Duzen oder Siezen?!

Frage an Herbert Schnaubelt: Im Sport wird sich ja gemeinhin geduzt. Wie soll es ein Trainer Ihrer Meinung nach in Bezug auf die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen halten?! Sollen diese den Trainer duzen oder siezen?! Ich selbst bin 42 Jahre alt und gebe Unterricht für Minis ab vier Jahren sowie Teenager bis 18 Jahren…

Herbert Schnaubelt
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Herbert Schnaubelt: Hier gibt es aus meiner Sicht keine allgemein gültige Lösung. Dies ist eine individuelle Entscheidung eines jeden Trainers. Von daher ist meine Antwort sehr von meiner eigenen Einstellung geprägt. Etwas Historisch betrachtet wurde das »Sie« benutzt, wenn die Person nicht bekannt war, nicht zur Familie gehörte oder wenn ein Altersunterschied Kind/Jugendlicher zu Erwachsenem gegeben war. Wie lange müsste also ein Kinder-/Jugendtraining laufen bis Du den Kids »bekannt« geworden bist. Gehst Du dann in der Mitte der Saison zum »Du« über? Nimmst Du den Altersunterschied als Kriterium, so wird es wohl immer beim »Sie« bleiben. Zu meiner aktiven Trainertätigkeit war meine Einstellung hierzu folgende: ich habe alle Kinder &und Jugendliche geduzt und sie durften dies auch ich habe Erwachsene/Senioren gefragt, ob wir das »Du« benutzen können und darauf verwiesen, dass ich auch das »Sie« perfekt beherrsche.

Hinter Deiner Frage verbirgt sich aus meiner Sich eine andere Thematik: Respekt. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass Respekt keine »künstliche« Unterstützung durch das »Sie« braucht. Der nötige Respekt wird durch Kompetenz, Kommunikation und Kontinuität verdient. Kids & Juniors kapieren sehr schnell, ob ihr Trainer vorbereitet ist und eine Trainingsplanung mit klar definierten Zielen hat. Ebenso, ob der Trainer ihnen schnell und effektiv helfen kann. Sie wollen/brauchen klare Kommunikation und einen Trainer, der sich kontinuierlich verhält. Kurz gesagt: Werde Vorbild und dass »Siezen« erübrigt sich. Treffe eine Entscheidung und lasse mich gerne die Begründung wissen! P.S.: Auch wenn ich Dich in meiner Antwort duze, mangelt es mir nicht an Respekt Dir gegenüber.

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»Trainer-Trilemma«

Frage an Herbert Schnaubelt: „Hallo Herr Schnaubelt. Wie stehen Sie persönlich zu der Erwartungshaltung eines Vereinsvorstandes, dass der Vereinstrainer auch aktiver Teil der ersten Mannschaft sein muss. Ich persönlich würde nämlich gern für einen Nachbarverein aufschlagen, mein Vorstand deutet mir aber durch die Blume an, dass dann auch mein Engagement als Trainer auf sehr wackeligen Füßen stehen würde. Auch mit der Begründung, dass ich im besagten Nachbarverein zwei Klassen höher spielen könnte, komme ich nicht weiter. Leider bin ich auf die Trainerstunden in meinem Verein finanziell angewiesen. Vielen Dank für Ihre Mühen.

Herbert Schnaubelt
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Herbert Schnaubelt: Vielen Dank für Deine Frage. Die Beantwortung ist schwierig und von den jeweiligen Prioritäten und Interessenlagen abhängig. Da wäre zunächst einmal der Verein: es liegt in dessem Interesse, den Trainer auch als Spieler im Verein zu halten. Besonders bei Deiner offensichtlich gegebenen Spielstärke. Und dann wäre da der Spieler: Dein Wunsch, als Spieler zwei Klassen höher zu spielen, ist absolut nachvollziehbar. Ich selbst habe mich vor langer Zeit ebenfalls dazu entschlossen und habe es bis heute nicht bereut. Und schließlich wäre da der Trainer: als (Vereins-)Trainer garantiert Dir Dein Verein eine gesicherte Einnahmequelle. Wie Du erwähnt hast, bist Du auf die Trainerstunden in Deinem Verein angewiesen.

Wie also mit diesem »Trilemma« umgehen?

