auf das Trai­ning  bedeu­tet das, dass die »Betreu­ung« nicht ab dem Moment endet, wo man den Platz ver­lässt, son­dern dass man auch außer­halb des Plat­zes ein offe­nes Ohr für sei­ne Schütz­lin­ge haben soll­te. Denn auch Din­ge, die außer­halb des Plat­zes pas­sie­ren, kön­nen einen posi­ti­ven wie auch nega­ti­ven Ein­fluss auf die weitere(n) Trainingsleistung(en) haben. Des­halb ist es wich­tig, dies vor dem Trai­ning zu wis­sen, um das Trai­ning ent­spre­chend gestal­ten zu können.

Ver­ständ­nis

In Anleh­nung an den soeben erwähn­ten Punkt bedeu­tet dies in gewis­sen Situa­tio­nen, in denen der Schütz­ling zum Bei­spiel auf­grund von pri­va­ten Pro­ble­men unkon­zen­triert oder unmo­ti­viert erscheint, als Trai­ne­rIn ver­ständ­nis­vol­ler gegen­über der vor­aus­sicht­lich dar­aus resul­tie­ren­den schwä­che­ren Trai­nings­leis­tung zu sein. Es soll­te aber nach dem Trai­ning von Sei­ten der Trai­ne­rin bzw. des Trai­ners the­ma­ti­siert wer­den, um eine Lösung für die wei­te­ren Trai­nings­ein­hei­ten zu finden.

Struk­tu­rier­te Flexibilität

Es ist grund­sätz­lich wich­tig für jedes Trai­ning, einen Plan/Schwerpunkt(e) zu haben, damit klar ist, was man in der Trai­nings­ein­heit errei­chen möch­te. Dabei ist aber häu­fig eine situa­tiv varia­ble Fle­xi­bi­li­tät erfor­der­lich, da, wie zuvor erwähnt, indi­vi­du­el­le Vor­aus­set­zun­gen der Schütz­lin­ge an den jewei­li­gen Tagen berück­sich­tigt wer­den müssen/sollten. Das bedeu­tet für die Pra­xis, dass man bei­spiels­wei­se den Trai­nings­plan bei man­geln­der Moti­va­ti­on sei­tens des Schütz­lings mit Übun­gen ergänzt/ersetzt, die viel­leicht nicht zum aktu­el­len Trai­nings­schwer­punkt pas­sen, von denen man aber weiß, dass sie sehr ger­ne gespielt werden.

Aus­tausch

Erklä­run­gen und Abspra­chen mit sei­nem Schütz­ling vor dem Trai­ning oder in des­sen Ver­lauf sind mei­ner Erfah­rung nach sehr wich­tig, um sei­ne Schütz­lin­ge auch men­tal im Trai­nings­pro­zess zu for­dern und ein­zu­glie­dern. Hier möch­te ich grund­sätz­lich zwi­schen Spie­le­rIn­nen unter­schei­den die sich a) trai­nie­ren las­sen, die qua­si alles von ihrem Coach ent­schei­den las­sen und im Trai­ning eher »pas­siv« agie­ren und b) sel­ber Inputs für das Trai­ning geben, die nach­fra­gen oder/und hin­ter­fra­gen war­um bei­spiels­wei­se die­se Übung jetzt gespielt wird, oder in die­ser Situa­ti­on die­ser Schlag bes­ser ist.

Der Vor­teil von aktiv trai­nie­ren­den Spie­le­rIn­nen ist, dass sie sich viel inten­si­ver mit dem Ten­nis­sport aus­ein­an­der­set­zen, wodurch ein schnel­le­rer Lern­er­folg sowie ein schnel­le­rer Leis­tungs­an­stieg erreicht wer­den kann. Somit wird klar, dass die Auf­ga­be eines guten Coa­ches auch dar­in besteht, dafür zu sor­gen, dass sei­ne Schütz­lin­ge aktiv im Trai­nings­pro­zess mit­ar­bei­ten. Es ist jedoch wich­tig, dass nicht immer alles bis ins kleins­te Detail durch­dis­ku­tiert wird, weil sonst kei­ne Zeit für das Trai­ning an sich bleibt. Hier sind ent­spre­chen­de Balan­ce sowie ein gewis­ses Fin­ger­spit­zen­ge­fühl erforderlich.

