Bequemlichkeit

Das Wetter draußen vor dem Haus ist nicht gerade prickelnd und der Arbeitstag war alles andere als gemütlich. Wie schaut es bei Euch aus? Zieht ihr trotzdem die Jogging-Schuhe an und lauft noch ein paar Kilometer? Okay, eigentlich sollte der Rasen gemäht werden. Aber es ist so verdammt heiß draußen, da reicht’s doch auch, wenn die Sache morgen erledigt wird. Der Hund steht schwanzwedelnd vor dem Sofa. „Wie schön wär’s, wenn Du noch kurz eine kleine Runde mit mir spazieren würdest!“, will er Dir mit seinem gesamten verfügbaren Repertoire mitteilen. Und? Ist die »Anziehungskraft Sofa« zu groß oder bekommst Du den Hintern noch einmal hoch?

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Gut: der Hund, er ist benügsam und legt sich nach mehreren Versuchen irgendwann enttäuscht in die Ecke. Er wird auch nicht lange schmollen. Nicht gut: Euer Kind hat die Sache hautnah miterlebt und eine Erinnerung im Betriebssystem »Leistung« abgespeichert. Eine Erinnerung, die alles andere als positiv ist. Wenn es nur bei der einen bleibt, Leute, kein Problem. Aber gewinnt der »innere Schweinehund« bei Euch zu oft die Oberhand, dann habt Ihr ein Problem! Ja, vielleicht auch mit Eurer Figur (!?!?), aber viel schlimmer: Euer Sproß wird Euer Verhalten auf seiner Festplatte speichern!

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Burnout

Eine kleine Story aus meiner Racket-Bag. Es ist Montagnachmittag. Tim hat am Wochenende davor ein richtig gutes Turnier gespielt und sich bis ins Finale gekämpft. Das hatte er mir ganz stolz per SMS geschrieben. Schon nach einer Viertelstunde auf dem Trainingsplatz merke ich, dass mein Tennisschüler total kaputt ist. Ich unterbreche die Trainingseinheit und frage nach. Tim erzählt mir, dass er in drei Turnierspielen über zwei Stunden kämpfen musste, um seine Gegner nieder zu ringen und danach (logischerweise) fertig war. Die Niederlage im Finale war eigentlich vorprogrammiert, weil konditionell schlichtweg nichts mehr ging. Sicherlich wird sich Tim für die Zukunft eine bessere Grundkondition antrainieren müssen, um solche kraftreibenden Turniere bis zum Schluss durch stehen zu können. Aber, das geht nicht von heute auf morgen und vor allem nicht mit einem »kaputten« Sportler. Kurzerhand breche ich die Trainingseinheit ab und empfehle Tim, sich zuhause einen »Ruhigen« zu gönnen und etwas zu »chillen«.

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Kaum eine Stunde vergeht, da klingelt mein Handy und der erboste Vater von Tim regt sich lauthals darüber auf, was mir hier einfalle, einfach eine Trainingseinheit vorzeitig zu beenden. Ich habe dem guten Mann erklärt, dass ich diese Stunde nicht berechne. War ihm egal! Ich habe ihm von der »10.000-Stunden-Regel« erzählt und auch davon,d ass eine lasche Trainingseinheit nichts bringen würde. War ihm egal! ich sagte ihm, dass Regeneration manchmal sehr viel hilfreicher ist, als schlechte Arbeit. Auch das war ihm scheißegal! Nach ein paar Tagen habe ich Tims Vater getroffen und versucht, ihm die oben genannten Fakten noch einmal in aller Ruhe und Deutlichkeit klar zu machen. Leider ohne Erfolg! Er war der unumstößlichen Überzeugung, sein Sohn sei einfach nur zu faul zum Arbeiten, sich öfter mal ne Pause gönnen! Punkt. Tim gehört zu den Jungs, die nicht mehr mit mir trainieren. Nein, er war nicht zu faul. Er hat bis zum Umfallen »gearbeitet«. Leider habe ich seinen Vater in diversen Gesprächen nicht von seinem Standpunkt, sein Sohn sei nur ein »Weichei«, abbringen können. Schade für Tim!

Wenn Euer Kind müde und ausgepowert von einem Turnier kommt, gönnt ihm doch einfach auch einmal eine Pause. Es regeneriert innerhalb dieses Tages großartig und wird danach wieder qualitativ und mit Spaß arbeiten können. Hat Euer Kind über einen langen Zeitraum gut und intensiv trainiert und eventuell auch noch Turniere gespielt und läuft es deshalb vielleicht ein bisschen auf dem »Zahnfleisch«, gönnt ihm eine Auszeit. Von mir aus auch einmal über mehrere Tage. Erstens einmal kann es sich erholen und auf Grund dessen wieder topfit und intensiv spielen. Es ist danach wieder hochmotiviert, engagiert und mit Freude bei der Sache! Dafür lohnt sich eine kleine Auszeit allemal! Meine Erfahrung hat gezeigt, dass die Kids, gerade nach einer mehrtägigen Unterbrechung von sich aus daher kommen und quengeln: „Hey, ich will wieder trainieren!“ Genau das sollten Eltern und Coaches hören wollen! „ICH WILL!“

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»Choking«

»Choking« ist im Tennis-Fachchinesisch die Unfähigkeit, ein Match abzuschließen. Oft wird »choking« fälschlicherweise als Angst vor dem Sieg interpretiert. In der Regel ist der Spieler schon mit einem Satz im Rücken und einem mehr oder minder klaren Vorsprung im zweiten oder dritten Satz ziemlich nah am Ziel, da gibt es oft diesen Filmriss.