Das Vereins-/Vorstandsinteresse ist nachvollziehbar. Die Vorgehensweise ist aus deren Sicht legitim, wenn auch aus meiner Sicht ethisch eher zweifelhaft. Der Ball ist auf Deiner Platzhälfte. Du kannst/musst entscheiden, was Dir wichtiger ist. Entscheidend kann hierbei sein, aus welcher Rolle heraus Du antworten möchtest – aus der des Trainers oder der des Spielers? Deine Prioritäten entscheiden! Hierbei triffst Du auf die vier Dinge, die die Welt regieren:

  • Geld (Du brauchst es!)
  • Macht (Verein/Vorstand)
  • Interessen (Verein/Vorstand, Spieler/Trainer)
  • Ego (Spieler)

Du wirst eine Entscheidung treffen und hierfür auch den Preis bezahlen müssen. Kontaktiere mich gern bei weiteren Fragen.

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»Umkrempeln« ist ein »no-go«

Frage an Herbert Schnaubelt: Hallo Herr Schnaubelt! Welche Unterschiede muss ein Trainer – was den Trainingsaufbau angeht – im Umgang mit unterschiedlichen Zielgruppen an den Tag legen, sprich: Jugend, Damen/Herren und Seniorinnen/Senioren. Selbstverständlich ist die Ansprache eine etwas andere, aber Aktive der Altersklasse 60 plus sind doch eigentlich mitunter genauso engagiert und ehrgeizig, wie Damen, Herren oder Jugendliche!? Grundsätzlich würde ich alle Altersklassen gern sportlich fordern. Geht man bei den Seniorinnen/Senioren auch an die Grenze der Belastbarkeit? Lehrt man Seniorinnen/Senioren auch noch Spezialschläge oder krempelt man im deren Technik noch einmal auf Links?

Herbert Schnaubelt
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Herbert Schnaubelt: Vielen Dank für Deine Fragen! Was den Trainingsaufbau angeht, so herrscht hier in Bezug auf Struktur der Unterrichts- und Trainingseinheiten weitestgehend Übereinstimmung.

1. Warm Up/Aktivierung
2. Technikentwicklung
3. Spielentwicklung/Taktik
4. Cool Down/Stretching

Die Struktur geht von »OPEN« zu »CLOSED« zu »OPEN«. Die prozentuale Gewichtung ist unterschiedlich und den speziellen Bedürfnissen geschuldet. So wird beispielsweise bei Kindern U10 der Teil der Technikentwicklung (CLOSED) größer sein, als die Spielentwicklung (OPEN). Bei den anderen Zielgruppen, sprich: den jugendlichen Freizeitspielern, den Erwachsenen und Senioren, wird der Aspekt der Spielentwicklung wichtiger.

»Sportliche« Forderung

Es spricht aus meiner Sicht nichts dagegen, alle Zielgruppen »sportlich« zu fordern. Je älter die Tennisspieler werden, um so wichtiger ist es jedoch für den Trainer zu wissen, ob sie Verletzungen haben/hatten und wie ihr kardiovaskulärer Zustand ist. Ich erinnere mich noch an meinen Schock, als ein Schweizer Teilnehmer an einem Drillkurs zu Kursende berichtete, dass er vor einigen Monaten mehrere Bypässe gelegt bekommen hat.

Spezialschläge vs. Umkrempeln

»Umkrempeln« ist aus meiner Sicht ein absolutes »no-go«! Wenn Du einem Seniorenspieler die Technik nochmals »da capo« beibringen willst, so wirst Du sie/ihn in ein monatelanges Tal der Tränen ohne Erfolg schicken. In Konsequenz wird der Senior möglicherweise dem Tennissport Aufwiedersehen sagen. Spezialschläge beibringen geht hingegen immer – entsprechende koordinative Fähigkeiten und Geduld vorausgesetzt. Ich erinnere mich noch allzu gerne an das Gesicht eines Physik-Professors der RWTH Aachen, Freizeitspieler und mit Eastern-Vorhandgriff aufschlagend, als er seinen ersten Kick-Aufschlag mit höherer Flugkurve und ansprechender Rotation ins Feld setzte. Möglicherweise war es von Vorteil, dass ich ihm etwas von der »Magnus-Kraft« erzählen konnte.

Grundsätzlich steht es uns als Tennislehrer/-trainer nicht zu, einem Spieler (s)einen Schlag zu nehmen. Es ist viel erfolgsversprechender, dem Spieler einen neuen, zusätzlichen Schlag beizubringen. Bernd, gerne stehe ich für weitere Fragen zur Verfügung!

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