Begeis­te­rung erzeugen

Durch die bewuss­te Ein­glie­de­rung sei­nes Schütz­lings in das Trai­ning und dem dadurch wach­sen­dem Ver­ständ­nis für den Sport, steigt auch die Wahr­schein­lich­keit, dass die Schü­ler sich außer­halb des Plat­zes eben­falls für den Ten­nis­sport begeis­tern und in der Fol­ge bes­se­ren Spie­le­rIn­nen zuschau­en und ver­su­chen wer­den, sich von ihnen etwas abzu­schau­en. Auch dies ist nach­voll­zieh­ba­rer Wei­se för­der­lich für die per­sön­li­che Leistungsentwicklung.

Neue Wege gehen

Abwechs­lungs­rei­che und inno­va­ti­ve Trai­nings­ein­hei­ten sind wich­ti­ge Fak­to­ren, um Begeis­te­rung zu schaf­fen und auf­recht zu erhal­ten. Um dies zu errei­chen, kön­nen unter ande­rem neue Din­ge aus­pro­biert wer­den und auch Krea­ti­vi­tät wird manch­mal vom Coach gefor­dert. Ent­schei­dend dabei ist jedoch, sich vor­ab aus­rei­chend Gedan­ken dar­über zu machen, ob sich die neue(n) Übung(en) oder ein neu­er Trai­nings­an­satz wirk­lich dazu eig­nen oder eher kon­tra­pro­duk­tiv sind.

Moti­va­ti­on durch Inspiration

Moti­va­ti­on ist ein wich­ti­ges Ele­ment für eine gute Trai­nings­leis­tung. Damit der Schütz­ling in so vie­len Trai­nings­ein­hei­ten wie mög­lich moti­viert ist, vor allem in Ein­hei­ten mit Schwer­punk­ten, die dem Schütz­ling viel­leicht nicht so zusa­gen (bei­spiels­wei­se Tech­nik­trai­ning), ist es wich­tig, ihr/ihm näher zu brin­gen, war­um die­ser Schwer­punkt gesetzt wird. Man muss ihr/ihm so gut es geht ver­deut­li­chen, wie bei­spiels­wei­se kon­stan­ter oder druck­vol­ler das eige­nen Spiel dadurch wird. Wie wich­tig die­ser »Mosa­ik­stein« ist, um zum Bei­spiel beim nächs­ten Mal sei­ne Angstgegnerin/seinen Angst­geg­ner schla­gen zu kön­nen. Und was das dann für ein tol­les Gefühl sein wird, wenn man es geschafft hat. Spe­zi­ell bei Kin­dern und Jugend­li­chen ist es wich­tig, dies so detail­liert wie mög­lich zu beschrei­ben, um sie zu inspi­rie­ren, damit auch nicht so »span­nen­de« Trai­nings­in­hal­te mit höchst­mög­li­cher Moti­va­ti­on durch­ge­führt werden.

Still­stand ist Rückschritt

„Wer glaubt, alles zu wis­sen, hört auf, bes­ser zu wer­den”, die­ser Spruch eines ehe­ma­li­gen Trai­ners bringt es auf den Punkt. Als Coach hat man die Auf­ga­be, sich stän­dig wei­ter­zu­ent­wi­ckeln, um neue Erkennt­nis­se und Trends, nach­dem man sie hin­ter­fragt und sich aus­rei­chend mit ihnen beschäf­tigt hat, in den Trai­nings­all­tag ein­zu­bau­en, um ein moder­nes und effi­zi­en­tes Trai­ning gewähr­leis­ten zu kön­nen. Dabei sind auch Koope­ra­ti­on und Aus­tausch mit ande­ren Trai­ne­rIn­nen sinn­voll und not­wen­dig, um auch ande­re Sicht­wei­sen ken­nen­zu­ler­nen und bei Bedarf in das eige­ne Trai­ning einzubauen.