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»Choking«, plötzlich, wie aus dem Nichts, kommt die gerade noch flott laufende »Sieger-Maschine« ins Stottern. Gerade, wenn sich diese Sache schon in mehreren Matches wiederholt hat, ist die Wahrscheinlichkeit leider relativ hoch, dass sie sich bei ähnlich hohen Spielführungen immer wieder bemerkbar macht und deshalb unnötige und schmerzhafte Niederlagen die Folge sind. Wie schon gesagt: dieses Phänomen hat überhaupt nichts mit Angst vor dem Sieg zu tun! Wäre ja auch Blödsinn: ein Spieler kann Angst vor einer Niederlage haben, aber wohl kaum vor einem Sieg! »Choking« ist ganz einfach formuliert nur eine gravierende Konzentrationsschwäche! Unser auf der Siegerstraße cruisender Sportler realisiert plötzlich aufgrund des Spielstandes, wie er sich nah am Sieg befindet. Seine Gedanken driften in die Zukunft, sie sind nicht mehr im »Hier und Jetzt«. Durch gezieltes Konzentrationstraining, also das Fokussieren auf den einen Punkt, kann diese Schwäche behoben werden…

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Disziplin

Disziplin – ohne diese Fähigkeit ist keine Karriere machbar. Egal, ob als Musiker, Arzt, Model oder Tennisspieler. Vor allem in der Phase der Pubertät wird Dein Nachwuchs hier vor große Herausforderungen gestellt. Am Abend vor einem wichtigen Turnier gehen die Klassenkameraden auf eine angesagte Party, Dein Sprössling muss in der Lage sein »Nein« zu sagen. Die Woche war vielleicht etwas anstrengend, trotzdem muss ein ambitionierter Nachwuchssportler »Ja« zu Kondi sagen und es auch gewissenhaft durchziehen.

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Mangelnde Disziplin ist in meiner langen Zeit als Coach der womöglich häufigste K.O. von wirklich vielversprechenden Sportlerkarrieren gewesen. Und habe ich die Fälle etwas genauer studiert, so ist mir aufgefallen, dass die Unfähigkeit, diszipliniert zu arbeiten, auf die eine oder andere Art von den Eltern der Betroffenen weiter gereicht worden ist. Euer Kind wird sich die Definition von Disziplin zuallererst von Euch abschauen! Und da es als zukünftiger Profisportler über einhundert Prozent an Disziplin verfügen muss, nun… da ist es sehr wichtig, dass Ihr ihm einhundert Prozent an Disziplin vorlebt…

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Dosierung

„Okay, mein Kind soll weniger Turniere spielen. Deine Argumentation macht Sinn!“ So in der Art hat mich letzte Woche der Vater eines jungen Spielers angesprochen. „Wie schaut das mit dem Training aus? Ist hier weniger auch mehr?“ – „Ganz richtig!“ Mit dieser knackigen Ansage wäre dieser Teil des Elternratgebers schon fast beendet.

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Jede Trainingseinheit, die nicht mit 100 Prozent absolviert wird, ist vergeudete Zeit! Natürlich muss man hier je nach Trainingsschwerpunkt Unterscheidungen machen, aber generell muss das Training volles Engagement sowie volle Konzentration und Intensität des Spielers fordern. Genau jene Zutaten also, die in einem erfolgreichen Turniereinsatz auch abverlangt werden. Ich beobachte sehr oft das Gegenteil: der junge Spieler wird quantitativ zugedröhnt, was natürlich zu einem logischen Abbau der drei vorgenannten Hauptzutaten führt. Kommt dann im übelsten Falle wegen zuviel Trainings noch Langeweile, Gleichgültigkeit oder gar »Bocklosigkeit« dazu, dann darf man sich nicht wundern, wenn dieser Spieler entsprechende Turnierauftritte abliefert.

Wie schon im Beitrag über die Turniereinsätze erwähnt: einen guten Spieler auszubilden, braucht sehr viel Zeit! Der Tennissport hat sich enorm weiter entwickelt, die Ausbildungszeiten habe sich verlängert! Das widerspricht der modernen Gangart unserer Zivilisation, in der alles »pronto pronto« und am liebsten schon gestern fertig sein muss. Unsere Kids müssen stets motiviert und mit Freude in den Einsatz gehen. Ist das über einen längeren Zeitraum nicht der Fall, wird vielleicht zuviel trainiert – oder der Trainer macht was falsch…

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