Von ande­ren Sport­ar­ten lernen

Im Lau­fe mei­ner Aus­bil­dun­gen habe ich gelernt, dass es sehr hilf­reich ist, sich auch mit Trai­ne­rin­nen und Trai­nern aus ande­ren Sport­ar­ten aus­zu­tau­schen. Spe­zi­ell aus dem Bereich der Leicht­ath­le­tik kann man sich mei­ner Erfah­rung nach sehr viel abschau­en, denn hier fin­det man eine Viel­zahl an Übungs­for­men, die dafür sor­gen, dass ele­men­ta­re Din­ge wie Lau­fen oder Wer­fen von Beginn an rich­tig erlernt wer­den. Und sind die­se »Basics« ein­mal erlernt wor­den, kann man mit etwas Krea­ti­vi­tät und Sport­art­spe­zi­fi­schem Wis­sen aus leicht­ath­le­ti­schen auch ten­nis­spe­zi­fi­sche Übun­gen kreieren.

Eige­nen Stär­ken bewusst sein

Einer mei­ner bes­ten Leh­rer hat mich eines Tages mit einer Ant­wort auf die Fra­ge eines Kol­le­gen sehr über­rascht, indem er erwi­der­te: „Da bin ich kein Exper­te, dass kann dir mein Kol­le­ge sicher bes­ser beant­wor­ten.“ Mit die­ser Ant­wort hat­te ich des­halb nicht gerech­net, weil ich mir bis zu die­sem Zeit­punkt nicht vor­stel­len konn­te, dass die­ser kom­pe­ten­te und erfah­re­ne Trai­ner etwas nicht wis­sen kann. Mir wur­de in die­sem Moment schlag­ar­tig klar, dass ein guter Coach nicht jemand ist, der alles weiß, son­dern dem bewusst ist, wo ihre/seine Stär­ken lie­gen und für den Fall der Fäl­le ein Netz­werk mit Exper­ten hat, denen sie/er ver­traut und die sie/er um Rat fra­gen kann.

Feh­ler ein­ge­ste­hen – super Coach

Der­sel­be Leh­rer hat mir auch ver­mit­telt, dass Feh­ler im Ver­lauf der Coa­ching-Tätig­kei­ten pas­sie­ren wer­den, ja sogar nor­mal sind. Denn Feh­ler gehö­ren zum Ent­wick­lungs­pro­zess, den auch ein Coach durch­läuft, dazu. Wich­tig dabei sind jedoch zwei Din­ge. Ers­tens: den Feh­ler schnellst­mög­lich zu regis­trie­ren und zwei­tens zu ver­su­chen, dar­aus zu ler­nen — und die­sen feh­ler — wenn mög­lich — nicht zu wie­der­ho­len. Ein »Super Coach« teilt die­se Feh­ler mit ande­ren Coa­ches, damit die­se nicht die­sel­ben Feh­ler machen, um bei­spiels­wei­se dar­aus resul­tie­ren­de Ver­let­zun­gen zu verhindern.

Erfah­rung

Zu guter Letzt die wahr­schein­lich wich­tigs­te Vor­aus­set­zung, ein guter Coach sein zu kön­nen und um einen Teil der soeben erwähn­ten Punk­te auch »erfah­ren« zu haben, ist dann logi­scher Wei­se die Erfah­rung an sich. Nur durch Erfahrung(en) fin­det ein guter Coach jenen per­sön­li­chen Weg, der ihm rich­tig erscheint und bei dem er über­zeugt davon ist, sei­ne Schütz­lin­ge best­mög­lich betreu­en zu kön­nen. Und falls etwas nicht wie gewünscht läuft, weiß er durch die Viel­zahl an Trai­nings­ein­hei­ten und durch die Viel­zahl an unter­schied­li­chen Schütz­lin­gen mit ihren indi­vi­du­el­len Bedürf­nis­sen, ob, was und wann etwas im Trai­nings­pro­zess geän­dert wer­den soll. Das bedeu­tet nicht, dass man zu Beginn der Trai­ner­kar­rie­re kein guter Coach sein kann, aber man muss sich im Kla­ren sein, dass Erfahrung(en) not­wen­dig ist/sind, um ein noch bes­se­rer Coach sein zu kön­nen. In die­sem Sin­ne alles Gute beim Erfah­rung sam­meln, um zum »bes­ten Coach zu wer­den, der ihr sein könnt«.

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